Findiger Rosenheimer bekommt Dämpfer

Buchladen einfach mit Lebensmitteln offen halten? "Versuch war's wert"

Buchladen durch Lebensmittelverkauf während Corona-Krise offen gehalten - Nach Verbot weiter Lieferdienst von Bücher Johann
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Statt Klopapier zum Krimi wird nun nur noch bedrucktes Papier, genaugenommen Bücher verkauft. Nachdem einem Zwischenspiel als Buch- und Lebensmittelladen von den Behörden ein Ende gemacht wurde, konzentriert sich Johann Struck von Bücher Johann nun vollkommen auf den Buchverkauf.

Rosenheim - Für eine kurze Zeit konnte Johann Struck seinen Buchladen auch während der Corona-Krise für den Kundenverkehr offen halten, indem er auch Lebensmittel verkaufte. Doch dann machten dem die Behörden ein Ende.

Jetzt steht sie da, die Palette Klopapier mitten im Buchladen. Sie ist wohl das augenfälligste Überbleibsel des Experiments, das Johann Struck gemacht hat. "Da müssen wir mal schauen, was wir damit machen. Grundsätzlich können wir das ja für den Laden brauchen, wenn auch nicht unbedingt in solchen Mengen", meint Johann Struck, Inhaber des Rosenheimer Buchladens "Bücher Johann" im Gespräch mit rosenheim24.de. "Eventuell verschenke ich auch einen Teil an Freunde und Verwandte. Der Großhändler, bei dem ich es gekauft habe, würde es auch wieder zurücknehmen. Es wird ja nicht schlecht. Sollte er akut Mangel haben, gibt er mir außerdem bescheid, dann kriegt er es sofort wieder!" 

Zettel im Schaufenster weisen Kunden auf das Ende des Intermezzos als Buch- und Lebensmittelladen hin.

Neben dem massiven Block aus Toilettenpapier-Packungen der mitten im Laden aufragt mag manchem im Vorbeigehen auch der Zettel aufgefallen sein."Leider hat uns das Gewerbeamt mit Strafanzeige gedroht und wir werden jetzt auch diesen Lebensmittelladen schließen müssen." Hinter dem ganzen steckt ein Versuch, den Struck gewagt hatte: Als Buchladen hätte er sein Geschäft nicht weiter für den Kundenverkehr offen halten dürfen. Also versuchte er es mit einem Mix aus Lebensmittel- und Buchladen, bis dem die Behörden einen Riegel vorschoben.

Noch Erlaubnis für Lebensmittelverkauf gehabt

Coronavirus im Überblick:

"Schon am Vorabend der Bekanntgabe der Ausgangsbeschränkungen durch Herrn Söder gab es ja Gerüchte, dass so etwas kommen würde. Das dann nur noch Lebensmittelläden offen haben dürfen", erinnert sich Struck. "Also habe ich mich hingesetzt und nachgedacht, wie ich dann weitermachen kann." Dabei habe er sich an seine Gewerbeanmeldung erinnert. "Die beinhaltete auch eine Erlaubnis zum Verkauf von Lebensmitteln. Hintergrund war, dass ich damals noch ein Art Fahrradkurierdienst betrieben habe. Der sollte dann auch Essen von Restaurants ausfahren." Also besorgte er sich beim Großhändler Nudeln, Öl und Reis und behielt das Geschäft weiter offen.

Dann flatterte allerdings ein Schreiben des Ordnungsamtes ins Haus. "Unter Androhung einer Strafanzeige wurde mir das Offenhalten des Ladens und der Lebensmittelverkauf untersagt." Konkret sei ihm mitgeteilt worden, dass gemäß den Vorgaben aus der bayerischen Staatsregierung für ihn die sogenannte "Mischbetriebe-Regelung" und das "Schwerpunktprinzip" gelte, erläutert das Ordnungsamt Stadt Rosenheim auf Nachfrage von rosenheim24.de.

"Das heißt, wenn der erlaubte Sortimentsteil überwiegt können alle Sortimente vertrieben werden, die gewöhnlich verkauft werden." Wenn bei einem Betrieb dagegen der verbotene Teil überwiege, wie im Fall vom Bücher Johann, dann könnten auch nur die erlaubten Teile für sich allein betrieben werden. "Nachdem beim Buchladen bis vor Eintreten der Corona-Krise und der verfügten Betriebsuntersagungen eindeutig der Buchhandel überwog, darf dieser Teil auch nicht weiterbetrieben werden." 

Hier findet Ihr Onlineshops von Händlern aus der Region

"Da habe ich mir dann gesagt: Einen Versuch war es wert, aber jetzt gehe ich besser zurück zum Kerngeschäft." Er habe sich also auf das, was er am Besten könne konzentriert: Den Verkauf und das Ausliefern von Büchern. "Und das hat sich auch bewährt. Das Geschäft brummt!" Der Laden sei nun für Kunden zugesperrt, der Verkauf laufe nun nur noch über Bestellungen per Telefon oder den Online-Shop. "Wir haben auch unsere internen Regeln total verschärft, um absolute Sicherheit beim Infektionsschutz zu bieten!" Unter anderem würden die Radl-Kuriere auszuliefernde Bestellungen nun hinten im Hof des Buchladens abholen und so direkten Kontakt mit den Angestellten im Laden vermeiden.

Geschäft läuft gut

Die Buchhandels-Branche hat, auch in der Region, in der Corona-Krise auch eine Art von Glück im Unglück. Denn der Online-Versand-Gigant Amazon hat die Lieferzeiten für Bücher überwiegend massiv heruntergefahren. Das, obwohl das Unternehmen einmal als Buchversand angefangen hat. Nun ist für den Wunsch nach dem gedruckten Wort wieder der Buchhändler ums Eck Ansprechpartner Nummer eins.

Per Telefon oder über den Online-Shop kann weiter bei Bücher Johann bestellt werden. Vom Laden aus läuft, unter verschärften Infektionsschutz-Maßnahmen, der Versand weiter.

Die Änderungen bei Amazon würden sicher auch etwas helfen, aber sei nicht der Hauptgrund, dass das Geschäft nun auch in der Krise gut laufe. "Wir fahren ja schon von Anfang an Bücher aus", merkt Struck an. "Uns kennen daher auch viele Rosenheimer als 'Die mit dem grünen Radl-Kurier'. Das kommt uns nun zu Gute." Der direkte Kontakt zum Kunden im Laden würde ihm aber schon sehr fehlen, räumt Struck ein. "Das ist schon sehr schade, denn das gehört zum Leben als Buchhändler eigentlich dazu!"

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