Diskussionsrunde und Betriebsbesichtigung in Rosenheim

„Biogasanlagen unterschätzter Baustein bei der Energiewende“

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Rosenheim - Im Rahmen einer Betriebsbesichtigung des Virtuellen Regelkraftwerkes der Stadtwerke Rosenheim diskutierten Politiker und Experten zum Thema Biogasanlagen.

„Biogasanlagen tragen zur wirtschaftlichen Sicherung landwirtschaftlicher Betriebe bei, sie sind klimaschonend und ermöglichen eine sichere regenerative Energieversorgung. Es ist gut und richtig, dass die Stadtwerke Rosenheim ihre energetische Leistung mit einem virtuellen Kraftwerk bestmöglich vermarktet“, betonte CSU-Stadtrat und Landtagskandidat Daniel Artmann bei einem Besuch des CSU-Ortsverbandes Rosenheim-Stadt im Virtuellen Kraftwerk der Stadtwerke Rosenheim und einer Biogasanlage in Vogtareuth. 

Diskussion mit zahlreichen Experten

An die Führung der rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer schloss sich eine Diskussionsrunde mit Vertretern der Stadtwerke, Biogasanlagenbetreibern, Bankenvertretern und Kunden an. Artmann sieht in Biogasanlagen einen wichtigen Baustein auf dem Weg zur Energiewende, da sie im Gegensatz zu anderen Ökostrom-Technologien bedarfsgerecht Strom erzeugen können. „Leider erfahren Biogasanlagen in der öffentlichen Wahrnehmung zu wenig Wertschätzung. Dabei eignen sich gerade Biogasanlagen dafür, gemeinsam mit Netzbetreibern die Spannung im Stromnetz zu sichern, wenn mal keine Sonne scheint oder der Wind ausbleibt“, so Artmann. 

Sebastian Ranner, zuständiger Bereichsleiter für die Technischen Dienste und den Energiemarkt bei den Stadtwerken, wies die Teilnehmer auf grundsätzliche strukturelle Veränderungen bei der Stromversorgung im Zuge der Energiewende hin. Die Versorgung werde wesentlich kleinteiliger und stetig dezentraler. An die Stelle der großen Kohle- und Atomkraftwerke treten kleine Blockheizkraftwerke, Gasmotoren und Erneuerbare-Energien-Anlagen. 

„Die Stadtwerke Rosenheim haben ein virtuelles Kraftwerk geschaffen, das solche Anlagen bündelt, um deren Leistung optimal zu vermarkten. Diese Anlagen sind nicht nur umweltfreundlich, sondern auch sehr flexibel. Ihre Leistung lässt sich binnen kürzester Zeit an den Bedarf anpassen. Damit sind sie bestens geeignet, die Versorgungssicherheit in Deutschland zu stärken“, so Ranner. 

„Unsere Wärme ist katholisch“

Hans Bürger-Schuster vom Moierhof in Vogtareuth bewirtschaftet mit seiner Familie nicht nur einen modernen oberbayerischen Milchkuhbetrieb mit 70 Kühen und Jungtieren und vermietet Ferienwohnungen, sondern errichtete 2009 auch eine 100 KW Biogasanlage. 

„Unsere Wärme ist katholisch“, sagt Hans Bürger-Schuster augenzwinkernd, denn alles begann mit der Pfarrei St. Emmeram in Vogtareuth. Die Kirchengemeinde suchte im Zuge der Sanierung der Pfarrkirche und des Pfarrhof und später auch für den Pfarrstadl ein nachhaltiges Wärmekonzept aus nachwachsenden Rohstoffen. Dies war der Grundstein für ein Nahwärmenetz in Vogtareuth

Weihnachten 2009 wurde die Pfarrkirche St. Emmeram bereits mit Wärme von der Biogasanlage Bürger-Schuster beheizt. In den folgenden drei Jahren wurden alle kirchlichen Liegenschaften und sieben weitere private Gebäude an das 1.200 m lange Nahwärmenetz angeschlossen. 

Inzwischen wurde die Biogasanlage um ein größeres BHKW erweitert, um den Wärmebedarf zu decken. In diesem Jahr betrug bis März die CO²-Einsparung bereits 214 Tonnen oder 78.300 Liter Heizöl. Für Bürger-Schuster nur „ein kleines Beispiel, wie nachhaltiges Denken für alle Beteiligten nur Vorteile bringt“. Die Pfarrgemeinde hat dadurch ein kompaktes Wärmekonzept ohne fossile Energieträger und hohe Wartungskosten und die Biogasanlage ein schlüssiges Wärmekonzept ohne Wärmeverluste. 

Das Rosenheimer Landstrom Modell

Der nächste Schritt in eine energieautarke Zukunft begann 2014 mit den Stadtwerken Rosenheim und deren „Direktvermarktungs-Modell“. Das Konzept sorgt für Strom aus der Region für die Region. Zudem sollte der Strom möglichst passend zu den Bedarfszeiten produziert werden. Hierfür wurde die Bürger-Schustersche Biogasanlage 2015 in das Virtuelle Kraftwerk der Stadtwerke Rosenheim zur Stromvermarktung integriert. 

2017 wurde ein weiteres Spitzenlast-BHKW eingebaut und die strombedarfsgerechte Steuerung durch die Stadtwerke Rosenheim installiert. „In einem Zeitraum von neun Jahren ist so aus einer kleinen Biogasanlage ein Baustein in einem virtuellen vernetzten Konzept der regionalen Energiewende geworden. Besser kann man auf lokaler Ebene die Energiewende kaum flankieren“, ist Artmann überzeugt. 

110 Biogasanlagen im Landkreis

Der Agrardirektor der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG, Christian Bürger, befasste sich als Mitbegründer der Biogasgruppe Rosenheim von Anfang an mit der regional sinnvollen Nutzung der erneuerbaren Energien. Ergebnis dieser Arbeit ist eine optimal an die Region angepasste Biogasnutzung. 

„Im Landkreis Rosenheim gibt es derzeit um die 110 dezentrale Biogasanlagen mit einer durchschnittlichen Leistung von etwa 100 KW. 90 Prozent der Biogasanlagenbetreiber sind Milchviehbetriebe, die zur Abrundung ihres Betriebes Strom und Wärme erzeugen. Diese kleinen Biogasanlagen tragen dementsprechend auch erheblich zu Stabilisierung der landwirtschaftlichen Betriebe in der Region bei. Durch diese Einkommenssituation können Preisschwankungen an den volatilen Agrarmärkten abgemildert werden“, so Bürger.

Pressemeldung CSU Rosenheim

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