Zweites Verkehrsforum Brenner der Aktionsgemeinschaft Brennerbahn

Podiumsdiskussion zum Thema "Verkehrsverlagerung auf die Schiene"

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In einem Impulsvortrag referierte Dr. Karin Jäntschi-Haucke (Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr) über bayerische Projekte zur Verlagerung. An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen teil: Klaus Hohberger (bayernhafen GmbH & Co. KG), Karl Fischer (LKZ Prien GmbH), Ralph Svehla (Zitzlsperger Spedition & Logistik GmbH & Co. KG), Bernd Weisweiler (TX Logistik AG).

Rosenheim - Zum "Zweiten Verkehrsforum Brenner" hatte die „Aktionsgemeinschaft Brennerbahn (AGB)“ am Mittwoch 9. Oktober 2019 ins Rosenheimer Ballhaus eingeladen, dessen zentrales Thema "Verkehrsverlagerung auf die Schiene" war.

Dr. Karin Jäntsch-Haucke vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr

Unter dem Titel „Verkehrsverlagerung auf die Schiene“ hielt Frau Dr. Karin Jäntsch-Haucke vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr einen Impulsvortrag.

Zunächst beleuchtete sie die stetige Verkehrszunahme, als deren Hauptgründe sie die Bevölkerungsentwicklung, die Zunahme von Transportweiten, das allgemeine Wirtschaftswachstum, sowie die zunehmende Verflechtung im Binnen und Außenhandel, die zunehmende Integration der europäischen Wirtschaft und den zunehmenden Seehafen-Hinterlandverkehr nannte. In der Verkehrsprognose 2050 führt all dies zu wachsender CO2-Belastung, der es entgegen zu wirken gilt.

Hierzu gibt es die Bayerische Strategie zur Verlagerung von Gütern auf umweltfreundliche Verkehrsträger, die einerseits auf die Erhöhung der Effizienz der Verkehrssysteme setzt und andererseits auf verkehrsträgerübergeifende Konzepte.

Innovative Logistik-Projekte verbinden sich hier mit dem Intermodaltransport-Konzept Bayern 2025.

Den besonderen Herausforderungen für Bayern und dem Brenner-Transit-Problem begegnet das Bayerische Staatsministerium mit Vorschlägen beim Brenner-Gipfel und sogenannten BRECO-(Brenner-Combi)-Projekten in EU-Arbeitsgruppen, einem 10-Punkte-Plan und in der Zusammenarbeit zwischen Bayern, Tirol und Südtirol.

Die Präsentationsfolien von Frau Dr. Karin Jäntsch-Haucke werden in der Mediathek von Verkehrsforum Brenner bereitgestellt.

Podiumsdiskussion

Anschließend leitete sie die Podiumsdiskussion, an der die Herren Klaus Hohberger (bayernhafen GmbH & Co. KG), Karl Fischer (LKZ Prien GmbH), Ralph Svehla (Zitzlsperger Spedition & Logistik GmbH & Co. KG) und Bernd Weisweiler (TX Logistik AG) teilnahmen.

Jeder der Teilnehmer beantwortete in vier Runden vorbereitete Fragen.
Hier beispielhaft. nicht repräsentativ, die Antworten von Ralph Svehla, Zitzlsperger Spedition & Logistik GmbH & Co. KG dazu.

Wann setzen Sie die Schiene ein? 

Vor allem im unbegleiteten Verkehr von Verona nach Hamburg ohne fixe Entladeterminvorgabe, aber auf den kurzen bzw. Transitstrecken von München nach Verona können wir ladungsbedingt nicht auf die Schiene gehen. Zwischen Wörgl und Brennersee und umgekehrt, die wir feiertags- und fahrverbotsbedingt gerne öfter nutzen würden, sind leider kurzfristig freie Kapazitäten nur schwer verfügbar. 

Welche Kriterien zählen, die Schiene für Kunden einzusetzen? 

Die Infrastruktur mit naher Terminalanbindung zum Verlader und Empfänger muss eine effektive Nutzung gewährleisten und die Laufzeiten der Schiene muss mit den Kundenanforderungen vereinbar sein. 

Welche Schwierigkeiten/Herausforderungen haben Sie als Spedition um die Güter auf die Schiene zu verlagern? 

Im äußersten Südostbayern fehlen Verladeterminals. Es macht keinen Sinn mit Ladungen ab Raum Traunstein die Terminals in München oder Burghausen anzufahren, denn bis diese erreicht werden, ist der Direkt-LKW bereits Höhe Innsbruck bzw. Tauerntunnel. Die Vorgabe der absoluten Termintreue für Be- und Entladung ist mittels Schiene sehr schwer bis gar nicht darstellbar. Nicht unerheblich sind die Kosten, die wir bei unseren Kunden nicht realisieren können. 

Welche Wünsche haben Sie? 

In Bezug auf den unbegleiteten Verkehr momentan gar keine Wünsche. Hier bleibt abzuwarten, wie sich der Brennerbasistunnel und die damit entstehenden Terminalbindungen für unseren Mittelstand entwickelt. Für den direkten LKW-Transitverkehr durch Tirol eine Lockerung der Fahrverbote und Aufhebung der „Blockabfertigung bzw. Dosierungsmaßnahme“!

Verlagerung auf die Schiene ersetzt nicht Lkw-Verkehr

Von allen Teilnehmern wurde schließlich betont, dass mit der Verlagerung auf die Schiene nicht gemeint ist, dass es dann keinen LKW-Verkehr mehr auf der Straße geben wird, sondern, dass es um Schaffung von erforderlichen Zusatzkapazitäten geht.

Bilder von Vortrag beim "Zweiten Verkehrsforum Brenner"

Wir berichteten auch über das erste Verkehrsforum Brenner mit dem Titel „Entwicklung der Güterverkehre über die Brennerachse heute und morgen und der dafür notwendige Ausbau der Eisenbahninfrastruktur“.

Weitere Informationen:

Im Unterschied zur ersten Veranstaltung wurde diesmal nach Vortrag und Podiumsdiskussion keine Fragerunde für die Besucher durchgeführt. Insgesamt waren weit weniger Besucher der Einladung gefolgt als beim ersten Forum.

Die Aktionsgemeinschaft Brennerbahn (AGB), die sich 1991 aus der Arbeitsgemeinschaft der Alpenländer (ARGE ALP) entwickelt hat, beschreibt sich selbst als ein Zusammenschluss der Regierungen der Provinzen und Länder mit den Handelskammern entlang der Brennerachse von Verona, Trient, Bozen, Tirol und Bayern und erklärt, dass sie sich für die Verbesserung des Schienenverkehrs auf der bestehenden Eisenbahnstrecke München – Verona einsetzt. Die AGB versteht sich als unterstützende Beobachterin des Ausbaus der Brennerbahn und als Verbindungsglied zur Bevölkerung, damit diese informiert wird und mitentscheiden kann. Der Freistaat Bayern und die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK) haben turnusgemäß für 2019 und 2020 die Präsidentschaft der AGB übernommen und möchten in einer Veranstaltungsreihe ein Forum für die Diskussion rund um Verkehrsthemen der Brennerachse bieten.

Klaus Kubitza

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