Radio-Tipp

Der Pee-Wee-Keller in Rosenheim - wo Mama und Papa in den 1960ern megacool waren

Rosenheim - Gerade für junge Generationen ist es oft schwer vorstellbar: Die Ü60er, also auch Papa und Mama, waren mal richtig cool und Rosenheim in den 60ern ein Pilgerort für Beat-Fans. Wer's nicht glaubt, sollte hier weiterlesen. 

Lust auf eine Zeitreise? Die Radio-Reportage "Mit den Pee Wees im Tanzkeller – wie Rosenheim von der Beat-Welle erfasst wurde" entführt am Donnerstag, 21. Mai 2020, um 13.05 Uhr auf Bayern 2 in Rosenheims ersten und einzigen Beatkeller. Autorin Katrin Stadler, eine Rosenheimerin, reist zurück in jene Zeit, "als ihre Eltern im Pee-Wee-Keller tanzten und der grüne Eintrittsstempel des Kultkellers den Zugang ins Paradies bedeutete", so beschreibt der BR die Sendung.

So berichtete das OVB 1966 über den Kult-Keller

Der Pee-Wee-Keller war nicht nur bei Rosenheimern Kult. Ein Redakteur der OVB Heimatzeitungen schrieb in  der Ausgabe vom 11. August 1966 folgendes:

"Eintrittskarten gibt es nicht." Der Jüngling an der Kasse drückt dem Besucher einen grünen Stempel auf den Handrücken. Das kostet zwei Mark (vor neun Uhr sogar fünfzehn Pfennig mehr). Dann sind wir mitten im Gewühl. Im ehemaligen gutbürgerlichen Ratskeller amüsiert sich Rosenheims Jugend unter 19 Jahren.

Die Musik: "Ohrenbetäubend, aber nicht ungeschickt"

Die Kapelle spielt einen ohrenbetäubenden, aber nicht ungeschickten Beat. Beatles sind dagegen Mangelware. Ich frage das blonde Mädchen an meinem Tisch... ob für sie ein Langhaariger als Spezi in Frage kommen könnte: "Warum net", lautete die Antwort, "aber gepflegt muaß er scho sei!"

Die Tanzfläche ist überfüllt. Temperamentsausbrüche erlaubt der halbe Quadratmeter, der jedem Pärchen zur Verfügung steht, nicht. Man zelebriert die Tänze wie ein Ritual, mit ernster Miene und sorgfältig abgezirkelten Arm- und Beinbewegungen. Am Schluss bedankt sich die Musik mit einem bayerisch gefärbten "Merci", und alles setzt sich.

Klubmanager ist erst 18 Jahre alt

In terview mit dem "Manager" des Klubs, ein achtzehnjähriger Gymnasiast. Er ist verantwortlich, dass jedes Wochenende eine Kapelle verpflichtet wird. Im Moment spielen die "Pee-Wees". Warum "Pee-Wee"? Er gibt mir eine Reihe von Erklärungen: "Der Name Pee Wee ist so einfach, daß ihn auch das dümmste Mädchen aussprechen kann". Außerdem nenne sich ein berühmter Jazz-Musiker so, aber "den wern Sie net kenna."

Keine Probleme mit dem "Keller-Maxi"

Ob´s schon mal Schwierigkeiten mit dem Jugendamt gegeben habe? Eigentlich nicht. Am Sonntag komme der "Keller-Maxi" (gemeint ist Stadtamtmann Keller, der Leiter des Jugendamts), und schreibe ein paar allzu jugendliche Playboys und -girls auf. Nicht so am Samstag, "da mag er sei Ruah ham!"

Um 22.15 Uhr verkündet der Lautsprecher: "Jugendliche unter 18 Jahren sind seit einer Viertelstunde zu Hause."... Inzwischen hat uns die Kellnerin Bier gebracht. Gläser verspricht sie nachzuliefern. Nach einer halben Stunde machen wir`s wie alle anderen und trinken aus der Flasche.

Sonntags kriegt jeder ein Mädchen zum Tanzen ab

Nächster Tanz. Ich versuche mein Glück am Nebentisch. Eine fünfzehnjährige Schöne sagt auf meine höfliche Aufforderung, ob sie mit mir tanzen wolle, ein schlichtes, aber ehrliches "Na". Der Manager tröstet mich. Ich solle Sonntag vorbeikommen, da sei Mädchenüberschuss, jeder hätte eine Chance - sogar ich.

Neue Gäste sind eingetroffen, vier junge Münchner. Ja, sie seine schon öfters hier gewesen. Mit dem Moped sind sie nach Rosenheim gekommen, morgen früh geht`s wieder heim. Ich möchte wissen, ob man in München nicht tanzen gehen könne: "Erschtens is des aso teier, und mia gengan lieba da her. Einfach - weil Schwabing so fad is..."

Was wurde aus dem Pee-Wee-Keller?

Wer jetzt zu jung ist und sich fragt, dieser legendäre Ort einst gewesen ist: an der Stelle des heutigen Ballhaus Rosenheim. Mitte/Ende der 60er Jahre wurde dort aus dem "Ratskeller" der Pee-Wee-Keller. Später daraus dann das Nachtlokal „Exil“.

Carmen Krippl/OVB

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