Prozess um tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim

Falschaussagen und Lügen - Staatsanwaltschaft prüft Zeugenaussagen

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Die beiden Angeklagten, links: Rechtsanwalt Baron von Koskull, rechts: Rechtsanwalt Stephan Rochlitz
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Rosenheim - Am Dienstag fiel das Urteil im Prozess gegen zwei junge Männer, die schuld am Unfall auf der Miesbacher Straße waren, bei dem zwei junge Frauen vom Samerberg ihr Leben verloren. Haben einige Zeugen bewusst falsch ausgesagt?

"Wir wurden hier sehr oft belogen. Die Aussagen der Freunde des Angeklagten waren absurd und bewusst falsch. Im Großen und Ganzen glauben wir da nichts", sagte Christian Merkel, Vorsitzender Richter im Prozess um den tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim am Dienstag bei seiner Urteilsbegründung. Er verurteilte die beiden Angeklagten, einen 24-jähriger Kolbermoorer und einen 25-jähriger Mann aus Ulm zu zwei Jahren haft ohne Bewährung und einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung

Das Gericht war der Auffassung, dass man bei dem Prozess vor allem von Seiten der Zeugen, die mit dem 24-Jährigen Kolbermoorer befreundet sind, nicht mit der vollen Wahrheit bedient wurde. "Dass die Möglichkeit der Absprache bestand, das wissen wir alle", sagte der Vorsitzende Richter.

Werden die Zeugen dafür belangt?

Als Zeuge hat man die Pflicht, vor Gericht die Wahrhheit zu sagen, das beinhaltet auch, dass man nichts weglassen darf was man weiß. Kommt man dieser Pflicht nicht nach, macht man sich strafbar. Das Gesetz sieht laut §153 StGB eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bei Falschaussage vor. Eine Falschaussage unter Meineid wird mit einer Freiheisstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

Zeuge sollte vereidigt werden

Am 12. April sagten die Zeugen aus, denen das Gericht offensichtlich keinen Glauben schenkte. Nebenklagevertreter, Rechtsanwalt Wilhelm Graue beantragte bei einem Zeugen sogar die Vereidigung, was vom Gericht jedoch abgelehnt wurde. 

Staatsanwaltschaft prüft Fall

Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit im Fall des Prozesses um den Unfall auf der Miesbacher Straße, ob es genaue Anhaltspunkte einer Falschaussage gebe. Gegebenenfalls werde dann ein Ermittlungsverfahren gegen die Zeugen eingeleitet, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz gegenüber rosenheim24.de. 

Vor Gericht wird häufig gelogen

Richter Dr. Franz Birndorfer vom Rosenheimer Amtsgericht teilte uns auf Nachfrage mit, dass vor Gericht leider sehr oft gelogen werde. Dass dann ein Strafverfahren gegen die Zeugen eingeleitet wird, kommt in der Realität auch vor. "Man muss den Zeugen jedoch nachweisen können, dass sie vorsätzlich falsche Angaben gemacht haben, das geht manchmal, z.B. wenn ein Gutachten andere Fakten beweist. Oftmals ist es aber schwierig den Zeugen eine falsche Aussage nachzuweisen."

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