Landwirtschaftskongress der Grünen in Rosenheim

Giftfreie Bodenbewirtschaftung, mehr Tierwohl und Erhalt bäuerlicher Strukturen

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EU-Kandidat Martin Häusling (MdEP, B90/Grüne) - Keynote-Sprecher beim „GRÜNEN Landwirtschaftskongress“

Rosenheim - Bündnis90/Grüne Rosenheim-Stadt veranstalteten am Samstag, den 27. April einen „GRÜNEN Landwirtschaftskongress“ im Gasthof Höhensteiger, der unter dem Motto "Miteinander reden. Gemeinsam gestalten." stand. Ihr Vorsitzender Martin Knobel freute sich zusammen mit Gisela Sengl (MdL B90/Grüne), den zahlreich erschienenen interessierten Besucher*innen, eine hochkarätige Auswahl an Fachpolitiker*innen und Verbandsvertreter*innen aus der Landwirtschaft vorstellen zu dürfen.

Anlässlich der Wahlkampftour, die den EU-Kandidaten Martin Häusling (MdEP, “Die Grünen/Europäische Freie Allianz (EFA), B90/Grüne) auch nach Rosenheim führte, organisierten Bündnis90 / Grüne Rosenheim-Stadt unter Leitung ihres Vorsitzenden Martin Knobel zusammen mit Gisela Sengl (MdL B90/Grüne) einen „GRÜNEN Landwirtschaftskongress“. Dieser fand am Samstag, den 27. April im Gasthof Höhensteiger statt und stand unter dem Motto "Miteinander reden. Gemeinsam gestalten.".

Begrüßung durch Martin Knobel und Gisela Sengl

Martin Knobel (Vorsitzender Bündnis90 / Grüne Rosenheim-Stadt)

In ihrer Begrüßung freuten sich Martin Knobel und Gisela Sengl, den zahlreich erschienenen interessierten Besucher*innen, eine hochkarätige Auswahl an Fachpolitiker*innen und Verbandsvertreter*innen aus der Landwirtschaft vorstellen zu dürfen.

- Josef Schmid (Landesvorsitzender, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft)

- Anton Kreitmair (Bezirkspräsident Oberbayern, Bayerischer Bauernverband)

- Hans Mayerhofer (Obmann, Bayerischer Bauernverband)

- Manfred Gilch (Landesvorsitzender, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter)

- Martin Häusling (MdEP, B90/Grüne)

- Hans Urban (MdL, B90/Grüne)

- Jutta Saumweber (Referatsleiterin, Verbraucherzentrale Bayern)

Martin Knobel und Gisela Sengl erläuterten den Themenrahmen des Kongresses, der in der Einladung folgendermaßen formuliert war:

Gisela Sengl (MdL B90/Grüne)

„Das Ziel grüner Agrarpolitik ist es, unsere Landwirtschaft nachhaltig zu verändern. Giftfreie Bodenbewirtschaftung und mehr Tierwohl, aber auch der Erhalt bäuerlicher, regionaler Strukturen sind zentrale Interessen. Die Agrarwende kann es nur gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern geben. Stetiger Dialog auf Augenhöhe zwischen Politik und Landwirtschaft ist die Grundlage erfolgreicher Zusammenarbeit. Gemeinsam gestalten kann nur, wer miteinander redet – hart bei der Sache, aber respektvoll im Ton. Der Landwirtschaftskongress soll den Austausch fördern und dabei helfen, der Agrarwende den Boden zu bereiten.“

Keynote - Martin Häusling (MdEP, B90/Grüne)

EU-Kandidat Martin Häusling (MdEP, B90/Grüne) - Keynote-Sprecher beim „GRÜNEN Landwirtschaftskongress“

Sodann erhielt Martin Häusling (MdEP, “Die Grünen/Europäische Freie Allianz (EFA), B90/Grüne) das Wort für seine Keynote-Ansprache mit dem Ttiel „Landwirtschaften MIT Artenvielfalt! - Mit der Natur statt gegen sie“. Hier eine Kurzfassung des Inhalts seiner Folien mit seinen wesentlichen Aussagen:

Es gilt den Artenschwund zu stoppen – und zwar durch Landwirtschaft mit Artenvielfalt statt gegen sie! Der Artenreichtum schwindet - besonders Arten, die sich in Feldnähe oder Agrarökosystemen wohl fühlen, gehen zurück. Biologen schreiben im Fachblatt „Biological Conservation“, dass Insekten in ihrer Gesamtheit in wenigen Jahrzehnten vom Planeten verschwinden könnten, wenn sich nichts ändere.

Der Artenschwund hat viele Ursachen- wesentlich sind monotone Agrarlandschaften auf riesigen Flächen mit abwechslungsarmen Fruchtfolgen.

