Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Forschungsprojekt von Rosenheimer Schülern

„Unmengen an Müll“: So verschmutzt ist das Ufer und das Wasser der Mangfall

Die 13. Klasse der FOS/BOS Rosenheim hat für das Projekt „Plastic Pirates“ die Plastikmüllverschmutzung an der Mangfall untersucht.
+
Die 13. Klasse der FOS/BOS Rosenheim hat für das Projekt „Plastic Pirates“ die Plastikmüllverschmutzung an der Mangfall untersucht. Von links: Stefan Schellenberger, kommissarischer Schulleiter der FOS/BOS Rosenheim, Dr. Wolfgang Bachleitner, Chemielehrer und Organisator der Aktion, Konstantin Grambow-Korhammer, Fachbereichsleiter Gewässerentwicklung beim WWA Rosenheim, Dr. Tobias Hafner, Leiter des WWA Rosenheim und die Schüler der 13. Klasse der FOS/BOS.

Eine McDonald‘s-Tüte hier, eine leere Bierflasche da. Immer wieder wird Abfall einfach irgendwo in der Natur entsorgt. Doch was passiert mit diesem Müll? Zumindest ein Teil davon landet als Mikroplastik in Flüssen und Bächen der Region. Wie groß deren Verschmutzung ist, haben nun Schüler der FOS/BOS Rosenheim untersucht.

Rosenheim - Leon Fischbacher blickt ein wenig ungläubig auf die große Plastikplane, die auf dem Boden des Mangfalldamms vor ihm liegt. Darauf hat der Schüler der 13. Klasse der FOS/BOS Rosenheim gerade mehrere Kilogramm Müll nach den verschiedensten Materialen sortiert. „Das ist echt viel und ein bisschen eklig“, sagt Fischbacher, während er mit seinen blauen Gummihandschuhen eine weitere Bierflasche auf den Glasstapel legt.

Europaweite Sammelaktion von Schulklassen

Im Rahmen des Projekts „Plastic Pirates“, bei dem Schulklassen und Jugendgruppen aus ganz Europa Plastikproben an Flüssen und Bächen sammeln, haben Fischbacher und seine 21 Mitschüler sowohl das Ufer als auch das Wasser der Mangfall im Bereich der Turneralm in Oberwöhr auf dessen Verschmutzung untersucht. Die „Ausbeute“ der Rosenheimer Plastikpiraten überrascht selbst einen Experten.

Denn nach rund einer Stunde Suche im Gebüsch, im Uferschlamm oder zwischen den Felsen im seichten Wasser ist bereits einiges an Müll zusammengekommen. Darunter: 16 Zigarettenstummel, 14 Kronkorken, sieben - davon fünf volle - Getränkedosen, vier Bierflaschen, zwei Schnuller, zwei gebrauchte Windeln, eine Socke und eine Unterhose sowie jede Menge anderer Abfall wie Masken, Plastiktüten und Verpackungsmaterialen. „So viel Müll alleine in diesem kleinen Bereich hätte ich nicht erwartet“, sagt Dr. Tobias Hafner, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim, der das Projekt mit seinem Amt begleitet.

Bereits nach kurzer Suche der Rosenheimer „Plastic Pirates“ ist einiges an Müll im Uferbereich der Mangfall zusammengekommen.

Bereits zum zweiten Mal nimmt eine 13. Klasse der FOS/BOS mit Organisator Dr. Wolfgang Bachleitner, der als Bio- und Chemielehrer an der Schule tätig ist, an der europaweiten Aktion teil. Im vergangenen Jahr wurde die Verschmutzung des Inns am Innspitz untersucht. „Schon damals haben wir Unmengen an Abfall gefunden“, betont Dr. Bachleitner. Damit man die Verschmutzung der Rosenheimer Gewässer vergleichen könne, fiel die Wahl in diesem Jahr auf die Mangfall. „Zudem ist die Gegend um die Mangfall einerseits ein beliebtes Naherholungsgebiet, andererseits gibt es auch viel schöne Natur, die geschützt werden muss“, sagt Dr. Bachleitner. Dieser Zwiespalt sei für die Aktion besonders interessant.

Mehrere Ursachen für Mikroplastikbelastung

Grundsätzlich sei die Plastikbelastung der Gewässer in der Region nicht höher als bei anderen Flüssen oder Bächen in Bayern, berichtet hingegen Dr. Hafner. Allerdings sei auch überall eine leicht erhöhte Verschmutzung des Wassers festzustellen. Dies hätten frühere Messungen des Bayerischen Landesamts für Umwelt ergeben. „Die Ursachen für die Verschmutzung sind vielseitig“, betont der Leiter des Wasserwirtschaftsamts. Das sei zum einen der Plastikmüll, der in Ufernähe weggeworfen wird und dann durch Umwelteinflüsse im Laufe der Zeit so weit zerkleinert wird, bis er als Mikroplastik durchs Wasser treibt. Dazu gehöre beispielsweise auch der Abrieb von Autoreifen oder Schuhsohlen. „Auf der anderen Seite gelangen auch Plastikpartikel in die Flüsse, die von Anfang an so klein sind wie zum Beispiel Kunststoffgranulat aus der Industrie“, erklärt Dr. Hafner.

Wie viel von diesem Mikroplastik in der Mangfall zu finden ist, auch das untersuchen die Schüler der FOS/BOS an diesem Nachmittag. Dazu lassen sie ein spezielles Fangnetz, das so engmaschig ist, um die feinen Plastikpartikel aufzufangen, für eine Stunde im Fluss treiben. Damit das Netz möglichst viel Mikroplastik aufsammelt, müsse es direkt in der Strömung treiben und auf Spannung sein, erklärt Simon Englhart, ein Schüler der Klasse. „Mal schauen, wie viel wir erwischen. Hoffentlich reicht es aus“, sagt er. Die gesammelten Daten werden anschließend an ein Forschungslabor in Kiel zur genaueren Auswertung geschickt und auf der Internetseite von „Plastic Pirates“ veröffentlicht.

Um mit dem Fangnetz möglichst viel Mikroplastik zu erwischen, suchen die Schüler der 13. Klasse der FOS/BOS nach dem idealen Standort in der Mangfall.

Sensibilisierung für das Thema Umweltschutz

„Uns ist klar, dass wir dadurch die Flüsse nicht sauberer bekommen, aber wir wollen auf das Thema Plastikmüll aufmerksam machen“, betont Dr. Bachleitner. Die Sensibilisierung beginne bereits bei seinen Schülern. „Wenn sie diese Müllberge sehen, die man auf den ersten Blick gar nicht erkennt, dann wird ihnen vielleicht bewusst, dass man die Natur sauber halten muss.“ Deshalb sei es für ihn umso erfreulicher, dass alle seine Schüler ihre Freizeit „opfern“, um an dem Projekt teilzunehmen.

Leon Fischbacher will die Ratschläge seines Lehrers in Zukunft noch mehr beachten. „Nach den Erfahrungen hier hat man fast das Bedürfnis, den Müll der anderen auch wegzuschmeißen.“ Soweit muss es laut Dr. Hafner allerdings gar nicht gehen. „Es wäre schon viel gewonnen, wenn jeder seinen eignen Müll wieder mitnimmt und nicht aus Bequemlichkeit liegen lässt“.

Kommentare