Rosenheimer Betreiber äußert sich nach tödlicher Tragödie in Polen 

"Escape Rooms": Gefährliche Falle oder spannende Herausforderung? 

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Rosenheim/Landkreis - Unter Zeitdruck durch Teamwork zum Erfolg - "Escape Rooms" machen es möglich. In Polen wurde das fünf Mädchen zum tödlichen Verhängnis. Kann sich ein derartiges Unglück in Bayern wiederholen? Der Betreiber des Rosenheimer "Escape Rooms" hält das für unwahrscheinlich - und erklärt warum. 

Unvorstellbar dramatische Szenen müssen sich in dem "Escape Room" im polnischen Koszalin in der ersten Januarwoche des neuen Jahres abgespielt haben: Ein Feuer breitete sich plötzlich im Gebäude aus, fünf junge Mädchen (15) waren in einem sieben Quadratmeter großen Raum eingeschlossen und mit Handschellen gefesselt. Ein Entfliehen aus dem Feuerinferno und dem drohenden Tod: Unmöglich

"Das ist unglaublich tragisch und dramatisch - vor allem für die Familien und Angehörigen", spricht Sascha Müller sein Mitgefühl aus. Dennoch, so ist er überzeugt, eine solch tödliche Tragödie in dem Ausmaß wie in Polen wäre in einem "Escape Room" in Deutschland nicht passiert

"In Deutschland darf niemand eingesperrt werden" 

Wie kommt Müller zu der Annahme? Er ist zusammen mit seinem Kollegen Thomas Niedermaier seit Oktober 2017 selbst Betreiber eines "Escape Rooms" - oberhalb des Bekleidungsgeschäfts "Only" in der Münchener Straße in Rosenheim

Beide sind begeisterte Spieler, die ihren Traum vom eigenen "Escape Room" verwirklicht haben. Rund ein halbes Jahr hat es gedauert - von Flächennutzungsänderungen der Baupläne über Sicherheitsauflagen - bis die Genehmigung für den Betrieb in trockenen Tüchern gewesen sei. 

Unter anderem verantwortlich dafür, dass bis zur Eröffnung so viel Zeit verstrich: Strenge Auflagen für Brandschutz- und Sicherheitsvorkehrungen. "In Deutschland darf niemanden eingesperrt werden. Daran müssen sich alle Freizeiteinrichtungen wie Discotheken, Bowling-Räume und eben auch wir mit unserem 'Escape Room' richten. Es gibt Notschalter, die ein Entkommen jederzeit ermöglichen. Deshalb schließe ich persönlich aus, dass in Deutschland ebenfalls so ein Unglück passieren kann", erklärt Müller wiederholt und verweist auf die Tatsache, dass "Escape-Rooms" in Polen bislang keine besonderen Genehmigungen der Feuerwehr hatten einholen müssen.

Der Rosenheimer "Escape Room" wurde sehr wohl von der Feuerwehr abgenommen: Fluchtwege, Feuerlöscher, keine verriegelten Fenster und Türen - all das seien laut Müller Voraussetzung dafür, dass der entsprechende Brandschutznachweis überhaupt ausgestellt werden dürfe. "Und so ist es auch richtig, denn Sicherheit ist das A und O im 'Escape Room'", unterstreicht Müller. 

Der Eingangsbereich des Rosenheimer "Escape Rooms" in der Innenstadt. 

120 "Escape Rooms" in Bayern 

Der "Fachverband der Live Escape & Adventures Games" äußerte sich nach der Tragödie in Polen schriftlich und verwies ebenso auf klare Brandschutzrichtlinien in Deutschland

Fast 600 "Escape Rooms" gibt es in ganz Deutschland, davon 120 in Bayern. Neben dem in Rosenheim zählen zahlreiche in den Münchner Ortsteilen und im österreichischen Salzburg zu den nächstgelegenen "Escape Rooms".

