Stadt Rosenheim beteiligt sich an Projekt

Abwasser-Untersuchung soll Ausbreitung des Coronavirus zeigen

Rosenheim - In Rosenheim soll bald durch Auswertungen des Abwassers Erkenntnisse zur Ausbreitung des Coronavirus gewonnen werden. Dabei stellen sich den Forschern einige Herausforderungen.

Im Klärwerk Rosenheim ist für den Herbst 2020 die Errichtung eines sogenannten "kontinuierlichen Probenentnahmesystems" geplant, welches Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums mit entsprechenden Proben und Informationen versorgt. Der Stadt selbst entstehen daraus keine Kosten.

Die Stadtentwässerung Rosenheim nimmt an einem Forschungsvorhaben des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) zum Abwassermonitoring teil. "Ziel des Forschungsvorhabens ist die Entwicklung eines Überwachungs- und Frühwarnsystems, welches Infektionsherde quantitativ, bundesweit und örtlich differenziert erfassen kann", so die Stadtverwaltung. "Dazu wird ein komplexes Verfahren von der Probenentnahme, der mikrobiologischen Aufbereitung und Analyse bis hin zur finalen Modellhochrechnung erarbeitet." Schon seit längerem gilt die Untersuchung von Abwasser als Chance auf eine Art "Frühwarnsystem". In den Niederlanden und Italien gab es bereits Untersuchungen, welche diese Hoffnung stützen könnten. In beiden Fällen konnten ungefährliche Überreste des Virus in Abwasserproben aus Zeiträumen vor eigentlichen Ausbrüchen gefunden werden. 

Umfangreiche Herausforderungen für Forscher

Aktuelle Herausforderungen stellten die Empfindlichkeiten herkömmlicher Nachweisverfahren dar, welche die im Abwasser stark verdünnten Viren zumeist nicht erfassen könnten. "Auch die geringe Zahl erkrankter Menschen, welche sich ebenfalls in einer Virenkonzentration unterhalb der Nachweisgrenze auswirkt, sowie ausgeprägte tageszeitliche Schwankungen stellen die Wissenschaftler vor eine Herausforderung."

Nützliche Links zu Corona:

Selbst wenn die Umstände der Untersuchung ideal seien und ausreichend sensible Messtechniken vorhanden seien, handle es sich um ein kompliziertes Verfahren. "Es muss den Forschern dann auch noch gelingen, die tatsächliche Belastung mengenmäßig zu erfassen. Außerdem muss ein Verfahren entwickelt werden, welches aus dem Vorhandensein von Viren-RNA im Abwasser, dem Stoff genetischer Informationsübertragung, dann aus jeweiligen Konzentrationen Rückschlüsse auf die Zahl erkrankter Menschen herstellt."

Studie in Bad Feilnbach

Auch andernorts wird im Landkreis zur Ausbreitung des Coronavirus geforscht. Vom 23. Juni bis 4. Juli wurden die Bad Feilnbacher im Rahmen einer bundesweiten Studie des Robert-Koch-Instituts auf Corona getestet. Ziel der Wissenschaftler ist es herauszufinden, wie viele Bürger bereits mit dem Corona-Virus infiziert waren, wie hoch die Dunkelziffer ist und ob die Getesteten schon Antikörper entwickelt haben.

"Die Menschen in Bad Feilnbach sind sehr freundlich und kooperativ. Sie haben unseren Studienteams die Untersuchungen und Befragungen sehr leicht gemacht", lobte Dr. Santos-Hövener in einem ersten Fazit. Ergebnisse für Bad Feilnbach werden aller Voraussicht nach im Spätsommer vorgestellt.

hs

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