350 BÜRGER DEMONSTRIEREN GEGEN REDE VON PEGIDA-AKTIVISTEN IN ROSENHEIM

Stürzenberger beschimpft Gegendemonstranten: "Verräter am Christentum" 

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Pegida-Aktivist Michael Stürzenberger predigte am Samstag in Rosenheim vor zahlreichen Demonstranten. 
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Rosenheim - "Rosenheim ist nazifrei" und "Nazis raus" - Parolen wie diese sind am Samstag, 13. Juli, auf dem Max-Josefs-Platz zu hören. Über 350 Gegendemonstranten hatten sich eingefunden, um lautstark aber friedlich gegen die Kundgebung des deutschen Pegida-Aktivisten Michael Stürzenberger, der auch Mitglied der Bürgerbewegung "Pax Europa" ist, zu demonstrieren. 

UPDATE, 15 Uhr: Laute Proteste gegen Stürzenbergs Rede

Bereits am Protestmarsch der Jusos Rosenheim am Vormittag vom Bahnhof über die Innenstadt bis zum Max-Josefs-Platz beteiligten sich rund 350 Teilnehmer - bewaffnet mit Trillerpfeifen, Kuhglocken und Rasseln. 

Am Zielort begrüßte Michael Stürzenberger die Demonstranten provokativ mit den Worten "Verräter am Christentum". Zu den Teilnehmern um die Jusos und deren Organisator, Luca Fischer, haben sich zahlreiche weitere Gruppierungen und Unterstützer gesellt. Neben den Jusos protestierten regionale Ortsverbände der Grünen, Linken, SPD oder der Linken Liste, verd.i Jugend Rosenheim, der Stadtjugendring Rosenheim oder auch die Künstler mit Herz sowie die Vielfaltgestalter Rosenheim.

Am Mittertor haben sich am Samstag deutlich mehr lautstarke Gegendemonstranten als Befürworter Stürzenbergs eingefunden. Das beeindruckt diesen aber nicht im Geringsten: "Wir sind heute wenige, aber das waren die Anhänger der Weißen Rose auch. Wir kämpfen für Menschenrechte, Freiheit und Demokratie. Der Islam lehnt all das ab. Demonstriert ruhig. Ihr Linken rennt dem bunten Mainstream hinterher - genauso wie damals alle Hitler hinterher gerannt sind.

Der Protestmarsch durch die Rosenheimer Innenstadt. 

"Die, die uns Nazis nennen sind bösartige hinterhältige Verleumder" 

Stürzenberger betont im Rahmen seiner Rede kontinuierlich, er lege die Fakten auf den Tisch, warum der politische Islam verboten gehöre. Er kenne den Islam besser als die meisten Moslems. "Gerade die Frauen sind die Opfer", ruft Stürzenberger in Richtung einer mit Kuhglocken demonstrierten Frau und spricht sie sogleich direkt an: "Machen Sie nur weiter mit Ihrer Kuhglocke - Sie sind der Prototyp einer total unwissenden deutschen Frau, die erst aufwacht, wenn sie vergewaltigt wird und dann noch behauptet, es sei ein Deutscher gewesen." 

Stürzenberger fahre hier in Rosenheim mit "handfesten Fakten und Wissen" auf und behauptet, die Beleidigungen, Bespuckungen und Proteste der Gegendemonstranten zeugen von "vollkommener Unwissenheit und Verblödung". 

"Die, die uns Nazis nennen sind bösartige hinterhältige Verleumder - wir sind keine Hetzer und nicht die einzigen die so versuchen aufzuklären. Haltet eurer Hakenkreuze lieber vor der nächsten Moschee in die Höhe, denn da sind sie besser aufgehoben aufgrund des Nazi-Islam-Pakts", brüllt der Pegida-Aktivist, der permanent Gegenwehr von Passanten in Form von abwehrenden und beleidigenden Gesten wie dem Zeigen des Mittelfingers und Kopfschütteln ausgesetzt ist. "Wer spuckt und beleidigt hat keine Argumente gegen uns", wettert Stürzenberger weiter und fordert Jusos-Initiator Luca Fischer wiederholt auf, sich ihm direkt zu stellen. Der wiederum schüttelt aus 20 Metern Entfernung lediglich den Kopf und betont: "Nein, wirklich nicht." 

Redner Michael Stürzenberger vor den protestierenden Gruppierungen im Hintergrund. 

Bürger: "A Maß statt Hass!" 

Stürzenberger ruft zwischen seinen Predigten auch immer wieder zum Dialog mit den Bürgern auf. Ein Bürger erklärte mit einer Bierflasche in der Hand, die ihm Polizeibeamte kurz vor dem Gespräch mit Stürzenberger auf dessen Wunsch aus Sicherheitsgründen abgenommen haben: "Trinkens mal a Bier und sans fünf Minuten ruhig, da hätten wir alle was davon, Ihre Hasspredigten nicht mehr länger hören zu müssen. A Maß statt Hass!"

Einem weiteren Bürger, der ein "Refugees welcome"-Schild in die Höhe hält, erklärt Stürzenberger, die einzige Motivation der Flüchtlinge, die nach Deutschland kämen, sei "Money for nothing and chicks for free". Man dürfe allerhöchstens Hilfe zur Selbsthilfe leisten, damit sie ihre Länder wie Afrika wieder aufbauen können, so wie es die Trümmerfrauen, "unsere Mütter und Vorbilder" damals gemacht hätten. 

