Dritter Prozesstag um tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße

Verteidigung stellt zwei Beweisanträge

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Rechtsanwalt Dr. Andreas Michel und der Angeklagte kurz vor Prozessbeginn am 12. Februar.
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Rosenheim - Der fürchterliche Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim, bei dem zwei junge Frauen vom Samerberg starben, ist erneut ein Fall für die Rosenheimer Justiz. Im Februar begann der Prozess gegen den zweiten beteiligten BMW-Fahrer. Am Donnerstag findet der dritte Verhandlungstag statt. **Wir berichten von vor Ort** 

Update 14 Uhr: Verteidigung stellt zwei Beweisanträge

Rechtsanwalt Michel stellt zwei Beweisanträge über die das Gericht voraussichtlich bis zum nächsten Verhandlungstag am 12. März entscheiden wird.

Zum Einen beantragt er ein Gutachten zur Handy-Nutzung des Golf-Fahrers. "Das Gutachten wird belegen, dass der Golf-Fahrer sein Handy in der Hand hatte und es nicht aus seiner Hosentasche fiel, wie er ausgesagt hat", heißt es in dem Antrag. Zudem beantragte er ein Sicht- und Akustik-Gutachten zu den Splittern in Folge der Kollision. 

Als letzte Zeugin des Tages sagt die Schwester einer der getöteten jungen Samerbergerinnen aus, die mit im Auto saß. Vom Unfall selber hat sie keine Erinnerungen mehr, erst wieder als sie im Krankenhaus aufwachte. "Meine Mama hat gesagt, dass ich einen schweren Unfall hatte, und meine Schwester es nicht überlebt hat", sagt sie unter Tränen. Sie leidet noch heute an den Folgen des Unfalls.

Die Verhandlung wurde für heute unterbrochen und wird am 12. März um 9 Uhr fortgesetzt.

Update, 12.19 Uhr: Ersthelferin sagt aus

„Als ich beim Unfall angekommen bin, habe ich gesehen, dass der Golf-Fahrer aus seinem Auto ausgestiegen ist, da habe ich gedacht so schlimm kann es nicht sein“, sagt die Frau aus, die als erstes am Unfallort eingetroffen war. Sie habe den Golf-Fahrer dann in ihr Auto gesetzt und nach seiner Beifahrerin geschaut. Danach sei sie gleich weiter zum Micra der jungen Frauen. „Am Anfang war sonst keiner da, nur der Golf-Fahrer, der ausgestiegen ist. Ich bin mir sehr sicher, dass da 10 Meter daneben keine weiteren Autos standen.“ Weiter weg habe sie nicht geschaut.

Die Aussage der Schwester des Golf-Fahrers

„Um 21.06 Uhr, die Uhrzeit weiß ich bis heute noch, ging das Telefon. Ich habe gesehen, dass mein Bruder anruft, dran war allerdings eine Frau. Ich war erstmal baff und dann berichtete die Ersthelferin, dass mein Bruder einen Unfall hatte“, sagt die Schwester des verurteilten Golf-Fahrers vor Gericht aus. „Ich hatte meinen Bruder am Telefon und der hat dann mit leiser Stimme gesagt, dass er einen Unfall hatte und Schmerzen habe und keine Luft bekomme. Ich habe dann immer gefragt, was ist passiert und er hat dann immer wieder nur gesagt 'die Schweine haben mich nicht reingelassen'.“ Sie habe dann nachgefragt, was das bedeute. Daraufhin hab er er gesagt, die Lücke sei zu klein gewesen.

Update, 11.25 Uhr: Rechtsanwalt Michel stellt Beweisantrag

Der Rechtsanwalt des Angeklagten trägt einen Beweisantrag vor, in dem er thematisiert, warum der Golf-Fahrer als Treffpunkt mit seiner späteren Beifahrerin ausgerechnet den Kaufland-Parkplatz gewählt habe. Bei Eingabe von Tuning-Szene Rosenheim bei Google werde als erstes der Kaufland-Parkplatz angegeben.

Weitere Zeugen sagen aus

Der nächste Zeuge berichtet, dass er vom Unfall selber nichts mitbekommen aber beobachtet habe, wie etwa gegen kurz nach 21 Uhr zwei BMW auf der B15 nebeneinander gefahren und immer langsamer geworden seien, bis sie dann schnell in Richtung Rosenheim davon gefahren seien. 

