Pressegespräch in Rosenheim

Coronavirus: Was das Landratsamt rät - und welche Überlegungen es gibt

Landratsamt informiert bei Pressegespräch zum Coronavirus
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Bettina Bauer von der Abteilung für öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie Dr. Wolfgang Hierl vom Staatlichen Gesundheitsamt gingen auf Fragen ein.

Rosenheim - Das Landratsamt informierte am Montagnachmittag bei einem Pressegespräch zum Thema Coronavirus. Dabei gingen der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes, Dr. Wolfgang Hierl und Bettina Bauer, die Leiterin der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung auf Fragen zur aktuellen Lage ein.

Was sollten Rückkehrer aus den "Risikogebieten" beachten?

Hierl: Wenn bei Ihnen innerhalb von 14 Tagen nach der Rückkehr Symptome auftreten, wenden Sie sich bitte umgehend an einen Arzt. 

Wie ist der Kreis Rosenheim auf eine großflächige Ausbreitung vorbereitet?

Bettina Bauer: In Zusammenarbeit mit Bundes- und Landespolizei sowie den Rettungsdiensten haben wir bereits Pläne erarbeitet, um in diesem Fall rasch reagieren zu können. Ein Art Testfall war die spanische Reisegruppe in Prien. Sollte es dazu kommen, werden die Betroffenen rasch auf umliegende Krankenhäuser verteilt werden können.

Hierl: Natürlich gibt es auch Planungen, für den Fall das eine Ortschaft abgeschottet werden müsste. Aber lassen Sie mich bitte klarstellen: So etwas muss zwar erwogen und geplant werden. Aber es ist derzeit sehr unwahrscheinlich, dass es überhaupt so weit kommt. Wir sind bisher dabei und auch bislang erfolgreich, Verdachtsfälle und Erkrankte rechtzeitig zu finden. 

Gibt es Pläne, Großveranstaltungen abzusagen?

Hierl: Auch dazu gibt es natürlich zwar Überlegungen, aber ebenso derzeit keinen Anlass. Das einzige Thema, das wir im Auge behalten müssen, sind Aussteller auf regionalen Fachmessen, die aus Risikogebieten stammen. Da müsste man prüfen, wie zu verfahren ist.

Warum werden Schüler nur aufgefordert der Schule fernzubleiben und Schulen nicht einfach geschlossen?

Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamts Rosenheim: Da haben uns tatsächlich allerhand bitterböse Mails mit dieser Forderung erreicht.

Hierl: Aus fachlicher Sicht muss man bei der Risikobewertung einen kühlen Kopf bewahren. Das Fernbleiben vom Unterricht ist derzeit nur eine Empfehlung und damit eine freiwillige Maßnahme. Momentan gibt es keinen Grund und wäre überzogen, eine Schule oder Kita zu schließen. Man muss schon immer schauen, wie die Situation ist und dann entsprechend handeln.

Dr. Wolfgang Hierl nach der Pressekonferenz im Video-Interview:

Wann sollte man zum Arzt? Was sind die Symptome?

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Dr. Wolfgang Hierl:  "Die Symptome ähneln einer 'normalen' Atemwegsinfektion. Zum einen müssen diese Symptome gegeben sein, auf der anderen Seite aber auch der Aufenthalt in einem Risikogebiet beziehungsweise der Kontakt mit einem bestätigt Erkrankten stattgefunden haben.

Der nächste Schritt ist dann ein Rachenabstrich durch einen Arzt. Allerdings sollte man nicht einfach unangekündigt auftauchen. Um eine Ansteckung zu vermeiden, sollte man stattdessen die Arztpraxis oder das Krankenhaus kontaktiert und die Situation besprochen haben. Es gibt aber leider weder ein Freitest wenn keine Symptome vorliegen oder einen Schnelltest."

Wie hoch ist die Sterblichkeitsrate?

Hierl: In China 3,4 Prozent, außerhalb Chinas war sie bei 1,7 Prozent. Woran das liegt, kann ich natürlich nicht sagen. Da werden aber die Zahl der bestätigten Infektionen und der Todesfälle gegenübergestellt. Aber wir wissen ja nicht mal genau, ob alle Infizierten erfasst wurden. 

Was kann jeder einzelne tun, um eine Ansteckung zu vermeiden?

Hierl: "Die Einhaltung der allgemeinen Ratschläge zum Infektionsschutz bewirkt schon sehr viel. Was ganz wichtig ist: Regelmäßig am Tag die Hände waschen!

Welche Maßnahmen ergreift das Landratsamt bei einem Verdachtsfall?

Hierl: "Angepasste Maßnahmen sind immer fallabhängig. Das geht mit der Frage los, ob es sich wirklich um einen sogenannten begründeten Verdachtsfall handelt. Dem folgt die Anordnung einer Quarantäne und die Ermittlung von Kontaktpersonen. Dazu gehört dann beispielsweise auch, wer wie engen Kontakt hatte."

Wie läuft eine Quarantäne ab?

Hierl: "Der aktuelle Fall des 55-Jährigen war eher eine Ausnahme. In seinem speziellen Fall war es, da es ihm gesundheitlich gut genug geht und seine Versorgung sichergestellt ist, möglich eine häusliche Quarantäne zu verhängen. Aber wenn es beispielsweise jemandem gesundheitlich schlechter geht oder die Versorgung nicht sichergestellt werden kann, muss man diese Person möglicherweise im Krankenhaus isoliert behandeln." 

hs

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