So kann der Regenwald gerettet werden

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V.l.n.r.: Prof. Dr. Florian Siegert, Entwicklungshilfeminister Gerd Müller, B5 Programmchef Max Stocker, der Landesvorsitzende des Bund Naturschutz Bayern Hubert Weiger, Prof. Dr. Christian Feest.

Rosenheim - In den letzten 100 Jahren ging die Hälfte des Regenwaldes verloren. Anlässlich der Ausstellung im Lokschuppen diskutierte nun ein Podium über die Rettung des Regenwaldes:

Jede Minute verschwindet eine Fläche von 35 Fußballfeldern Regenwald von unserem Planeten. Dabei ist dieses Ökosystem so wichtig für die Klimaentwicklung auf der Erde. „Wie retten wir den Regenwald?“ lautete deshalb die Frage bei der Podiumsdiskussion im KU’KO Rosenheim, zu der B5 aktuell und das Ausstellungszentrum Lokschuppen eingeladen hatten. Unter der Moderation von B5 – Programmchef Max Stocker lieferten die hochrangigen Vertreter aus Wissenschaft, Umweltschutz und Politik einige Lösungsansätze.

„Zuerst müssen wir wissen, was die Fakten sind“, erklärte Prof. Dr. Florian Siegert von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Mit Hilfe von 20 Satelliten und der Forschung versucht er, verlässliche Daten über den Zustand der Regenwälder zu erheben. Sein alarmierendes Fazit: „In den letzten 100 Jahren ist die Hälfte des Regenwaldes verloren gegangen.“ Eine Aufzeichnung der Diskussion sendet B5 aktuell am Pfingstsonntag, dem 24. Mai zwischen 11 und 12 Uhr.

Für den massiven Verlust des Regenwaldes machte Prof. Dr. Christian Feest, der koordinierende Kurator der Regenwald-Ausstellung im Lokschuppen, mehrere Ursachen verantwortlich. Zum einen der rasante Anstieg der Weltbevölkerung. „Sie hat auch steigenden Bedarf an Ressourcen, und es gibt ein massives Wohlstandsgefälle. Damit sind wir praktisch in die Vernichtung der Regenwälder hineingestolpert.“

Einen aktuell sehr wesentlichen Anteil an der Vernichtung des Regenwaldes haben nach Ansicht aller Podiumsteilnehmer die Palmölplantagen. Es sei ein entscheidender Fehler der EU gewesen, Palmöl im Biosprit zuzulassen, kritisierte Prof. Feest. In Liberia sei fast der ganze Regenwald aufgebraucht worden, um Palmöl anzubauen.

Die Wissenschaftler und Hubert Weiger vom Bund Naturschutz verlangten deshalb, die EU müsse diesen Schritt sofort rückgängig machen. Eine erste Maßnahme dazu gibt es bereits. „Das Europäische Parlament hat den Beschluss gefasst, die Beimischungsmenge abzusenken“, berichtete der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd Müller.

Um den Verlust des Regenwaldes zu stoppen, habe die Politik einen wichtigen Ansatz: mit Anreizen für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Regenwaldes die Brandrodung und Ausbeutung zu verhindern und damit Alternativen aufzuzeigen. Diesen Kurs verfolge die Bundesregierung, betonte Entwicklungshilfeminister Müller. „Ich war in Kolumbien. Mit Hilfe der Zahlungen für eine nachhaltige Bewirtschaftung auf internationaler Ebene will das Land bis zum Jahr 2020 die Abholzung der Regenwälder stoppen.“

Müller machte aber deutlich, dass die Schuld an der Vernichtung der Regenwälder gerade auch in den Industrienationen zu suchen sei. „Wir sind 20 Prozent der Weltbevölkerung. Und wir verbrauchen 80 Prozent der Ressourcen der Erde. Wir sind es, die die Welt an den Rand der Apokalypse führen.“

Grund für die Ausbeutung sei auch eine „Geiz-ist-Geil-Mentalität“, kritisierte der Minister. Ein möglicher Lösungsweg sei das Umsteigen auf (F)fairen Handel. Der Landesvorsitzende des Bund Naturschutz in Bayern Hubert Weiger bezeichnete die Ansätze des Bundesministeriums für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit als richtig. „Verträge wie beispielsweise mit Kolumbien lassen uns schon hoffen, aber es reicht noch nicht“, sagte Weiger.

Wichtig sei ein zuverlässiges Zertifizierungssystem, um beispielsweise illegale Holzimporte zu stoppen. Der Verbraucher selbst müsse sich auch an die Nase fassen. „Es kann doch nicht normal sein, wenn ein T-Shirt fünf Euro kostet. Da weiß doch jeder, dass entweder die Arbeits- oder die Umweltbedingungen nicht stimmen. Meist stimmt beides nicht.“

Die Bundesregierung setzt auch auf die finanzielle Unterstützung klimafreundlicher Projekte in den Regenwäldern. Dafür, so Müller, habe man den Green Climate Fund ins Leben gerufen. „Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, als erste Rate 750 Millionen Euro in diesen Fonds zu zahlen. Wir möchten, dass sich alle Industrienationen an diesem Fond beteiligen. Bis zum Jahr 2020 soll der auf 100 Milliarden Euro anwachsen.“

Das Publikum beteiligte sich danach noch mit zahlreichen Fragen an der intensiven Diskussion. Themen dabei waren unter anderem das Palmöl, die Kontrolle des Holzeinschlags im Regenwald und die Finanzierung nachhaltiger Projekte.

Rosi Raab

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