Neonazi-Demo: Was ist dran am Gerücht?

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In einem einschlägigen Neonazi-Forum wird die Demo am 1. Mai in Rosenheim angesprochen. Jedoch bleibt es auch hier im Konjunktiv: "habe von Freunden mitbekommen" schreibt etwa ein "Bbergenfeld". Eine sichere Quelle ist dieses Forum nicht.  
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Rosenheim -  Planen Neonazis eine Demo am 1.Mai in Rosenheim? Wir haben recherchiert was hinter dem Gerücht steckt. Derzeit bleibt vieles spekulativ:

Die letzte Neonazi-Demo in Rosenheim fand am 6. November 1999 statt. Nun droht eine Rückkehr des braunen Spuks. Rosenheim24 hat recherchiert und bei den lokalen und regionalen Netzwerken gegen Rechtsextremismus und Faschismus nachgefragt, was hinter dem Gerücht steckt. Die wichtigsten Fragen und Ergebnisse im Überblick:

Was spricht für eine Demo in Rosenheim?

Infobox: Freies Netz Süd

Eine überregionale Vernetzung von Neonazis und Kameradschaften. Viele der führenden Aktivisten kommen ursprünglich aus der NPD. Feste Strukturen werden vermieden. Kontakte zu faschistischen Gruppen in europäischen Nachbarländern gepflegt. 

Quelle und mehr Infos bei Endstation Rechts.Bayern

Das "Freie Netz Süd" (siehe Infobox links) hat in den vergangenen Jahren jeweils zum "Tag der Arbeit" in Baden-Württemberg und Bayern Demonstrationen abgehalten. Dabei wählten die Rechtsextremen stets mittelgroße Städte: Ulm/Neu-Ulm (2009), Weiden (2009), Schweinfurt (2010), Heilbronn (2011). Rosenheim würde in dieses Muster passen.

Zudem verstärkten sich in unserer Region in jüngster Zeit die Aktivitäten vom Freien Netz Süd. Sie hielten am 14. Januar einen Naziaufmarch in Mühldorf ab (wir berichteten) und am 21. Januar in München. In Halsbach (Landkreis Altötting) wird zudem derzeit mit dem Verein "Frei Räume" versucht ein rechtsextremes Kultur- und Konzertzentrum direkt im Ortskern zu schaffen (wir berichteten).

Welche Belege gibt es?

Bei der Recherche nach Belegen und Quellen für die Demo wurde es dürftig. Im Wesentlichen stützt sich die Annahme auf einen Bericht in den Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN).

Der Artikel in den PNN:

Im Pressebericht in den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" vom 21. Januar wird Rosenheim in einem Nebensatz als möglicher Demonstrationsort erwähnt. Dort heißt es: "Nach PNN-Informationen ist Wittstock bislang der einzige Ort in den neuen Bundesländern, in dem die Rechtsextremisten eine Demo zum 1. Mai geplant haben. Daneben wollen die Neonazis an diesem Tag in Dortmund (NRW), Neumünster (NDS) und Rosenheim (Bayern) ihre Aufzüge abhalten."

Einer der Autoren dieses PNN-Artikels, Alexander Fröhlich, teilte uns schriftlich auf Anfrage mit: „Bei unseren Recherchen in einschlägigen Neonazi-Foren und durch Kontakte in sozialen Netzwerken, sind wir auch auf Rosenheim gestoßen. Es gab eindeutige und klare Hinweise. Demnach planen Rechtsextremisten dort einen Aufmarsch am 1. Mai. Es könnte jedoch auch sein, dass die ersten Berichte darüber bereits abgeschreckt haben, insbesondere auch der sich in Rosenheim formierende Widerstand."

Einträge in einem Neonazi-Forum:

Auf unsere Anfrage machte uns zudem die "infogruppe rosenheim" auf Einträge in einem einschlägigen Neonazi-Forum aufmerksam (siehe Screenshot oben). Doch diese wenigen Einträge bleiben im Konjunktiv. Die infogruppe sieht diese Forumseinträge daher auch nicht als sichere Quelle an. 

Ein "BBergenfeld" schreibt, er habe "von Freunden mitbekommen" das in Rosenheim eine Demo geplant sei.  Ein "doitsch" antwortet darauf, dass das Freie Netz Süd "sicher wieder was in Süddeutschland machen" werde, ihm aber nicht bekannt sei, ob es Rosenheim wird. Beide Forumsteilnehmer scheinen somit nicht zum engeren Kreis der Szene-Insider zu gehören.

Infobox: Die letzte rechte Demo in Rosenheim

Am 6. November 1999 organisierte der NPD Kreisverband Rosenheim-Traunstein eine Demo unter dem Motto ""Kampf den Drogen - Kampf der Drogenmafia - Todesstrafe für Dealer". Es kamen rund 400 rechte Teilnehmer. Die Stadt hatte versucht, die Veranstaltung per Verfügung zu untersagen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof gab aber einer Beschwerde der NPD statt.

Mehr Infos finden Sie hier auf der Intersetseite von a.i.d.a

Die "infogruppe Rosenheim" hält die Informationen der "Potsdamer Neuesten Nachrichten" für glaubwürdig, da für die anderen im PNN-Artikel erwähnten Demonstrationsorte (Dortmund, Wittstock und Neumünster) tatsächllich schon Mobilisierungsaufrufe im Internet zu finden seien. Somit scheinen sich also diese Prognosen bereits bestätigt zu haben.  

Der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e.V. , kurz a.i.d.a, lagen auf unsere Anfrage auch keine näheren Informationen vor. Allerdings gab man dort zu bedenken, das Rosenheim im Vergleich zu den letztjährigen Demonstrationsorten sehr weit im Süden liegt und das eher gegen die Stadt spreche.  

Wie groß könnte die Demo werden?

Ein Foto vom der letzten Neonazi-Demo in Rosenheim vom 6. November 1999.

Die Demonstrationen am 1. Mai gehören aufgrund des hohen Symbolcharakters (Feiertag der internationalen Arbeiterbewegung) zu den wichtigsten Terminen der rechten Szene im Jahr. Daher wird versucht eine möglichst große Masse zu mobilisieren um Stärke zu zeigen.

Sollte es zu einer Demonstration in Rosenheim kommen, rechnet die infogruppe mit 900 bis 1200 Teilnehmern. In dieser Größenordnung bewegten sich nämlich die Neonazi-Aufmärsche zum 1. Mai in den letzten Jahren im süddeutschen Raum.

mg

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