Nachgefragt in Rosenheim und Waldkraiburg

Spendennot und kaum Vermittlungen: So geht's den Tierheimen

So geht es den Tierheimen der Region in der Corona-Krise
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Andrea Thomas vom Tierschutzverein Rosenheim (links) und Manuela Gymes vom Tierschutzverein Waldkraiburg (rechts) appellieren beide derzeit an die Hilfsbereitschaft ihrer Mitmenschen für Tiere in Not.

Rosenheim/Waldkraiburg - Die Coronakrise stellt viele ehrenamtliche Organisationen vor besondere Herausforderungen. Nicht zuletzt auch die Tierheime der Region. 

Ein ganz wesentliches Problem gäbe es, da sind sich alle einig: Ein fehlendes Bewusstsein in der Bevölkerung, dass Tierheime in der Regel von Vereinen ehrenamtlich betrieben werden. "Wir sind sehr stark auf Spenden angewiesen", berichtet etwa Manuela Gyimes, Vorsitzende des Tierschutzvereins Waldkraiburg und Umgebung e.V., welcher das dortige Tierheim betreibt. "Nicht wenige denken, dass Tierheime von den Städten und Gemeinden betrieben werden und somit dank staatlicher Gelder soweit versorgt wären." Doch dies sei nicht der Fall.

Bis 2018 war Bayern sogar das letzte Bundesland, welches Tierheime nicht förderte. Inzwischen gibt es zwar eine Unterstützung. Die reiche aber ohne zusätzliche Spenden und die Einnahmen aus Vermittlungsgebühren nicht aus, betont auch Hester Pommerening, Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. Zu Beginn schlossen auch die Corona-Soforthilfen Tierheime aus. Nun gibt es das zwar, aber nur, wenn die Einrichtung absehbar in den nächsten drei Monaten vor der Pleite stehen würde. "Also wären Spenden wichtig", so Pommerening, "Aber da ist das Problem: In Krisenzeiten haben die Leute leider auch andere Sorgen."

Kaum Vermittlungen möglich

Auch das Veranstaltungs- und Versammlungsverbot derzeit habe auf ungeahnte Weisen Probleme gebracht. "Benefiz-Feste, Flohmärkte, all das ist derzeit nicht möglich", berichtet Andrea Thomas vom Tierschutzverein Rosenheim. "Vor allem aber fallen so auch unsere Tage der offenen Tür weg. Das war für viele immer eine gute Gelegenheit ohne die Verbindlichkeit eines Vermittlungstermins einfach einmal hereinzuschauen und sich vielleicht mit einem der Tiere anzufreunden." Dadurch aber auch, weil bei Treffen für die Tiervermittlung nun die neuen Infektionsschutz-Vorschriften eingehalten werden müssen, sei die Zahl der Tiere, die ein neues Frauchen oder Herrchen fanden zuletzt auf einem Rekordtief gewesen.

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Die Tierheime wollten natürlich sicherstellen, dass ihre Schützlinge in ein sicheres und passendes "Zuhause für immer" einziehen können. Dazu würde normalerweise stets ein ausführliches Kennenlernen und Vermittlungsgespräch mit den potentiellen zukünftigen Besitzern stattfinden, manchmal auch mehrere. Wichtig dabei sei auch, dass alle Familienmitglieder in die Entscheidung eingebunden werden und einverstanden sind. Die dafür notwendigen persönlichen Treffen seien aber nicht mehr ohne weiteres möglich. Dazu komme, dass viele Menschen derzeit gesundheitliche und finanzielle Sorge plagten, in deren Angesicht die mögliche Adoption eines Tierheimtieres eher in den Hintergrund rückt.

Mangel an ehrenamtlichen Helfern in Waldkraiburg

"Bei uns sind derzeit Vermittlungstermine leider komplett ausgeschlossen", seufzt die Waldkraiburger Tierheimleiterin Gymies. "Ein Großteil unserer ehrenamtlichen Helfer fallen derzeit aus, weil sie in die Risikogruppe fallen. Beim Rest können wir einfach nicht riskieren, dass sie sich bei so einer Gelegenheit infizieren und dann ausfallen." Das Tierheim sei ein Rund-ums-Jahr- und Rund-um-die-Uhr-Betrieb. "Wenn von den wenigen die jetzt noch da sind einer wegfällt, wäre das fatal!" 

Es könnten in Waldkraiburg derzeit auch keine neuen Helfer eingelernt werden. "Wir sind ja derzeit noch, während die Vorbereitungen für einen Neubau laufen, in unseren alten Räumlichkeiten. Die sind viel zu eng bemessen, als das man dort sinnvoll jemanden unter Einhaltung der Abstandsvorschriften einlernen könnte!" Auch neue Gassigeher könnten derzeit nicht angenommen werden.

So könnt ihr helfen:

Wer helfen will und dazu finanziell in der Lage sei, da sind sich abschließend alle einig, könne dies am Besten durch Spenden tun. Entweder direkt an die Heime oder alternativ an den Deutschen Tierschutzbund als Dachverband der Tierheime. 

  • Spendenkonto Tierheim Rosenheim: Sparkasse Rosenheim Kontonummern 8797 oder 731844 BLZ 711 500 00 IBAN: DE13 7115 0000 0000 0087 97 SWIFT-BIC: BYLADEM1ROS
  • Hier können Sie für das Tierheim Waldkraiburg spenden
  • Spendenkonto Deutscher Tierschutzbund: Sparkasse KölnBonn BLZ: 370 501 98 Konto: 40 444 IBAN: DE 88 37050198 0000040444 BIC: COLS DE 33

Bei allen materiellen Spenden wie Futter ist es meist sinnvoll, zunächst im örtlichen Tierheim anzurufen, um sich zu erkundigen, was tatsächlich aktuell benötigt wird. Die Übergabe sollte dann kontaktlos erfolgen, indem das Futter vor der Tür das Tierheims abgestellt wird.

hs

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