Lärmende Boliden in der Innenstadt

Röhrende Auspuffe und heulende Motoren: Wirbel um Autoposer in Rosenheim

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Rosenheim - Quietschende Reifen, röhrende Auspuffe - und Anwohner in Wut: In Rosenheim mehren sich die Beschwerden und der Unmut über die sogenannte "Auto-Poser"-Szene. 

Als problematisch wird von der Bevölkerung vor allem der mutwillig verursachte Lärm in den Abendstunden und in der Nacht wahrgenommen. Besonders belastend ist die Situation für Bewohner der Münchner- und Kufsteiner Straße, da sich die Szene dort trifft - um dann mit quietschenden Reifen oder heulenden Motoren wiederholt an Geschäften und Lokalen vorbeizufahren. 

Polizeihauptkommissar Robert Maurer von der Polizeiinspektion Rosenheim kennt die Problematik. Seit Jahren schon beschäftigt eine Gruppe junger Menschen die örtliche Polizei. Erst unlängst kam es wieder zu Einsätzen. Im Gespräch mit rosenheim24.de legt er zunächst Wert darauf, die "Poser" von den "Rasern" und "Tunern" abzugrenzen. So falle die Rosenheimer Gruppe überwiegend nicht durch überhöhte Geschwindigkeiten auf - obwohl dieser Eindruck aufgrund der Lautstärke der Boliden oft entstehen könne. Auch von Tunern könne man nicht sprechen, da die von Tunern vorgenommenen Veränderungen an Autos im Einklang mit der Straßenverkehrsordnung stünden. 

Vielmehr würden "Poser" ihre Autos absichtlich optisch, mechanisch oder elektronisch derart verändern, dass sie möglichst auffallen. Gerade die mechanischen Veränderungen erhöhten den Lärmpegel teilweise erheblich. Diese, leider oft illegalen, Manipulationen stellen oft auch eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dar. Gerade aktuell wurden von der Polizei zwei Autos aus dem Verkehr gezogen, welche gravierende Mängel aufwiesen: Maurer berichtet im Gespräch von feststehenden Blinkern, nicht zum Fahrzeug passendem Fahrwerk und verstellten Stürzen an der Lenkung, so dass der Reifen beim Einschlagen am Kotflügel schabe. Die Fahrzeuge wurden umgehend zwangsentstempelt. Überdies seien Manipulationen an der Elektronik - mit dem Ziel die PS-Zahl zu steigern - keine Seltenheit. Das "Equipment" dazu wird illegal aus dem Netz bezogen. Zudem sei festzustellen, dass die Reifen in vielen Fällen stark abgefahren sind. 

Deshalb trifft sich die Szene in der Stadt

Bei der "Szene", die in Rosenheim Unmut errege, handle es sich um Freundeskreise, die sich in der Stadt  träfen. Nicht zu selten kämen diese nicht einmal aus Rosenheim selbst, sondern aus umliegenden Gemeinden. Der Grund: Da es ums Sehen und Gesehen werden geht, ist dieser Effekt in der Stadt - und hier vor allem in der Innenstadt - eben leichter zu erreichen als am Lande. 

Wie Maurer erklärt, habe das derzeit zu beobachtende, verstärkte Auftreten in Rosenheim nichts mit dem Ende des Corona-Lockdowns zu tun. Vielmehr sei die Szene schon seit Jahren im Frühjahr aktiver. Ein regelrechter Stichtag sei hierbei der 1. April. Im Winter schonen die Poser aufgrund der Straßenverhältnisse und eingesetzter Streusalze ihre Autos. 

Insgesamt verhielten sich die Poser aber nicht weiter auffällig. Drohungen oder Einschüchterungen gegenüber Passanten und Anwohnern - wie von anderen Poser-Gruppierungen aus Deutschland bekannt - habe es bislang noch keine gegeben. Maurer betont zusätzlich, dass die Gruppe grundsätzlich im Gespräch mit der Polizei sehr einsichtig sei - sogar dann, wenn illegale Manipulationen an den Autos festgestellt worden seien. Die Fahrzeuge würden dann rückgebaut. Dass jemand doppelt oder öfter erwischt werde, sei "sehr, sehr selten". Auch die Anzahl der Anzeigen gegen die Poser habe sich im Laufe der Jahre nicht wesentlich erhöht. 

Dennoch ist man sich von Seiten der Polizei durchaus bewusst, dass die Situation in der Rosenheimer Innenstadt von der Bevölkerung als belastend empfunden wird. Man setze deshalb weiterhin auf Kontrollen - und stehe auch in engem Austausch mit benachbarten Polizeiinspektionen. So wie momentan soll die Lage jedenfalls nicht bleiben. 

dp

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