Naturschutz im Landkreis Rosenheim

Gefährdeter Lungen-Enzian blüht im Landkreis Rosenheim

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Der stark gefährdete Lungen-Enzian-Ameisenbläuling (Phengaris alcon)

Rosenheim - Leben ist Vielfalt! Unter diesem Motto kümmert sich der Landschaftspflegeverband Rosenheim e.V. um den Erhalt und die Pflege vielfältiger Lebensräume und seltener Arten.

Pressemeldung im Wortlaut:

Eine dieser stark gefährdeten Arten (Rote Liste 2) ist der Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe).

Er kommt nur auf ungedüngten, im Herbst gemähten Streu- und Moorwiesen vor. Der Lungen-Enzian benötigt viel Licht und Zeit für seine Entwicklung. Die Samenreife ist häufig erst im Oktober abgeschlossen. Bei zu früher Mahd, Düngung und Verbrachung fallen die Bestände komplett aus. Dieses Jahr blüht er an einigen Stellen im Landkreis Rosenheim besonders üppig.

Darüber freut sich nicht nur das Auge des Betrachters, sondern v.a. eine Rarität des Alpenvorlandes, der ebenfalls stark gefährdete Lungen-Enzian-Ameisenbläuling (Phengaris alcon).

Er legt seine Eier v.a. in Blüten des Lungen-Enzians ab. Hier entwickeln sich die Raupen und lassen sich nach einiger Zeit auf den Boden fallen. Dort warten sie auf ihr Taxi – Ameisen. Der Falter produziert einen nach Ameisenlarve riechenden Duftstoff. Bestimmte Ameisenarten sammeln den vermeintlichen „Nachwuchs“ vom Boden auf und transportieren ihn in ihr unterirdisches Nest. Dort kümmern sie sich um ihre „Larve“. Den Winter verbringt die Raupe geschützt und versorgt unter der Erde. Nach ihrer Verpuppung im Frühjahr, verlässt der Falter den Ameisenbau. Dabei ist Eile geboten, da der Duftstoff nachlässt und die Ameisen den Eindringling nun als Feind wahrnehmen.

Alle drei Arten, Lungen-Enzian, Falter und Ameisen sind ein beeindruckendes Beispiel für das perfekte Zusammenspiel im Naturkreislauf, aber auch für die Verletzlichkeit hochspezialisierter Arten.

Der Landschaftspflegeverband Rosenheim e.V. setzt sich zusammen mit den Behörden, Eigentümern und Landwirten im Rahmen staatlich geförderten Landschaftspflegemaßnahmen für den Erhalt dieser und anderer Arten mit umfangreichen Maßnahmen ein.

Auf Almflächen laufen seit Frühsommer v.a. Weideprogramme zur Eindämmung des Adlerfarns, welcher in einigen Regionen zunehmend weite Flächen dominiert und „Almbewohner“ wie Sonnenröschen und „Gamsbleame“ verdrängt. Auch auf extensiven Grünlandflächen mit ihrem hohen Blütenreichtum wird seit dem Sommer gemäht, z.T. in aufwendiger Handarbeit an Steilhängen, um eine Verbrachung und Verbuschung der Flächen zu verhindern.

Das Mähen der Streuwiesen- und Feuchtgebieten findet in der Regel erst im Herbst statt. Hier wurde in den letzten Wochen nur gemäht, wenn die Flächen „Neophyten“, also eingeschleppte Arten wie die Kanadische Goldrute und das Indische Springkraut, dichte Landschilfbestände oder Gehölzaustrieb aufweisen. Diese Arten bilden dichte Bestände, welche typische Streuwiesenbewohner wie Orchideenüberwuchern und verdrängen.

Hochwertige Moor- und Streuwiesen mit spätblühenden Arten wie Lungen-Enzian, Orchideen und Teufelsabbiss werden erst ab Herbst gemäht. Um den tierischen Bewohnern der Landschaftspflegeflächen ein Rückzugs- und Überwinterungsquartier zu belassen und spätaussamende Pflanzenarten zu unterstützen wird meist noch ein Brachestreifen belassen.

Die Pressemeldung des Landschaftpflegeverbandes Rosenheim e.V. (Gabriele Müggenburg)

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