Der "Zeitungs-Mo" Erich Künzel (†87) ist tot

"Ihm war wichtig, dass sich jemand um ihn gekümmert hat"

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Der "Zeitungs-Mo" Erich Künzel ist im Alter von 87 Jahren gestorben.
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Rosenheim - Viele Rosenheimer kannten ihn einfach als der "Zeitungs-Mo". Doch jetzt ist Erich Künzel, so hieß er mit bürgerlichem Namen, tot. Ein Nachruf:

Bereits vor über 25 Jahren berichtete das Rosenheimer Journal ausführlich über Rosenheims bekanntesten Zeitungsausträger. Christian Ortlepp, heute Bundesliga-Reporter bei Eurosport, schrieb Mitte der 90er-Jahre eine Reportage über den Arbeitsalltag des damals 61-Jährigen.

Seit 1959 klingelte bei Erich Künzel fast jeden Morgen und bei Wind und Wetter gegen 3.50 Uhr der Wecker. Danach gab es Frühstück nach dem immer selben Ritual: Eine Vollkornsemmel und eine Tasse heißen Kakao. Um kurz vor 5 Uhr verließ Künzel sein spartanisches Zimmer in der Kaiserstraße und schwang sich auf sein Fahrrad. In der Nähe des Eisstadions belud er an einer Sammelstelle seinen Drahtesel mit den neuen Ausgaben verschiedener Zeitungen, darunter auch das OVB. Bis zum Mittag ist Künzel mit seiner "Tour of Rosenheim" schwer beschäftigt. Nach einer kurzen Pause ging es am Nachmittag weiter, dann fuhr Künzel zu seinen Kunden zum Abkassieren.

Erst gegen 16.30 Uhr endete sein langer Arbeitstag. Die restlichen Stunden verbrachte er mit Besorgungen und vor dem Fernseher. Gegen 20.30 Uhr ging Künzel meist ins Bett, ehe das "Spiel" am nächsten Morgen wieder von vorne begann. "Ich möchte noch so lange austragen, wie es die Gesundheit erlaubt", hatte Künzel damals gesagt. Erst im Alter von 78 Jahren hängte er schließlich seinen Job an den Nagel.

"Zeitungs-Mo" Erich Künzel ist tot

In Rosenheim geboren, am Schloßberg aufgewachsen

Künzel wurde am 31. Januar 1932 in Rosenheim geboren. Er wuchs am Schloßberg auf und besuchte zwischen 1938 und 1945 die Volksschule. Nach einer abgebrochenen Malerlehre und einer kurzen Tätigkeit bei der Firma Hamberger am Ziegelberg wurde Künzel schließlich Zeitungsausträger - ein Job, der ihn letztlich ein halbes Jahrhundert begleiten sollte.

Der 87-Jährige wohnte dabei lange an der Ecke Kaiserstraße/Am Salzstadel, dann bei der Metzger-Familie Lohberger. Zuletzt war Künzel aus gesundheitlichen Gründen in einem Pflegeheim am Oberdonauweg untergebracht. Hubert Lohberger fungierte dabei zehn Jahre als sein Vormund.

Viele Anekdoten über den "Zeitungs-Mo"

Lohberger beschrieb im Gespräch mit rosenheim24.de seinen engen Freund Künzel "als einfach bescheiden und nett". Oft sei man einfach nur zusammengesessen, habe gesungen oder ein Bier getrunken. "Ihm war einfach wichtig, dass sich jemand um ihn gekümmert hat", so Lohberger, der Künzel bereits seit seiner Kindheit kannte.

Damals bekam Hubert Lohberger öfters alte Mickey-Mouse-Hefte von Künzel geschenkt. Der Metzgermeister erinnert sich: "Erich musste immer die erste Seite herunterreißen, dann bekam er die Kosten erstattet." Der "Tom Scheuer der Hofleiten", wie Künzel auch genannt wurde, habe sich zudem gerne am Inn aufgehalten und in seiner Freizeit viel gelesen - bevorzugt "Der Lederstrumpf" oder aus der Bibel. 

"Er hat einfach zufrieden gelebt, obwohl er nur rund 150 Euro Rente zur Verfügung hatte. Er war außerdem so unglaublich dankbar für die Wohnung, die wir ihm damals vor vielen Jahren besorgt hatten", erinnert sich Lohberger. Am Samstag, 9. März, ist Künzel im Alter von 87 Jahren verstorben.

mw

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