Fragen und Antworten im Rosenheimer Stadtrat

Brenner-Nordzulauf: Ende 2020 erste grobe Kostenberechnung

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Rosenheim - In der jüngsten Stadtratssitzung ging es einmal mehr um den Brenner-Nordzulauf. Ein Vertreter der Deutschen Bahn stellte die aktuellen Planungen vor und stand den Stadträten Rede und Antwort - und die wollten einiges wissen.

Das Interesse an Tagesordnungspunkt Eins der jüngsten Stadtratssitzung in Rosenheim war groß. DB-Projektleiter Christian Tradler stellte dem Gremium den aktuellen Stand der Planungen zum Brenner-Nordzulauf vor. Die Fragen der Stadträte an den Bahn-Vertreter blieben nicht aus.

Viele Fragen zum Brenner-Nordzulauf

Die erste Frage war, ob mögliche Tunnel Auswirkungen auf das Grundwasser haben. Tradler erklärte dazu: "Die fünf Trassen erfüllen aus dem Planungsstand, wie wir ihn jetzt haben, alle Voraussetzungen, um gebaut werden zu können. Aus heutiger Sicht gibt es keine Gefährdungen für die Trinkwasserbrunnen und auch keine Auswirkungen auf das Grundwasser.  

Dr. Thomas Huber (CSU) wollte wissen, ob der Lärmschutz eine Rolle für die Planungen spiele, was Tradler bejahte. "Das spielt eine sehr große Rolle. Sobald die Höhenlage und die endgültige Lage der Trasse feststeht, werden wir eine Lärmprognose und erste Vormessungen machen", so der Bahnvertreter. Huber interessierte darüber hinaus, ob es irgendwann eine Visualisierung der Trassen vor der endgültigen Entscheidung für eine Variante geben werde. "In Teilbereichen beispielsweise bei Bauwerken wird es das sicherlich geben."

Franz Opperer (Grüne) hat Gerüchte gehört, dass es womöglich doch eine Verladestation geben soll und wollte wissen, wie der aktuelle Stand beim Bedarf am Ausbau der Bestandsstrecke ist. "Ich weiß nichts von einem Terminal in der Region", so Tradler. Der Ausbau der Bestandsstrecke sei bereits untersucht worden mit dem Ergebnis, dass die Kapazität damit nicht erfüllt werden könne. 

Kosten

Abuzar Erdogan (SPD) zitierte eine Aussage des Innenministeriums demnach Bund und DB weiter planen und das Verfahren vorantreiben. Ende des nächsten Jahrzehnts könne man dann untersuchen, ob die Neubautrasse tatsächlich notwendig sei oder nicht. "Plant die Bahn etwa ein Jahrzehnt weiter zu bauen, um dann festzustellen, man baut nicht weiter?", fragte Erdogan. Trassenfindung und Vorplanung seien die Phasen für die man derzeit die Finanzierung habe, so die Antwort des Bahnexperten. Zu den Kosten für eine Trasse könne er nichts sagen, weil er nicht wisse, welche Vorrang bekomme. Man könne auch nichts zum Kostenunterschied zwischen Tunnel und oberirdischer Bauweise sagen. "Es ist nicht so, dass die billigste Trasse die Vorzugsvariante ist. Das entscheiden nicht wir sondern der Bund." Ende 2020 soll es erste grobe Kostenberechnungen gebe. Erdogan wollte von Tradler noch eine persönliche Einschätzung, ob er das Vorhaben tatsächlich für sinnvoll erachte. "Selbstverständlich brauchen wir eine Neubaustrecke", war dessen prompte Antwort.

Fraktionsvorsitzender Robert Metzger (SPD) zeigte sich "entsetzt darüber, wie so ein Projekt angegangen wird. Es geht nur darum, dass es kommen muss, Wirtschaftlichkeit spielt überhaupt keine Rolle", so der Vorsitzende.

Georg Kaffl (CSU) sprach die Unterquerung der A8 bei der gelben Trassenvariante an: "Hier wäre für uns eine Unterführung wichtig." Tradler entgegnete, dass Kreuzungen erst in der vertieften Planung betrachtet werden. Man werde etwa in einem dreiviertel Jahr wissen, wie es hier aussehe.

Rudolf Hötzl (Republikaner) wollte wissen, ob in die Bedarfsplanung auch eingeflossen sei, dass in Europa immer weniger produziert werde. "Diese Frage müsste an den Gutachter des Bundes gehen, aber ja, das ist in solche Prognosen oder Szenarien mit einbezogen", so der Projektleiter.

Zustimmung nur wenn Bedarf des Brenner-Nordzulauf nachgewiesen ist

Ein Schreiben aus der bayerischen Staatskanzlei zum Thema Brenner-Nordzulauf hatte unter anderem bei der Bürgerinitiative Brennerdialog Rosenheimer Land und im Rosenheimer Stadtrat für Aufsehen gesorgt. Der Leiter der Kanzlei, Dr. Florian Herrmann informierte die Bürgerinitiative in dem Schreiben über den aktuellen Sachstand der Planungen zum Ausbau der Zulaufstrecke zum Brenner-Basistunnel. 

Die Staatsregierung werde einer Neubautrasse nicht zustimmen, wenn die Erforderlichkeit nicht eindeutig nachgewiesen sei, schreibt der Staatsminister. Was die Beteiligten zum Aufhorchen brachte ist, was etwas weiter hinten steht: „Die diesbezüglich im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellte Studie konnte einen Bedarf für eine Neubaustrecke nicht eindeutig nachweisen.“

jb

Rubriklistenbild: © picture alliance / Friso Gentsch

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