Asylbewerberunterkünfte in Rosenheim

Meixner: "Prognosen, die uns nervös machen"

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Rosenheim - Das Thema "Asylbewerber im Stadtgebiet" sorgt nach wie vor für Verunsicherung bei den Bürgern. Wie die Stadt nun für mehr Verständnis und die Unterstützung der Anwohner werben will:

Im Rahmen einer ersten Veranstaltung informierten Sozialamtsleiter Christian Meixner und Michael Keneder, der Dezernatsleiter für Jugend, Soziales, Schule, Kultur und Sport, betroffene Anwohner über die Auswirkungen von geplanten Asylunterkünften im Rosenheimer Stadtgebiet. Nicht nur auf die Verwaltung kommen dabei im kommenden Jahr besondere Herausforderungen zu.

Weiter steigende Zahlen und Quoten für die Aufnahme

Um die anwesenden Anwohner im Bereich der Karlsbader Straße für die aktuelle und wahrscheinlich auch kommende Situation zu sensibilisieren, führte Christian Meixner zu Beginn die aktuellen Zahlen und auch die Prognosen im Bereich der Asylbewerber an. Mit Stand Ende März seien in Rosenheim 188 Asylsuchende an insgesamt 40 Orten untergebracht. Bei einer vorgeschriebenen Soll-Zahl von 328 Personen und den zusätzlich versorgten unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen, komme man trotzdem auf ein Aufnahme-Minus von 81 Personen, so Meixner.

Für das Jahr 2015 gehen die Hochrechnungen von insgesamt 300.000 Flüchtlingen im gesamten Bundesgebiet aus. Nach dem "Königsteiner Schlüssel" entfielen so 15,33 Prozent, in Zahlen rund 45.000 Bewerber, auf den Freistaat Bayern. Alleine auf die Stadt Rosenheim entfielen so rund 700 neue Flüchtlinge. Im Vergleich: Im selben Zeitraum müsse der Landkreis Rosenheim rund 2.300 Asylbewerber aufnehmen."Das sind Prognosen bis zum Jahresende, die uns nervös machen und in den letzten Jahren auch immer so eingetreten sind", erklärt Christian Meixner.

Aufgrund der Aufnahmeverpflichtung bestünde auch keine Möglichkeit, "die Situation auszusitzen" so der Sozialamtsleiter. Zusätzlich zu den bestehenden Einrichtungen sollen somit künftig mindestens 300 neue Wohngelegenheiten im Stadtgebiet entstehen, 60 davon sollen in der Karlsbader Straße 8, den ehemaligen Wendelstein Werkstätten, realisiert werden. Bereits Mitte des Jahres könnte die Unterkunft bezugsfertig sein. Sechs weitere Einrichtungen und eine große Gemeinschaftsunterkunft an der Äußeren Oberaustraße seien demnach im Moment in der Planung und Überprüfung. Die Gemeinschaftsunterkunft wird vom Freistaat direkt betrieben und soll rund 100 Asylbewerbern Platz bieten.

Bedenken der Anwohner und Lösungsansätze der Verwaltung

"Wir wurden total übergangen, das ärgert uns am meisten", äußerten mehrere anwesende Anwohner bei der Infoveranstaltung am Dienstag. Michael Keneder verwies dabei auf die eingehaltenen Fristen, bereits Ende vergangenen Jahres sei man mit einem Schreiben an die Bürger in der näheren Umgebung herangetreten. "Wir müssen das machen, über den Weg können wir uns jetzt unterhalten", versuchte Christian Meixner die Anwohner zu beruhigen.

Besonders beunruhigt zeigten sich die Anwesenden über die tiefgreifenden Veränderungen, die eine Asylbewerberunterkunft für das Erscheinungsbild des gesamten Viertels mit sich bringen könnte. "60 zusätzliche Personen, egal wo sie herkommen, direkt vor meiner Haustür? Das kann nicht gut gehen", war aus den Reihen der besorgten Anwohner zu vernehmen.

In Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk und der Caritas bei der Betreuung und voraussichtlich einem speziellen Wach- und Sicherheitsdienst will die Verwaltung diese Bedenken in den Griff bekommen. "Diese Leistungen trägt die Stadt. Der Freistaat zahlt dazu keine Zuschüsse", erklärte Michael Keneder.

Ebenso gelte es auf die "ethnischen Unterschiede der Personen auf jeden Fall Rücksicht zu nehmen", so Keneder weiter. Auch Christian Hlatky von der "Sozialen Stadt" Rosenheim kündigte die Mithilfe zahlreicher ehrenamtlicher Unterstützer bei der Bewältigung der Herausforderungen an. Besondere Maßnahmen, wie zum Beispiel ein eigenes Straßenfest, sollen dann weiter die Integration in den Vierteln vorantreiben.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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