"Mafiöse Zustände in Rosenheim"? 

Am frühen Nachmittag ist die Zahl der Gegendemonstranten auf etwa 200 geschrumpft - deshalb sind sie aber nicht weniger laut. Maria Noichl, Mitglied des Europäischen Parlaments, ist die erste, die ans Mikrofon tritt und sich für Demokratie und ein funktionierendes Europa ohne Hass und Fremdenfeindlichkeit einsetzt. Es folgen weitere Gegenredner Stürzenbergers. 

Als die Musikbox der Demonstranten in Richtung des Pegida-Aktivisten gedreht wird, schimpft Stürzenberger, er könne sich nicht mehr unterhalten und dies sei widerrechtlich. Er werde den Versammlungsleiter wegen Störung einer Versammlung anzeigen: "Noch sind wir in einem demokratischen Rechststaat. Wir, die Bürgerbewegung Pax Europa, werden uns das nicht gefallen lassen. Das sind mafiöse Zustände in Rosenheim - die Stadt wollte unseren Auftritt mit der Lüge, es gebe eine Baustelle auf diesem Platz bereits verhindern. Das ist ein handfester Skandal, der sich hier abspielt." 

Mittlerweile stellen sich Polizeibeamte zwischen die Gegendemonstranten und dem Pegida-Aktivisten, um  eventuellen Ausschreitungen vorzubeugen. Es bleibt aber weiter friedlich - verbale Beleidigungen außen vor. Die Gegendemonstranten kündigten gegenüber rosenheim24.de an, sie würden solange bleiben, wie Stürzenberger rede. Maria Noichl betonte: "Wir lassen uns ohnehin nicht eher vertreiben." Die Veranstaltung am Mittertor dauert noch bis 16 Uhr.

Proteste zahlreicher Gruppierungen gegen Stürzenberger-Rede in Rosenheim

UPDATE, 12.55 Uhr - Bisher alles friedlich

Die Veranstaltung von Michael Stürzenberger soll noch bis 16 Uhr dauern. Bis dato blieb alles friedlich. Es gab keine Zwischenfälle oder Ausschreitungen.

rosenheim24.de wird im Laufe des Nachmittag Fotos und weitere Informationen veröffentlichen!

UPDATE, 11.25 Uhr - Kundgebung von Stürzenberger

Unterdessen läuft auch die Kundgebung von Rechtspopulist Michael Stürzenberger. Hierzu haben sich nach ersten Schätzungen wohl rund 30 Unterstützer auf dem Max-Josefs-Platz eingefunden. Auch die Gegendemonstranten sind inzwischen eingetroffen und protestieren gegen den Auftritt Stürzenbergers.

*Ein ausführlicher Nachbericht samt Fotos folgt nach Abschluss der beiden Veranstaltungen!*

UPDATE, 11 Uhr - Gegendemonstranten unterwegs

Gegen 10.30 Uhr hat sich der Zug der Gegendemonstranten am Bahnhof in Richtung Max-Josefs-Platz in Bewegung gesetzt. Die Organisatoren vor Ort sprachen in einer ersten Stellungnahme von rund 350 Teilnehmern. Bis dato verläuft laut der Reporterin von rosenheim24.de, die das Geschehen live verfolgt, alles friedlich. Die Demonstranten protestieren mit Trillerpfeifen, Kuhglocken und Parolen gegen den Auftritt des Rechtspopulisten Michael Stürzenberger.

Der Vorbericht:

Am 13. Juli haben Privatpersonen bei der Stadt Rosenheim von 11 bis 16 Uhr eine Kundgebung mit dem Münchner Rechtspopulisten und Pegida-Aktivisten Michael Stürzenberger und etwa 50 Teilnehmern angemeldet. Über die Bühne gehen soll das Ganze dann am Max-Josefs-Platz in der Innenstadt.

Stürzenberger wird wegen angeblich islamophober Umtriebe vom Verfassungsschutz beobachtet. Zuletzt war er 2017 vom Amtsgericht Duisburg wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Er war Bundesvorsitzender der inzwischen aufgelösten rechtspopulistischen Kleinpartei "Die Freiheit" und regelmäßiger Autor des als islamfeindlich geltenden Blogs "Politically Incorrect".

Gegendemo und Protestmarsch

Die Jusos Rosenheim und "Rosenheim nazifrei" haben parallel eine Gegendemonstration von 10.30 Uhr bis 16 Uhr mit etwa 150 Teilnehmern auf dem Max-Josefs-Platz angemeldet.

Dort wollen die Demonstranten Stürzenberger darlegen, wie sie zu dessen Einstellung stehen. Ab 11 Uhr soll der Protest gegen Stürzenberger und die Rechtsgesinnten am Max-Josefs-Platz starten. Zuvor, gegen 10 Uhr, findet ein Protestmarsch vom Bahnhof zum Max-Josefs-Platz statt. 

"Wir Jusos waren uns schnell einig, dass wir einen vom Verfassungsschutz beobachteten Rechtspopulisten nicht einfach eine offene Bühne für seine rassistischen und hetzenden Parolen geben dürfen", erklärt Luca Fischer im Interview mit rosenheim24.de die Beweggründe für die Gegenveranstaltung am Samstag.   

mb

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