Präventionskonzept beschlossen

So will Rosenheim Gewalt gegen städtische Mitarbeiter eindämmen

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Rosenheim - Leider nehmen Aggressionen und Gewalt gegen städtische Mitarbeiter zu. Daher hat will die Stadt nun ein Präventionskonzept auf den Weg bringen.

Der Haupt- und Finanzausschuss sprach sich in seiner jüngsten Sitzung für ein Konzept zur Verbesserung der Sicherheit am Arbeitsplatz und die darin vorgeschlagenen Präventionsmaßnahmen aus.Die Maßnahmen sollen Zug um Zug nach Möglichkeit innerhalb von fünf bis sieben Jahren umgesetzt werden. Für baulich-technische Maßnahmen sollen rund 80.000 Euro pro Jahr ausgegeben werden, für Schulungen 20.000 Euro jährlich. Der Stadtrat muss dem nun noch zustimmen.

Zahlreiche Fälle in den letzten Jahren

Die Stadt ist als Arbeitgeber nach dem Arbeitsschutzgesetz rechtlich verpflichtet, die Arbeit so zu gestalten, dass eine Gefährdung der Arbeitnehmer möglichst gering gehalten wird. Konkret müssen Maßnahmen getroffen werden, um Sicherheit und Arbeitsschutz zu verbessern, wenn nötig. 

"Bedrohungs- und Belastungssituationen an Arbeitsplätzen in der öffentlichen Verwaltung, speziell der Leistungsverwaltung, die beispielsweise Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld umfasst, haben in den letzten Jahren leider zugenommen", so die Stadtverwaltung. Flächendecken und somit auch bei der Stadtverwaltung Rosenheim würde immer häufiger beobachtet, dass es zu Problemen in Kundenbeziehungen komme, bis hin zu massiver Aggression und Gewalt am Arbeitsplatz.

"Die Amtsleiterinnen und Amtsleiter sind seit einiger Zeit aufgerufen, diese Fälle dem Hauptamt zu melden", so die Stadtverwaltung. Seither seien 31 Fälle im Jahr 2016, 21 im Jahr 2017 und bisher 31 in diesem Jahr gemeldet worden, mit Schwerpunkt in den Dezernaten III (Recht, Sicherheit, Ordnung) und IV (Jugend, Soziales, Schule, Kultur und Sport). "Es muss davon ausgegangen werden, dass die tatsächliche Zahl viel größer ist - ein übliches Dunkelziffer-Phänomen." 

Enorm belastend für Betroffene

Als Ursachen bei den Tätern werden dabei, unter anderem, eine generelle Konfliktbereitschaft, Gewalt als gelerntes Muster zur Konfliktlösung und eine geringe Frustrationstoleranz, aber auch Existenzängste, psychische Erkrankungen oder Alkohol- beziehungsweise Drogenabhängigkeit ausgemacht. 

"Das war auch immer wieder Thema bei Personalversammlungen", berichtete Erste Bürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) den Ausschuss-Mitgliedern. "Mitarbeiter berichteten, das sie inzwischen beispielsweise bei als schwierig bekannten Fällen schonmal vorsorglich Büroausstattung, die als Wurfgeschoss missbraucht werden könnte, zur Seite räumen." Es handle sich um ein sehr reales Problem, das eine enorme Belastung für die Betroffenen darstelle. 

Stadtverwaltung ermittelte Gefährdungsstufen

Aus diesem Grund sei ein Konzept zur Sicherheit am Arbeitsplatz erarbeitet worden, in dem technische, organisatorische und personelle Präventionsmaßnahmen je nach Gefährdungskategorie festgelegt werden sollen. Die Büroarbeitsplätze in den Verwaltungsgebäuden wurden in vier Gefährdungsstufen eingeteilt:

  • Gefährdungsstufe 1: Büroarbeitsplatz ohne Parteiverkehr (Derzeit etwa 40 Büros.)
  • Gefährdungsstufe 2: Büroarbeitsplatz mit gelegentlichem Parteiverkehr (Derzeit etwa 90 Büros)
  • Gefährdungsstufe 3: Büroarbeitsplatz mit regelmäßigem Parteiverkehr (Derzeit etwa 65 Büros)
  • Gefährdungsstufe 4: Büroarbeitsplatz mit regelmäßigem Parteiverkehr und besonderer Gefährdungslage (Derzeit etwa 100 Büros)

Regelmäßiger Parteienverkehr ist externer Besucherverkehr, der üblicherweise täglich beziehungsweise zu den normalen Öffnungszeiten stattfindet. 

Beim Außendienst werden zwei Kategorien unterschieden:

  • Gefährdungsstufe A3: Außendienst ohne besondere Gefährdungslage
  • Gefährdungsstufe A4: Außendienst mit besonderer Gefährdungslage

Bauliche Maßnahmen und Schulungen für Mitarbeiter

Die Verwaltung kalkuliert die Kosten für baulich/technische Präventionsmaßnahmen in Höhe von insgesamt rund 500.000 Euro. Es ist geplant, diese Maßnahmen in den nächsten fünf bis sieben Jahren im Rahmen des Bauunterhalts beziehungsweise von Sanierungsmaßnahmen umzusetzen. Für das derzeit sanierte Gebäude Königsstraße 15 sind bereits entsprechende Maßnahmen eingeplant. Eventuelle Neubauten werden unter Berücksichtigung des Präventionskonzepts geplant.

Die vorgeschlagenen Schulungsmaßnahmen erfordern Mittel in Höhe von jährlich 20.000 Euro bei einem fünfjährigen Turnus in Gefährdungsstufe 3 und einem dreijährigen Turnus in Gefährdungsstufe 4 beziehungsweise A4. Das Vor-Ort-Schulungsprogramm wird in Zukunft auch mit diesem Schwerpunkt geplant. "Die baulichen Maßnahmen umfassen neben diversen Sicherheitseinrichtungen beispielsweise auch die Schaffung von Fluchtwegen", erläuterte Bürgermeisterin Bauer, "Bei den Schulungen wird es vor allem auch um das Erlernen von deeskalierendem Verhalten gehen, um Situationen von Anfang an zu entschärfen." 

"Mitarbeiter arbeiten für und nicht gegen sie!"

"Leider verhalten sich manche Leute vollkommen falsch", bemerkte Wolfgang Bergmüller (CSU), "Wir müssen den Leuten auch klar machen, dass unsere städtischen Mitarbeiter für und nicht gegen sie handeln!" Elisabeth Jordan (SPD) betonte die Bedeutung der Schulung des Personals. Freie-Wähler-Fraktionsvorsitzender Robert Multrus bezeichnete die Maßnahmen als "verschmerzbaren Aufwand mit wichtigem Ergebnis."

"Es ist natürlich sinnvoll, das man die baulichen Maßnahmen im Rahmen von Sanierungen und Instandhaltungsmaßnahmen macht, aber wo es zwingend erforderlich ist, sollte man es nach Möglichkeit auch vorzeitig machen", bemerkte Franz Lukas (Grüne). "Ich halte diese Maßnahmen auch für absolut sinnvoll, wir müssen nur aufpassen, dass sich die baulichen Maßnahmen in einem angemessenen Maßstab bewegen und wir unsere Ämter nicht in Hochsicherheitstrakte verwandeln, in die sich dann keiner mehr reintraut", mahnte CSU-Fraktionssprecher Herbert Borrmann. 

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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