Gründung der Bürgerinitiative "BrenneRO"

"Während sich woanders Widerstand formierte, war in Rosenheim Schweigen"

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Volles Haus bei der Gründungsveranstaltung der Bürgerinitiative BrenneRO in Rosenheim
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Rosenheim - Am Dienstagabend war die Gründungsversammlung der Bürgerinitiative BrenneRO. Drei Vorträge sowie eine Fragerunde waren das Programm des Abends.

Der Saal des Gasthof Höhensteiger war wie auf fast allen Veranstaltungen zum Brenner-Nordzulauf gesteckt voll. Das Thema ist nun auch in Rosenheim angekommen. Nach Pang gründete nun auch der Rosenheimer Norden eine Bürgerinitiative gegen die geplante Zulaufstrecke zum Brenner-Basistunnel, von der auch Rosenheim betroffen sein wird. "Da kommt was auf uns zu, die Auswirkungen könnten massiv sein, sagte Werner Schmaler, Sprecher der Bürgerinitiative aus Langenpfunzen zu Beginn der Veranstaltung. "Wir wollen einfach, dass es da, wo wir wohnen, lebenswert bleibt.

Lageeinschätzung und Ziele der Bürgerinitiative

Die Bürgerinitiative (BI) ist der Auffassung, dass der Bau einer neuen Hochgeschwindigkeitstrasse durch das Inntal und der Umgebung schwerwiegende Folgen für Mensch und Natur hätte. Dies untermauerte auch der Vortrag von Steffen Storandt, Vorsitzender der Ortsgruppe Rosenheim des Bund Naturschutz, der die Auswirkungen des Projekts auf Natur und Umwelt vor Ort untersuchte und internationale Zusammenhänge und mögliche Verbesserungen für die Anwohner der Bestandsstrecke aufzeigte.

Die Folgen wären:

  • Belastung durch etwa 15-Jährige Bauzeit
  • Hoher Flächenverbrauch und -zerschneidung durch große Radien, lange Verknüpfungsstellen und Anbindestrecken
  • Schädigung von Gesundheit und Wohnwert durch Lärm und Erschütterungen
  • Vernichtung landwirtschaftlicher Nutzflächen 
  • Zerstörung der Natur, insbesondere wertvoller Schutzgebiete
  • Verunstaltung des Orts- und Landschaftsbildes
  • Gefährdung wertvoller Kulturgüter
  • Beeinträchtigung von Naherholung und Tourismus

Tunnel kein Allheilmittel

Thematisiert wurde auch die häufig geforderte Tunnellösung. Die von manchen erhoffte Untertunnelung würde es aber nur dort geben, wo es nicht anders geht, so Storandt. Diese Lösung bringe aber auch ökonomische Probleme mit sich: So würden enorme Mehrkosten beim Bau entstehen uns somit die Kosten-Nutzen-Rechnung verschlechtern. Außerdem würde der Unterhalt auch für die Anliegergemeinden teurer werden. Die ökologischen Probleme eines Tunnels seien eine riesige Menge an Abraum und Beton, das Risiko für den Wasserhaushalt und der höhere Luftwiderstand

Kein Wirklicher Bedarf

Auch bei dieser Veranstaltung war die Frage nach dem Bedarf wieder die Tragende. Nach Auffassung der BI besteht aus folgenden Gründen kein Anlass für den Bau einer neuen Trasse:

  • Bedarfsnachweis ist weder durch entsprechende Verkehrszahlen noch durch Nutzen-Kosten-Rechnung gegeben
  • Effektive Nutzung der freien Kapazitäten auf der Bestandsstrecke mit modernster Signaltechnik und längeren Güterzügen möglich
  • Insbesondere in Deutschland und Italien gibt es keine wirksamen Maßnahmen zur Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene
  • LKW-Transitverkehr am Brenner ist mindestens zu einem Drittel vermeidbarer Umwegeverkehr, da dies der derzeit billigste Alpenübergang ist
  • Durchgängiger viergleisiger Ausbau des etwa 200 Kilometer langen Südzulaufs mit etwa 180 Kilometer unterirdischem Verlauf ist für das hochverschuldete Italien in absehbarer Zukunft unmöglich finanzierbar

So geht die Stadt Rosenheim mit dem Thema um

Bevor Thomas Riedrich, Vorsitzender der Bürgerinitiative Brennerdialog Rosenheimer Land e.V., über den Brenner-Basistunnel und seine Zulaufstrecken sowie die Frage der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit des Projekts sprach, erläuterten die Rosenheimer Stadträte Abuzar Erdogan (SPD) und Franz Opperer (Grüne), wie in der Stadt mit dem Thema Brenner-Nordzulauf umgegangen werde.

Das Thema sei eigentlich erst im April 2016 zum ersten Mal in der Stadt aufgetaucht, so Opperer. "Die Haltung war damals aber so, dass die Trasse durch Rosenheim laufen soll, damit die Stadt nicht vom Fernverkehr abgeschnitten wird. Diese Stellungnahme ist dann ans Ministerium geschickz worden." Im Dezember 2016 habe die Bahn dann das Beteiligungsverfahren vorgestellt. "Während sich in anderen Kommunen Widerstand formierte und die Gemeinden in ihren Sitzungen informierten, war in Rosenheim Schweigen", sagte Opperer weiter. "Das Schweigen wurde erst durchbrochen, nachdem wir einen Antrag stellten, dass die Stadt informieren soll." Es gab dann schließlich eine Sondersitzung des Stadtrates in Pang. "Es war erstaunlich, wie wenig fundiertes Wissen es über das Thema auch im Stadtrat gab."

Themenseiten: 

- Brenner-Nordzulauf 

- Brenner-Basistunnel 

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- Brenner-Nordzulauf

Sein Stadtratskollege Abuzar Erdogan ergänzte, dass es alle Zahlen, die mit dem Staatsvertrag 2012 eigentlich alle fünf Jahre geliefert werden müssen, bis heute nicht gebe. "Je mehr Zeit vergeht, umso mehr gehe ich davon aus, dass die Zahlen dann sehr geschönt präsentiert werden. Wir müssen zeigen, dass wir ein Projekt dieses Ausmaßes, das keinerlei Grund hat, nicht wollen und dass sich auch die Stadt dazu bekennt." Die Stadt habe daher eine Resolution verabschiedet in der man sich für einen Stopp der Planungen ausspricht, zumindest bis es Zahlen gebe. "Wir müssen jetzt aktiv sein und Flagge zeigen", so Erdogan weiter. "Der Kosten-Nutzen-Faktor ist bis heute nicht nachgewiesen und ich glaube, dass er nie nachgewiesen werden kann."

Ziele der BI BrenneRo

Die Rosenheimer Bürgerinitiative BrenneRO betrachtet sich als Diskussions- und Informationsforum für die Öffentlichkeit und für die Mitglieder des von der Bahn gestarteten Bürgerdialogs. Sie strebt die Kooperation mit anderen Bürgerinitiativen und Verbänden an. 

Sie lehnt den unnötigen Bau einer neuen Trasse ab, egal wo diese verlaufen soll. Es dürfe kein Sankt-Florians-Prinzip zu Lasten anderer geben. Der Nahverkehr werde dadurch nicht leiden, Rosenheim nicht vom Fernverkehr abgehängt.

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