Soko "Amsel", "Höfen" und "14. Juli"

Die spektakulärsten Kriminalfälle in der Region der letzten Jahre

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Dre Täter der spektakulärsten Kriminalfälle in der Region
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Rosenheim - Am Montag feierte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd sein 10-jähriges Bestehen. Neben dem Besuch des Bayerischen Innenministers Joachim Herrmann gab es auch einen Rückblick auf die spektakulärsten Kriminalfälle der letzten Jahre in der Region.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim feiert in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag. Aus diesem Anlass gab es einen Festakt im Ballhaus Rosenheim, zu dem auch Innenminister Joachim Herrmann gekommen war. Neben den Festreden von Polizeipräsident Robert Kopp, dem Bayerischen Innenminister und der Rosenheimer Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer gab es auch drei Talkrunden in denen die jeweiligen Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Weilheim, Traunstein und Rosenheim über die spektakulärsten Kriminalfälle der letzten Jahre berichteten. 

Soko "Amsel"

Der 58-Jährige Täter und sein Verteidiger Harald Baumgärtl bei dem Prozess im Traunsteiner Landgericht

Im Juli 2015 wurde die Sonderkommission (Soko) "Amsel" gebildet, die dem Verdacht der Entführung eines Ehepaares und einem Doppelmord nach ging. Der Fall: Ein 58-Jähriger hatte im Juni 2014 ein Ehepaar in Aschau ermordet. Auf der Suche nach Geld und Wertgegenständen war er in das Ferienhaus der 90- und 64-jährigen Eheleute eingebrochen. Als die beiden überraschend nach Hause kamen, hat er sie mit einem Dachgepäcktrager und einem Küchenmesser getötet. Nachdem die beiden Eheleute als vermisst gemeldet wurden, fanden die Beamten im Aschauer Zweitwohnsitz ein Schreiben, das auf eine Entführung hindeutete. Dann wird ein 46-jähriger Tatverdächtiger festgenommen, der Geld mit der Debit-Karte des Ehepaares abgehoben hatte. Bei dessen Vernehmung gab der an, im Auftrag eines "Mike" gehandelt zu haben, der ihn für Geld darum gebeten habe, die Abhebung zu tätigen. Bei der Geldübergabe im Salingarten ist es dann zur Festnahme des 58-Jährigen gekommen.  Bei den Vernehmungen des Mörders am Nachmittag des 13. Juli 2015 gestand dieser zunächst nicht, dann aber, das Ehepaar in Aschau getötet zu haben und führte die Kriminalbeamten der SOKO "Amsel" zum Ablageort der Leichen auf dem Samerberg. Das Urteil: Lebenslange Haft mit Feststellung der Schwere der Schuld.

Soko "14. Juli"

"Er hatte hasserfüllte Augen auf den Fotos im Gericht", so Christoph R.s Mutter Michaela.

Nur wenige Stunden nachdem die deutsche Nationalmannschaft den Titel bei der Fußball-WM 2014 holte, beendete ein außergewöhnlich brutales Gewaltverbrechen in Bad Reichenhall die euphorische Stimmung in vielen Teilen der Bevölkerung. In der Nacht wird ein 70-jähriger Mann auf dem Nachhauseweg von dem 20-jährigen Bundeswehrsoldaten Christoph R. durch circa 30 Messerstiche, die meisten davon im Kopfbereich, tödlich verletzt. Kurz danach attackierte er eine 17-jährige Frau und verletzte diese lebensgefährlich. Christoph R. ist zunächst flüchtig. Wochenlang wird gefahndet, von der Operativen Fallanalyse bis zu Netzwerkfahndern des Landeskriminalamtes, von Mordermittlern bis hin zu Spurensicherern. Die eingerichtete Soko "14. Juli" wuchs letztlich auf eine Stärke von rund 60 Mitarbeitern an. Den Durchbruch bei den Ermittlungen brachte schließlich das Auffinden der Tatwaffe, ein Kampfmesser der Bundeswehr. Christoph R. wird schließlich in Norwegen festgenommen und von Kriminalbeamten der Inspektion Traunstein vernommen. Er schweigt aber bis zuletzt. Auch bei der Gerichtsverhandlung. Christoph R.  wurde schließlich nach Jugendstrafrecht zu 14 Jahren Haft wegen Mordes und schwerer Körperverletzung verurteilt.  Die schwierigen, aber letztlich sehr erfolgreichen Ermittlungen der SOKO „14. Juli“ bringen wertvolle Erkenntnisse für die SOKO-Arbeit nicht nur in Oberbayern Süd, sondern auch für die Bayerische Polizei. So ist der Einsatzabschnitt „Taktische Betreuung“ nunmehr Standard in den Soko-Konzepten.

7. Prozesstag im Fall des WM-Mordes

Soko "Höfen"

Die Angeklagten zu Beginn des Prozesses um den Doppelmord von Höfen Ende Juni.

Knapp eineinhalb Jahre nach dem Raubmord in Königsdorf-Höfen begann im Sommer 2018 der Prozess gegen vier Angeklagte am Landgericht München II. Die aufsehenerregende Tat, bei der zwei Menschen auf brutalste Art und Weise getötet und eine Frau schwer verletzt wurde, stellte für die die Soko "Höfen" der Kriminalpolizeiinspektion Weilheim und der Kriminalpolizeistation Garmisch-Partenkirchen die bis dato größte Herausforderung dar. Es galt, mit allen Kriminalpolizeilichen Möglichkeiten aus vielen Mosaiksteinchen die Tat zu rekonstruieren. 59 Mann stark ist die Soko in Spitzenzeiten, dazu kommen 15 Unterstützungskräfte aller Kriminal-Dienststellen des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Die Tat konnte schließlich rekonstruiert werden: Die Pflegekraft Malgorzata L. wusste um die Vermögensverhältnisse im Haus des Opfer und setzt ihren schwer kriminellen Bruder Robert P. davon in Kenntnis und schlug ihm vor, ihren Sohn mit auf Beutezug zu nehmen. An der Tat beteiligte sich auch noch ein Freund. Die drei Männer schlagen mit massiver Gewalt auf die 78-jährige Hauseigentümerin, die schwer verletzt überlebte, und ihre beiden Bekannten, die vermutlich noch in der Tatnacht verstarben, ein. Bei den brutalen Schlägen verwenden sie neben ihren Fäusten auch einen großen Schraubenzieher, eine Stabtaschenlampe und ein circa ein Kilogramm schweres Uhrengewicht. Die drei Haupttäter werden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, die Hinweisgeberin erhält acht Jahre Haft.

Bilder vom Tatort in Königsdorf

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