Prozess um tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße

Laut Gutachten: Nicht festzustellen, ob die Lücke groß genug war

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Rechtsanwalt JU Dr. Andreas Michel und der Angeklagte kurz vor Prozessbeginn am Dienstagmorgen.
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Traunstein/Rosenheim - Der fürchterliche Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim, bei dem zwei junge Frauen vom Samerberg starben, ist erneut ein Fall für die Rosenheimer Justiz. Am Dienstag begann der Prozess gegen den zweiten beteiligten BMW-Fahrer. Wir berichten von vor Ort.

Update, 11.30 Uhr: Gutachten wird vorgetragen

Im Gutachten geht es auch um die Vermeidbarkeit des Unfalls. „Was er immer tun kann ist nach rechts fahren, um für den überholenden Golf Platz zu machen“, sagt der Sachverständige. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, dass der verurteilte BMW Fahrer hätte beschleunigen können, um den Golffahrer aus Ulm einscheren zu lassen. Das Problem dabei sei aber, dass die Beteiligten nicht wissen, was der Golffahrer macht. Laut dem Gutachter gebe es keine technische Möglichkeit festzustellen, ob die Lücke zum Einscheren groß genug war

Während der Sachverständige sein Gutachten vorträgt, folgt der Angeklagte den Ausführungen ruhig und aufmerksam. Er wirkt dennoch angespannt und betroffen. Sein Anwalt stellt immer wieder Fragen an den Gutachter. Die Autos des Angeklagten und des verurteilten BMW Fahrers sind laut Gutachter nicht untersucht worden. Es habe damals geheißen, dass dies keinen Sinn mache. Der Gutachter habe nach eigener Aussage die Autos der zwei BMW-Freunde gar nicht zu Gesicht bekommen.

Die Hauptverhandlung wird bis zur Fortsetzung am 19. Februar unterbrochen.

Update, 10.25 Uhr: Riederinger wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

Die Vorsitzende Richterin Cornelia Doliwa eröffnet die Sitzung. Auch die Angehörigen der zwei getöteten jungen Frauen sind zusammen mit ihren Nebenklagevertretern als Nebenkläger im Saal. Staatsanwalt Jan Salomon verliest die Anklageschrift. Dem Angeklagten wird eine Mitschuld am schweren Unfall im November 2016 auf der Miesbacher Straße in Rosenheim vorgeworfen, bei dem zwei junge Samerbergerinnen ihr Leben verloren. 

Laut Anklageschrift soll der Angeklagte unter grober Außerachtlassung sein Fahrzeug so beschleunigt haben, dass der Überholende verurteilte Golffahrer nicht mehr zwischen ihm und seinem Freund, dem verurteilten BMW Fahrer aus Kolbermoor, einscheren konnte und es somit zu dem Frontalzusammenstoß mit den jungen Samerbergerinnen gekommen sei. Er wird daher der fahrlässigen Tötung von zwei Menschen angeklagt. 

Der Angeklagte wird auf Anraten seines Anwaltes vor Gericht keine Angaben machen, auch nicht zu seiner Person. Rechtsanwalt Andreas Michel gibt als Grund dafür die medialen Veröffentlichungen, vor allem auch in der jüngsten Zeit an, die zu einer Vorverurteilung seines Mandanten führen. Er zeigt Videos von der Strecke und Bilder von der Unfallstelle. Im Vorfeld wies der Gutachter darauf hin, dass auch unschöne Bilder gezeigt werden.

Update, 9.09 Uhr: Großer Medienandrang bei Prozess

Auch beim Prozessauftakt im Verfahren gegen den zweiten BMW-Fahrer ist das Medieninteresse wieder groß. Es haben sich zudem zahlreiche Besucher im Gerichtssaal des Amtsgericht Rosenheim eingefunden und warten gespannt auf den Beginn der Verhandlung. Heute wird voraussichtlich nur ein Sachverständiger aussagen. 

Der Angeklagte ist bereits mit seinem Rechtsanwalt JUDr. Andreas Michel aus Rosenheim im Saal. Er wirkt sehr bedrückt, sein Anwalt sitzt schützend vor ihm.

Vorbericht

Am 12. Februar steht ein Riederinger vor dem Rosenheimer Amtsgericht. Er ist der fahrlässigen Tötung angeklagt. Es geht um den schlimmen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim am 20. November 2016. Das Amtsgericht Rosenheim hatte den damals 21-jährigen Golffahrer aus Ulm im Mai 2018 zu einer Haftstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Mit beteiligt am Unfall war ein damals 25-jähriger Kolbermoorer BMW-Fahrer, der zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt wurde. Der wartet derzeit auf seinen Berufungsprozess in Traunstein. Das Rosenheimer Amtsgericht sah es als erwiesen an, dass der BMW-Fahrer den Golf-Fahrer am Wiedereinscheren gehindert und somit den Frontalzusammenstoß erst provoziert hatte. 

Das überholende Fahrzeug, das der junge Mann aus Ulm steuerte, krachte daraufhin frontal mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammen, in dem drei junge Frauen saßen. Eine 21-Jährige und eine 15-Jährige vom Samerberg starben, eine 19-Jährige überlebte schwer verletzt. 

Zweiter BMW-Fahrer vor Gericht

Das Amtsgericht Rosenheim beschäftigt sich nun erneut mit dem Fall. Ab Dienstag, 12. Februar wird sich ein Riederinger vor dem Amtsgericht verantworten müssen. Er hatte zum Unfallzeitpunkt einen weiteren BMW gesteuert und soll das Wiedereinscheren von des Fahrers aus Ulm ebenfalls verhindert haben. Ihm wird seitens der Staatsanwaltschaft Traunstein, Zweigstelle Rosenheim, nun fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs zur Last gelegt. 

Urteil wird für 19. März erwartet

Das Gericht setzte für den Prozess fünf Verhandlungstage fest, an denen voraussichtlich 15 Zeugen und mehrere Sachverständige aussagen sollen. Der verurteilte Golffahrer hatte die beiden BMW-Fahrer in der Verhandlung 2018 bereits schwer belastet. „Die Schweine haben mich nicht reingelassen", hatte er in einem Telefonat mit seiner Schwester direkt nach dem Unfall gesagt.

Offen blieb in dem ersten Prozess bis zuletzt, ob sich die Fahrzeuge auf der Miesbacher Straße ein Rennen geliefert haben.

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