Was kaum zur Sprache kommt - Der angeblich „notwendige“ Pestizideinsatz ist die Folge von falschen Anbautechniken – trotz besseren Wissens. Einseitige Züchtung und intensive Stickstoffdüngung erzeugt schwache Pflanzen. Diese sind anfälliger gegen Frost, Hitze, Pflanzenschädlinge und Pilze. Das stehe übrigens in jedem landwirtschaftlichen Lehrbuch.

Geht es auch anders? - Gesunde widerstandsfähige Systeme brauchen keine Pestizide! Im ökologischen Landbau sind Agrargifte nicht aus ideologischen Gründen verboten; man braucht sie einfach nicht, denn eine ausgewogene organische Düngung erzeugt deutlich gesündere Pflanzen und vielfältige Fruchtfolgen vermeiden eine einseitige Unkrautentwicklung und begünstigen Nützlinge aller Art.

Ökolandbau mit der Artenvielfalt, nicht gegen sie - Auf Biobetrieben finden sich im Mittel 30 Prozent mehr Arten und 60 Prozent mehr Individuen als auf konventionellen (u.a. Schader et al. 2008, Tuck et al. 2014).

Ökolandbau kanns - Die Ertragsunterschiede zwischen ökologischem und konventionellem Anbau sind „unerhablich“ (Rondale Institute, USA, Anbauvergleichsversuche seit 30 Jahren in ökologisch optimierten Systemen). Eine ganze Reihe von Studien zum Thema Artenvielfalt und nachhaltige Landwirtschaft wurden im Auftrag von Martin Häusling durchgeführt. Diese Folie deklarierte Häusling selbst als „Werbeblock“.

Giftfreie Bodenbewirtschaftung, mehr Tierwohl und Erhalt bäuerlicher, regionaler Strukturen - Fotos

Nach der Keynote-Ansprache folgten drei Präsentationen von Landwirtschaftsverbandsvertretern.

Präsentation - Josef Schmid (Landesvorsitzender, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft AbL)

Josef Schmid (Landesvorsitzender, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft)

Die Präsentation von Josef Schmid (Landesvorsitzender, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) trug den Titel „Für eine soziale, ökologisch nachhaltige Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)“. Auch hierzu eine Kurzfassung des Inhalts seiner Folien mit seinen wesentlichen Aussagen:

Flächenzahlungen können gegenüber Steuerzahlern nicht mehr begründet werden Fragwürdig sind Einkommenssicherung unterschiedlicher Höhe, die im Verhältnis zur Betriebsfläche gezahlt werden, Ausgleich für Auslagen im Vergleich von Betrieben mit Ackerbau bzw. Tierhaltung und gesellschaftliche Leistungen im Vergleich von Mais und Getreide für Biogasanlage versus Futterbau, Grünland und Milchvieh.

„Vorspanneffekt“ benennt Schmid das Vorgehen, die Notwendigkeit Kleinbauern zu fördern, als vorgeschobenes Argument um die Förderung zu begründen und die Verteilung der Gelder dann so organisieren, dass die Großbauern am meisten profitieren.

Als Ziele des AbL Punktesystems listet er auf:

- Betriebsindividuelle Berücksichtigung erbrachter gesellschaftlicher Leistungen

- Anreiz-Förderung erwünschter Entwicklungen

- Rationalisierungseffekte größerer Einheiten durch degressive Gestaltung ausgleichen

- Einkommen von Klein- und Nebenerwerbsbetrieben aufstocken

- Flächengebundene Tierhaltung

- Förderung tiergerechter Haltungsformen

Nicht die Fläche, sondern die Art der Bewirtschaftung liefert den Schlüssel. Kriterien wie Schlaggröße, Fruchtfolge, Leguminoseanteil, Grünlandanteil und Tierhaltung usw. werden über einen Punkteschlüssel gewichtet. Positive Nebenwirkungen, wie Lebens-und Rückzugsräume, Vernetzung von Lebensräumen, Erosionsschutz, Humusaufbau, Speicherung von Kohlenstoff werden berücksichtigt.

Zum Volksbegehren Artenvielfalt kritisiert Schmid mit einem Zitat aus einer Studie von Dr. Péter Batáry, Uni Göttingen: „Die Kleinräumigkeit der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung ist für die Biodiversität genauso wichtig wie die Umstellung auf ökologischen Landbau, spielt aber bei der Förderung im Rahmen der EU-Agrarpolitik bisher keine Rolle.“ 

Am Beispiel eines Milchviehbetrieb mit Weidehaltung demonstriert Schmid die Änderung der Höhe der Förderung nach AbL Punktesystem (ca. 39000 € ) gegenüber bisheriger Förderung (ca. 18000 €).