Ein vergleichbarer Fall zu dem schweren Unglück in Polen ist in Deutschland nicht bekannt. Dass Leute eingesperrt sind und im Brandfall nicht rauskommen oder dass gar keine Brandschutzvorrichtungen existiert ist in Deutschland wohl undenkbar

Offene Türen und Fenster im Rosenheimer "Escape Room" 

Müller und Niedermaier legen großen Wert auf eine Sicherheitseinweisung vor Beginn des Spiels. Das Einsperren sei lediglich "fiktiv", Türen und Fenster seien, wie Müller betont, "ganz normal, stehen offen und ermöglichen den Spielern jederzeit den Weg nach draußen - ob jemand aufgrund von Platzangst den Raum verlässt oder nur eine Pinkelpause einlegt spielt dabei keine Rolle. Die Atmosphäre soll bewusst ganz entspannt gehalten werden." 

Die Betreiber setzen außerdem auf Videoüberwachung durch den Spielleiter, der via Mikrofon und Kameras in jeder Sekunde des 60-minütigen Spiels im "Escape Room" in Kontakt mit den Teilnehmern stehe. Die Gruppenzahl sei begrenzt und alle Räume in der Münchner Straße seien größer als sieben Quadratmeter. 

"Escape Rooms" immer beliebter 

"Escape Games" gehören zu dem Genre der "Adventuregames" und haben sich inzwischen zu einem wahren Trend entwickelt. Das Spiel in einem "Escape Room" in einer Gruppe unter Zeitdruck durch abstraktes oder logisches Denken und Kombinieren bestimmte Rätsel und Aufgaben zu lösen, um aus dem Raum "entkommen" zu können, erfreut sich in den letzten Jahren weltweit wachsender Beliebtheit

Die Missionen können unterschiedlich gewählt werden - vom schlichten Ausbruch aus einem Gefängnis, dem Lösen eines Mordfalls, mystischen Pharaonen-Rätseln, modernsten Cyber-Verwicklungen bis hin zur Rettung der ganzen Welt vor einer Atombombenexplosion. 

Schon Kinder ab 14 Jahren können bei dem Abenteuerspiel teilnehmen. Die Ursprünge gehen zurück auf "Adventure-Computerspiele" in Japan, über Budapest schwappte die Welle schließlich nach Europa und Deutschland. 

Dem Alltag entfliehen und Kindheitserinnerungen wecken? 

Doch was macht den Reiz eines "Escape Rooms" aus und wieso lassen sich Menschen freiwillig "einsperren"?

Müller gibt dazu seine persönliche Einschätzung ab: "Ich glaube, das hat ein bisserl was mit dem Entfliehen aus dem Alltag zu tun gepaart damit, dass die Teilnehmer ein Stück weit zurück in die Kindheit versetzt werden. Detektiv-Spielen, Rätsel lösen, Hinweise suchen bis hin zum ultimativen Erfolgserlebnis einzig und allein durch Teamwork und Köpfchen - das Ganze macht irre viel Spaß und stärkt die Gruppendynamik. Wir haben beispielsweise viele Firmen, die sich mit ihren Mitarbeitern bei uns anmelden, um im 'Escape Room' die Teambildung zu stärken." 

Mit Urängsten wie der Klaustrophobie spielen die "Escape Rooms", dies mache natürlich auch einen großen Teil der Spannung und auch des Spaßes aus.

Einen Rückgang der Anmeldungen nach der Tragödie am vergangenen Wochenende in Polen konnte der Betreiber nicht verzeichnen. "Es ist keiner abgesprungen. Obwohl zwar Nachfragen in Bezug auf das Unglück aufkamen konnten wir keine Unsicherheit bei unseren Teilnehmern erkennen", erklärt Müller. 

Essentiell sei, so sagt der Betreiber abschließend, dass den Teilnehmern von "Escape Rooms" in Deutschland bewusst sei, dass sie jederzeit und kinderleicht"entkommen" könnten - wenn sie wollten. 

mb

Rubriklistenbild: © dpa (Ingo Wagner)

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