Die nächste Zeugin habe beobachtet, dass um etwa kurz nach neun Uhr in der Miesbacher Straße drei Fahrzeuge mit überhöhter Geschwindigkeit sehr nah aufeinander rechts an ihr vorbei gefahren seien, als sie auf der Linksabbiegespur an der Ampel stand. „Wir haben uns gedacht die spinnen.“ Ihr sei nur aufgefallen, dass die Autos getuned gewesen seien und sie könne sich an ein schwarzes und ein rotes Auto erinnern, die unterschiedliche Kennzeichen hatten. „Ich habe erst gedacht, das war ein Rennen. Komisch fand ich nur, dass die aus unterschiedlichen Orten kamen. Da haben wir uns gedacht, die gehören ja gar nicht zusammen.“ Kurz später habe sie dann einen Knall gehört.

Update, 10 Uhr: Ermittlungsstaatsanwalt sagt aus

Erster Zeuge des Tage ist der Staatsanwalt, der unmittelbar nach dem Unfall an die Unfallstelle gerufen wurde. Er sei um 21.45 Uhr von der Polizeiinspektion Rosenheim verständigt worden, dass es auf der Miesbacher Straße einen Unfall mit mehreren Beteiligten gegeben habe. 

Es habe die Frage im Raum gestanden, ob es sich um ein illegales Rennen gehandelt haben könnte, weswegen er sich entschlossen habe zur Unfallstelle zu fahren. Eine Einsatzkraft habe ihm mitgeteilt, dass der schwerverletzte Golf-Fahrer diesem gegenüber geäußert hätte, „der hat mich nicht mehr reingelassen“ bevor er bewusstlos wurde. 

„Das hat sich bei mir eingeprägt, weil sowas konstruiert man sich nicht, kurz bevor man in Ohnmacht fällt.“ Dem Staatsanwalt schien merkwürdig, dass die BMW durch die Unfallstelle gefahren seien, weswegen er genauer habe klären wollen, wie es dazu kam. 

Da sich die Insassen der BMW kennen, habe man sie getrennt voneinander vernommen. In seinen Notizen habe er das Wort „Rennen“ vermerkt. Er selber sei nur bei der Vernehmung des vorderen BMW-Fahrers dabei gewesen. Am Unfallort selber habe er die BMW-Insassen etwa 150 Meter weit von der Unfallstelle bei ihren Fahrzeugen angetroffen. 

Ob die BMW umgeparkt wurden oder irgendjemand die Anweisung gegeben habe, die Fahrzeuge umzuparken, wisse er nicht. „Ich hab mich nur gewundert, warum zumindest der hintere BMW soweit durch die Unfallstelle gefahren war, wenn er doch so weit hinter dem Golf war. Das schien mir nicht realistisch, deswegen habe ich mir gedacht, da muss man nochmal nachhaken.“ 

Rechtsanwalt Dr. Andreas Michel, der den Angeklagten vertritt, will vom Staatsanwalt wissen, warum er die Anweisung gegeben habe, die BMW-Fahrer als Zeugen zu vernehmen und nicht als Tatverdächtige, wenn er doch von einem Rennen ausgegangen sei. Der Staatsanwalt erwidert darauf, dass er nicht mehr wisse ob er diese Anweisung gegeben habe, könne es sich aber nicht vorstellen.

Vorbericht:

Seit dem 12. Februar läuft der Prozess gegen einen Riederinger am Rosenheimer Amtsgericht. Er ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Er soll nach Auffassung der Staatsanwaltschaft einen überholenden Golf daran gehindert haben, wieder einzuscheren. Es geht um den schlimmen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim am 20. November 2016. 

Am ersten Prozesstag vergangenen Dienstag schwieg der Angeklagte auf Anraten seines Anwalts vor Gericht. Rechtsanwalt Andreas Michel gab als Grund dafür die medialen Veröffentlichungen an, die zu einer Vorverurteilung seines Mandanten geführt hätten. 

Am zweiten Prozesstag sagten alle am Unfall beteiligten Personen aus, unter anderem auch der 26-jährige Unfallfahrer und einige Polizeibeamte. Es kam ans Licht, dass der Angeklagte etwa ein halbes Jahr nach dem Unfall zusammen mit einem weiteren BMW mit überhöhter Geschwindigkeit bei Geiselhöring in einen Kreisverkehr hinein gerast war und dann ins Schleudern geriet. Das Verfahren in dieser Sache wurde jedoch eingestellt.

Der 22-Jährige wehrte sich vor Gericht auch gegen Behauptungen, die vier BMW-Insassen hätten sich nach dem Zusammenstoß nicht um die Unfallopfer gekümmert. Was der Polizist, der als Erster am Unfallort eingetroffen war, zumindest im Falle des Angeklagten bestätigen konnte. Er habe beim Eintreffen einer der schwerverletzten Mädchen beigestanden.

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