Rosenheimer Firma bezieht Stellung zu vernichtendem Medienbericht

Wie schlecht steht es wirklich um Kathrein?

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Rosenheim - Chaos im Unternehmen, Millionen-Verluste, wachsender Druck der Geldgeber und eine "Gnadenfrist" - die Wirtschaftswoche hat jetzt aufgedeckt, wie schlecht es um die Firma Kathrein offenbar wirklich steht. Doch was sagt der Rosenheimer Antennenhersteller selbst dazu?

2012 hat Anton Kathrein jun. die Firma von seinem Vater übernommen. Wie die Wirtschaftswoche schreibt, habe der Sohn ein "chaotisches Unternehmen" geerbt. So hätten Mitarbeiter zum Beispiel gar nicht gewusst, was bestellt worden sei. Einen Plan für die Liquidität habe es überhaupt nicht gegeben. Und inzwischen sei der Druck der Geldgeber so groß, dass der Firmenchef bei seinen insgesamt zwölf kreditgebenden Banken nicht mehr von Kundenbetreuern, sondern von Mitarbeitern der Risikoabteilung empfangen werde.

"Profitabilität einzelner Bereiche ließ zu wünschen übrig"

Hatten sich zum Zeitpunkt der Übernahme von Kathrein jun. bereits derart große finanzielle und unternehmensstrukturelle Probleme abgezeichnet? "Die Unternehmensstruktur war bei der raschen Expansion des Geschäfts nicht angemessen mitgewachsen und musste angepasst werden. Auch ließ die Profitabilität einzelner Bereiche aus unterschiedlichen Gründen zu wünschen übrig. Vor diesem Hintergrund wurde die Neuausrichtung der Kathrein-Gruppe angestoßen", räumte Anton Maier, Pressesprecher von Kathrein SE, auf Anfrage von rosenheim24.de ein.

Die Höhe der Verluste im vergangenen Jahr (2017) wollte Kathrein nicht kommentieren. Die Wirtschaftswoche spricht von bis zu 50 Millionen Euro Miesen und Quersubventionierung von verlustreichen Sparten. Bei Großunternehmen mit vielen Geschäftsbereichen und Ländergesellschaften könne es aus unterschiedlichen Gründen manchmal erforderlich sein, einen Bereich zeitweilig mit Erträgen aus anderen Geschäftsfeldern zu unterstützen. Das sei ein üblicher Vorgang in solchen Firmen, hieß es.

Hat Kathrein Firmenanteile an Banken abgetreten?

Schwer wiegt auch der Aspekt, dass Banken angeblich mehr als die üblichen Sicherheiten verlangt hätten, um Kathrein überhaupt noch frisches Geld zu geben. "Über die Einzelheiten der Finanzierungsvereinbarung wurde Stillschweigen vereinbart. Jedenfalls befinden sich nach wie vor alle Unternehmensanteile im Besitz der Familie Kathrein", entgegnete die Firma hierzu.

Hans-Joachim Ziems

Kathrein hält - nicht nur deswegen - den Begriff der "Gnadenfrist", die die Geldgeber der Firma angeblich nur wegen eines umfangreichen Sanierungsplanes, den Restrukturierungsprofi Hans-Joachim Ziems angestoßen hat, eingeräumt haben, für "überspitzt". "Fakt ist: Unsere Finanzierung ist bis Ende 2020 gesichert. Dies eröffnet uns neue Freiräume und die Möglichkeit, neben der Neuorganisation auch weiter in Zukunftsfelder zu investieren. Die Gewinnschwelle werden wir nach heutiger Planung übrigens schon deutlich früher erreichen", hieß es seitens des Unternehmens.

Die Konkurrenz auf dem Markt, vor allem aus China, ist jedoch groß. So hat die Firma Huawei erst vor kurzem einen Standort in München eröffnet. Laut Wirtschaftswoche sollen die Chinesen hierzu auch Mitarbeiter von Kathrein angeworben haben. Doch trotz aller Probleme sieht sich Kathrein für die Zukunft gerüstet: "Durch unsere Kernkompetenz in der Hochfrequenztechnologie sind wir bestens positioniert für den neuen Mobilfunk-Standard 5G – etwa auch mit konkreten Kooperationsprojekten mit namhaften nationalen wie internationalen Partnern wie etwa dem Bayerischen Rundfunk, Telefónica Deutschland, Ericsson, Nokia oder Orange. Technologisch hat sich Kathrein unter den Top 3 weltweit positioniert. Jetzt arbeiten wir weiter daran, unseren Vorsprung durch Innovation zu halten, auszubauen und in unternehmerischen Erfolg umzumünzen."

Zuletzt wiederholt in den Negativ-Schlagzeilen

Kathrein war zuletzt immer wieder in negative Schlagzeilen geraten, zuletzt wegen der Schließung des Werkes in Niederndorf in Tirol. 230 Mitarbeiter, darunter auch viele Menschen aus der Region, verlieren deswegen ihren Job. Zudem war vor kurzem bekannt geworden, dass sich Kathrein von der Katek GmbH in Grassau trennt. Das Unternehmen hielt dagegen und verkündete stattdessen, dass man durch Restrukturierungsmaßnahmen "die Weichen für Wachstum gestellt" habe.

mw/mh

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