"Gewalt an Frauen darf nicht vorkommen"

Frauen- und Mädchennotruf Rosenheim: Bedarf hat stark zugenommen

Rosenheim - Der städtische Haupt- und Finanzausschuss beriet am Dienstagabend über die Situation des Frauenhauses und des Frauen- und Mädchennotruf e.V. 

"Gewalt an Frauen darf nicht vorkommen", sagte Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU). "Dabei muss man auch wissen: Was ist Gewalt? Das ist alles was geschieht, wenn Frauen etwas nicht wollen." Die Gesetzgebung sehe zwar vor, dass Männer aus der Wohnung raus müssen, "in Realität ist es aber leider oft so, dass die Frauen sich nicht trauen."


Antrag auf Erhöhung der Zuschüsse für Frauenhaus und Notruf

Der Diskussion vorangegangen war ein Antrag der SPD-Stadtratsfraktion die  städtischen Zuschüsse für den Frauen- und Mädchennotruf e.V. und das SkF Frauenhaus Rosenheim zu verdoppeln. 

Stadträtin Elisabeth Jordan (SPD) erläuterte in der Sitzung, dass der Antrag sich vorwiegend auf den Notruf beziehe und sie wolle, dass das Frauenhaus mit inbegriffen sei. Als Grund für ihren Antrag gab sie auf Nachfrage von Bauer, die in sehr engem Kontakt zum Frauenhaus stehe, dass sie gehört habe, dass Frauenhäuser finanziell schlecht ausgestattet seien.


Kosten decken sich

Laut Oberbürgermeistern rechne das Frauenhaus mit der Stadt immer fallbezogen ab. "Und das deckt sich.Natürlich wäre mehr Geld schön, aber die Grundsicherung ist gegeben." Die Kosten haben sich in 2016 auf 300.000 Euro belaufen. Hierfür übernimmt die Regierung von Oberbayern jedoch 29.000 Euro. 

Beratungen haben stark zugenommen

"Der Frauen- und Mädchennotruf ist eine ganz wesentliche Anlaufstelle. Die Beratungen haben in den letzten Jahren sehr zugenommen", sagte Bauer. "Es bedarf unglaublicher Aufklärung, vor allem im Bereich mit Migrationshintergrund. Der Bedarf steigt stetig." Der Notruf bekomme jährlich einen Zuschuss in Höhe von 13.400 Euro, wovon 7.000 Euro auf die Stadt entfallen. Dieser soll auf 10.000 Euro erhöht werden.

Gleichstellungsbeauftragte unterstützt Antrag

Bettina Sewald, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Rosenheim unterstützt die Erhöhung der Zuschüsse für den Frauen- und Mädchennotruf ausdrücklich. Ebenso befürworte sie die Unterstützung von flankierenden Maßnahmen zur Entlastung des Frauenhauses. 

Als Begründung gibt sie an, dass eine Bedarfsstudie zum Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder in Bayern zeige, dass langfristig darauf hingewirkt werden müsse, dass Gewalt gegen Frauen nachhaltig abgebaut werden müsse. "Der Gewaltprävention sollte deshalb eine hohe Priorität bei allen künftigen Maßnahmen zukommen." Ein Ausbau ambulanter Beratungsangebote sei zum einen in ländlichen Gebieten daher notwendig. "Zum anderen müssen mehr Frauenhausplätze und Beratungsangebote für akut betroffene Frauen im städtischen Bereich zur Verfügung stehen. Die sehr stark ausgelasteten Frauenhäuser können und müssen durch flankierende Maßnahmen entlastet werden, etwa durch die Schaffung neuer, geringer betreuter Wohneinheiten für nicht (mehr) akut gewaltbetroffene Frauen und durch den Ausbau ambulanter und nachgehender Beratungsangebote."

245 Frauen konnten 2015 und 2016 nicht aufgenommen werden

In einer Arbeitsgruppe mit Leitungen und Trägervertretern vom SkF Frauen- und Mädchennotruf und Diakonie wurde eine Aktuelle Darstellung der Situation in Rosenheim erstellt. Hier wurde folgendes deutlich:

Der Frauennotruf muss sich zu 58 Prozent eigenständig über Spenden finanzieren und bindet für die Spendenaquise viel Kapazität, die besser in der Beratung aufgebracht würde. Die ständige Unsicherheit, ob die Gehälter der Mitarbeiterinnen finanziert werden können bindet viel Energie.

Das Frauenhaus (acht Plätze)ist über den Tagessatz finanziert. Die Anpassung erfolgt bei IV-50 regelmäßig und angemessen. Hier zeigen sich jedoch andere Problemstellungen durch die bayernweit unterschiedlichen Finanzierungsgepflogenheiten in der Praxis.  Ebenso ein großes Problem ist die mangelnde Verfügbarkeit von bezahlbaren Wohnungen. Dadurch verbleiben Frauen und Kinder häufig viel länger im Frauenhaus als nötig, was zu Engpässen in der Nachbelegung führt. Hier gilt es Alternativen zu finden. Die derzeitige Ausstattung des Frauenhauses mit 1,75 Sozialpädagoginnen Stellen (69 Wochenstunden) und eine 0,75 StelleErzieherin für die Kinder werde den erhöhten Anforderungen nicht mehr gerecht.

245 Frauen konnten 2015 und 2016 wegen Vollbelegung oder mangelnder Kostenübernahme nicht aufgenommen werden. 

Täter dürfen nicht weiter in Ruhe gelassen werden

Vertreter der Polizei haben am runden Tisch berichtet, dass sie die betroffenen Frauen mangels verfügbarer Plätze nicht unterbringen können. Sie können zwar rechtlich den Täter aus der Wohnung verweisen, dies sei aber in der Praxis häufig nicht durchführbar.

Vermehrte Anfragen kommen von Frauen mit Multiproblemlagen (psychische Erkrankung, Sucht, Hochrisikofälle). Hinzu kommen immer mehr Frauen mit Migrationshinergrund, wodurch die Beratung mit Dolmetscher aufwändiger sei.

Alle Beteiligten seien sich dabei einig, dass die Täter nicht weiter in Ruhe gelassen werden dürfen. Früheres Eingreifen und weitere Vernetzungsmöglichkeiten wären dringend erforderlich. Ein Ansatz sei dabei die Verstärkung der Männerberatung und der Täterarbeit, den die Diakonie mit einem zertifizierten Konzept voranbringen will. 

Gemeinsames Vorgehen der Hilfeeinrichtungen vorbildlich

Das gemeinsame Vorgehen der Rosenheimer Hilfeeinrichtungen se laut Sewalt vorbildlich. Eine Weiterentwicklung des Angebotes mit der entsprechenden finanziellen Unterstützung sein gleichstellungsrelevant und in der Umsetzung des Gewaltschutzes sehr wichtig und sinnvoll.

So stellt sich die Situation zu häuslicher Gewalt im Landkreis Mühldorf dar.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Maurizio Gamb

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