Varfie Komah: Einspruch gegen Bescheid eingelegt

"Warum kann man ihn nicht einfach in Ruhe lassen?"

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Varfie soll abgeschoben werden. Was der Verein jetzt dagegen tut
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Rosenheim - Varfie Komah, Basketball-Spieler beim Sportbund Rosenheim, soll abgeschoben werden. Der Verein will die Entscheidung des BAMF nicht akzeptieren und leitet jetzt Schritte ein:

Der Verein war geschockt, als Varfie Komah am vergangenen Montag einen Brief vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erhielt: Sein Asylantrag wurde abgelehnt, innerhalb von 30 Tagen sollte der mittlerweile 20-Jährige aus Liberia Deutschland verlassen. Für den jungen Basketballer brach eine Welt zusammen.

Der Verein reagierte prompt. "Wir haben sofort Klage beim Verwaltungsgericht in München eingereicht. Jetzt haben wir vier Wochen Zeit, zusammen mit einem Anwalt, eine Begründung zu liefern", erklärt Christian Hlatky, Abteilungsleiter Basketball des SB DJK Rosenheim, im Gespräch mit rosenheim24.de.

10 Jahre auf der Flucht

Im Jahr 1996 geboren, begann bereits im Alter von sieben Jahren für Varfie eine traumatische Odyssee. Er verlässt zusammen mit seinem Vater und seinem älteren Bruder sein vom Bürgerkrieg geplagtes Heimatland Liberia. Kurze Zeit später steht er alleine, beide Begleiter verlieren gewaltsam ihr Leben. Die beschwerliche Reise führt ihn weiter. Zunächst über die Elfenbeinküste, dann Mali und Libyen, bis Varfie auf einem kleinen Boot die Küste von Sizilien erreicht. Mit dem Zug erreicht er schließlich Deutschland. 10 Jahre lang war bis dahin auf der Flucht.

Am Basketball ein Talent und auch in der Jugendarbeit hat Varfie seinen festen Platz

In Rosenheim, genauer gesagt in der Basketball-Abteilung des Sportbunds, ist Varfie mittlerweile bestens integriert. Umso härter traf ihn deshalb auch der ablehnende Bescheid der Behörde. "Warum kann man ihn nicht einfach in Ruhe lassen?" fragt sich auch Abteilungsleiter Hlatky. "Wir wollen diese Entscheidung nicht akzeptieren", fügt er dabei im selben Atemzug hinzu.

"Am Montag haben wir einen Termin beim Anwalt, einem Spezialisten für Ausländer-Recht", so Christian Hlatky weiter. Zusammen mit dem offiziellen Vormund von Varfie, der Diakonie, habe man sich durch den Einspruch etwas Luft erkauft. Einen Monat habe man jetzt Zeit, eine Begründung zu liefern, warum der 20-Jährige in Deutschland bleiben soll. "Wir müssen jetzt die Sachen angehen, die beim Interview im BAMF nicht besprochen wurden", ergänzt Hlatky.

"Was wollen wir jungen Menschen vermitteln?"

"In Liberia herrscht kein Bürgerkrieg mehr, trotzdem ist das Land sehr instabil", so Christian Hlatky weiter. Im Verein seien bereits früher Spenden gesammelt worden. Wenn Varfie etwas dringend braucht, helfen die Mitglieder aus. Das junge Basketball-Talent besucht derzeit die Integrationsklasse der Berufsschule, arbeitet nebenbei als Praktikant in einem Möbelhaus. Im kommenden Jahr wollte er eine Lehre als Straßenbauer beginnen.

"In Liberia kennt Varfie niemanden, keine Familie, keine Freunde. (...) Eine Berufsausbildung würde wenigstens eine Perspektive bringen. Ohne hat er gar nichts. (...) Was wollen wir diesen jungen Menschen vermitteln?" fragt sich Abteilungsleiter Hlatky abschließend. Fest stehe nur, dass der Verein hinter seinem Spieler steht. Auch für die Anwaltskosten wolle man aufkommen. Wie die Chancen stehen, dass Varfie bleiben kann, kann Hlatky aber nicht beantworten. "Jeder Fall ist individuell. Wir stehen hinter Varfie."

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