Vortrag - Anton Kreitmair (Bezirkspräsident Oberbayern, Bayerischer Bauernverband)

Anton Kreitmair (Bezirkspräsident Oberbayern, Bayerischer Bauernverband)

Anton Kreitmair (Bezirkspräsident Oberbayern, Bayerischer Bauernverband) hielt seinen Vortrag ohne Foliensatz. Hier seine wesentlichen Aussagen: 

50 Prozent des Einkommens der Bauern kommt aus öffentlichen Leistungen. Ziel muss insbesondere die Förderung von Kleinbetrieben sein, damit auch für diese ein ausreichendes Einkommen gesichert ist.

50 Prozent der Bauernhöfe werden im Nebenerwerb geführt. Das Problem ist, dass die Förderung hierfür zukünftig in Frage gestellt ist. Bayern mit seinem EU-Budget-Anteil von einer Milliarde Euro muss fordern, dass das Budget mindestens in dieser Höhe erhalten bleibt. Aus Umfragen gibt Kreitmair wieder, dass die Gesellschaft steht zur Förderung der Landwirtschaft steht.

Zu Kontrollen der geförderten Betriebe betont er, dass diese nötig sind, dass die Kontrollen aber machbar sein müssen.

Seiner Aussage nach, wollen Jung-Landwirte und Nachfolger/innen, ja, auch junge Frauen, die Betriebe ihrer Vorfahren übernehmen.

Er macht bewusst, dass die Bauernverbände der Bundesländer unterschiedliche Ziele verfolgen.

Es ist wichtig, dass der Verbraucher mitgestaltet, denn er ist als Abnehmer notwendig.

Und er sagt „Information ist Holschuld“ - und zwar sowohl für Verbraucher als auch für Landwirte; dabei ist die Parteizugehörigkeit zunächst egal, man muss miteinander reden, Machbares verfolgen, Gemeinsamkeiten finden.

Präsentation - Manfred Gilch (Landesvorsitzender, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter)

Manfred Gilch (Landesvorsitzender, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter)

Die letzte Präsentation hielt Manfred Gilch (Landesvorsitzender, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, BDM) mit dem Titel „Welche Ansprüche stellt eine zukunftsorientierte Milchviehhaltung an die anstehende GAP-Reform 2020?“. Auch hierzu eine Kurzfassung des Inhalts seiner Folien mit seinen wesentlichen Aussagen:

Knackpunkt ist die Marktordnung, die in Brüssel entschieden wird.

Ausführlich betrachtet er Verbraucherverhalten und Milcherzeugerpreis im Vergleich. Dazu zeigt die Statistik, dass die Aussage „Verbraucher beeinflussen den Milchpreis“ falsch ist. Es zeigt sich ganz klar die Abhängigkeit der Milchpreise vom Weltmarkt.

Fazit 1: Marginale Mengenveränderungen in Europa haben große Preisauswirkungen am Weltmarkt.

Fazit 2: Alle bisherigen Bedenken zum BDM-Krisenmanagementprogramm wurden durch die Ergebnisse der beiden Milchreduktionsprogramme 2016/17 widerlegt!

Und schließlich bekräftigt Gilch die Forderung: Keine Überschüsse produzieren! Er erklärt, dass es aus Sicht eines einzelnen Bauern zwar verständlich sein mag, wenn er versucht, bei sinkenden Milchpreisen durch Volumenerhöhung seine Einnahmen wenigstens teilweise zu sichern, aber inzwischen weiß man, dass dies im Gesamteffekt zu weiter sinkenden Milchpreisen führt.

Drei Podiumsdiskussionen

Die Besucher*innen des „GRÜNEN Landwirtschaftskongress“ konnten sich an interaktiven Podiumsdiskussionen mit Fragen und Beiträgen aktiv beteiligen.

Den Besucher*innen wurde auch die Möglichkeit gegeben, sich einzubringen. Am Nachmittag fanden drei interaktive Podiumsdiskussionen statt, an denen sie sich mit Fragen und Beiträgen aktiv beteiligen konnten. Das waren die Titel der drei Podiumsdiskussionen:

- Weltmarkt oder Wochenmarkt – Wo liegt die Zukunft europäischer Landwirtschaft?, mit Alfred Enderle, Manfred Gilch, Martin Häusling, Moderation: Martin Knobel (Vorsitzender B90/Grüne Rosenheim-Stadt)

- Spannungsfeld Landwirtschaft – Unverständnis und Vorurteile zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern, mit Hans Mayerhofer, Jutta Saumweber, Hans Urban, Moderation: Rosi Steinberger (MdL)

- Fördern oder Fordern – Wie lässt sich Umweltschutz in der Landwirtschaft bestmöglich umsetzen?, mit Josef Schmid, Gisela Sengl, Moderation: Bernhard Zimmer (Sprecher LAG Landwirtschaft und ländliche Entwicklung)

Weitere Informationen:
Martin Häusling (MdEP, B90/Grüne)

Bündnis90 / Grüne Rosenheim-Stadt

In einer Abschlussrunde wurde das Resumee der drei Podiumsdiskussionen gezogen.

Klaus Kubitza

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