Eisstadion: "Was machbar ist"

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Zufrieden mit dem Jahr 2012: Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer in ihrem Büro vor einer Weihnachtsdekoration, gefertigt von Mitarbeitern des Baubetriebshofes.

Rosenheim - KUKO, NVZ und Eisstadion: Das OVB sprach mit der Oberbürgermeisterin über das vergangene Jahr - und über Themen, die Rosenheim bewegten.

Im nächsten Jahr wird die CSU festlegen, wer für sie bei der Oberbürgermeisterwahl 2014 antreten soll. Wie bisher, lässt lässt Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer auch am Ende des Jahres 2012 nur indirekt durchblicken, dass sie zur Verfügung steht. Wir sprachen mir ihr darüber und viele andere Themen, unter anderem über die vielen Baustellen, das Stadtentwicklungskonzept und die Zukunft des Eisstadions.

Frau Bauer, wie haben Sie Weihnachten verbracht?

Wie immer. Ich bin ein Traditionsmensch und brauche unbedingt ganz bestimmte Dinge an Weihnachten: Weinachtsbaum schmücken ohne Ende, ein Glöckchen, das Heiligabend einläutet, wie ich es von zu Hause gewohnt bin, ganz gemütlich mit schöner Musik einen Abend gemeinsam verbringen mit dem Partner. Sich bewusst sein, wie wunderbar es uns geht.

Was bewegt Sie an einem solchen Abend?

Wie anders die Situation etwa in Ägypten ist oder überall dort, wo Christen verfolgt werden, wo Religion die Menschen entzweit. Wir können ohne Krieg leben. Mich bewegen an einem solchen Abend die existenziellen Dinge des Lebens.

Haken wir am besten erst einmal die Frage ab, ob Sie sich 2014 noch einmal um das Amt der Oberbürgermeisterin bewerben werden.

Wie im letzten Jahr sage ich, das bestimmen der CSU-Vorstand und die Menschen, die mich wählen müssen.

Wenn die Menschen Sie wählen müssen, sind Sie aber schon Kandidatin.

Ich denke, im Frühjahr wird die Entscheidung fallen.

Es ist ja sonst niemand anderer in Sicht.

Ich weiß es nicht. Das hat damals der Herr Oberbürgermeister Dr. Stöcker auch gesagt. Der Tod von Herrn Professor Kathrein hat uns gezeigt, wie sich die Dinge ändern können, dass ganz plötzlich etwas kommen kann, womit man nicht rechnet.

Sehen Sie es als notwendig an, bis zur nächsten Wahl 2014 noch einen Dritten Bürgermeister zu bestimmen?

Die Geschäftsordnung sagt, wir können, aber wir müssen nicht. Die Fraktionen müssen das klären. Ich bin da wirklich neutral.

Welches Thema hat Sie in diesem Jahr am meisten beschäftigt?

Unser Stadtentwicklungskonzept. Ich finde es ganz wichtig, sich konzeptionelle Gedanken darüber zu machen, wie man eine Stadt aufgestellt sehen will, um sie zukunftsfähig zu erhalten. Ich erlebe immer noch, dass zu sehr aus dem Heute heraus gedacht wird und auch nur bis ins nächste Jahr. Das Stadtentwicklungskonzept ist ein Programm für zehn Jahre und soll in einen Flächennutzungsplan münden. Das wird ein stetiger Prozess sein, der sich weiterentwickelt auf allen Gebieten - ob das die Energie betrifft oder den Verkehr. Es geht auch um die Fragen: Wie wird der Öffentliche Personennahverkehr in zehn Jahren ausschauen? Wie entwickelt sich der Individualverkehr? Ich finde, das ist ein ungeheuer spannendes Thema und freue mich, wenn Bürger daran teilnehnmen.

Gerade das hat ja bisher nicht so gut geklappt. Beteiligt haben sich wieder einmal fast nur die, die immer dabei sind. Interessieren sich die Bürger nicht für ihre Stadt?

Ich denke schon, ich glaube nur, dass die Bürger mehr Interesse haben an ihrem eigenen Quartier. Deshalb wollen wir im nächsten Jahr auch in die Quartiere gehen und die Beteiligung direkt vor Ort abfragen. Wir erleben das zum Beispiel beim geplanten Nahversorgungszentrum in Westerndorf St. Peter. Da beteiligen sich auch nur die Bürger, die tatsächlich dort leben, nicht die aus Pang oder Aising. Das ist verständlich, weil ich auch glaube, dass die Stadt als Ganzes gut funktioniert.

Worüber haben Sie sich im abgelaufenen Jahr am meisten gefreut?

Das ist eine ganz kleine, unauffällige Sache, die mich aber sehr berührt hat. Ich habe ein Willkommensprojekt initiiert, zusammen mit dem Kinderschutzbund und der Sozialen Stadt, bei dem Mütter, Väter, Omas und Opas mit 30 oder 40 Babys im Treffpunkt "Miteinander" in der Lessingstraße waren. Es hat mich unheimlich gefreut, dass die jungen Mütter auf einen Brief und ein kleines Willkommmenspaket reagiert haben. Und diese wiederum haben sich gefreut, weil sie direkt angesprochen wurden. Es bestand ja auch die Gefahr, dass sie hätten meinen können, man wolle sie kontrollieren. Und genau das Gegenteil ist der Fall. Wir möchten Hilfestellung geben, möchten aufzeigen, welche Möglichkeiten es gibt für junge Mütter mit Kindern, wann man sich etwa bei der Krippe anmelden kann.

Was hat Sie in diesem Jahr traurig gemacht?

Natürlich der Tod von Professor Kathrein. Das war ein schwerer Schock. Das war unvorstellbar und so aus dem Nichts heraus.

Hatten Sie zwei sich eigentlich, nachdem die Stadt das Vorkaufsrecht für das Gasthaus am Happinger See wahrgenommen, wieder versöhnt?

Natürlich, das war ja nie ein Thema zwischen uns persönlich. Das war seine tiefe Enttäuschung, weil er sich das nicht vorstellen konnte. Wir beide hatten immer Kontakt und haben uns auch ausgetauscht. Das war eine schwierige Situation, die wir da durchgemacht haben, beide.

Worüber haben Sie sich 2012 am meisten geärgert?

Gott sei Dank vergesse ich so etwas immer. Ich weiß es nicht.

Kürzlich haben Sie auf dem Weg in den Sitzungssaal unüberhörbar einen Mitarbeiter angezischt und gesagt: "Glaubt ihr eigentlich, ich hätte einen Geldscheißer?" So zornig und mit einer solchen Wortwahl kennt man sie in der Öffentlichkeit nicht.

Dabei ging es um die Situation beim Kindergarten "Klabautermann". Dem Stadtrat wurde ein vermeintlicher Haushaltsplan vorgelegt, in dem für das nächste Jahr 650000 Euro eingetragen waren. Das hat mich geärgert, denn es war anders diskutiert. Das sind Planungen für künftige Jahre. Da muss man erst hinterfragen, ob man an dieser Stelle überhaupt ein Haus bauen kann. Und ich mag nicht überfahren werden. Es geht nicht, dass man mich vor der Tür abfängt, um mich zu informieren. Aber es ist halt so, dass ich sehr kreative Mitarbeiter habe, und jeder will das Beste für seinen Bereich herausholen. Die sehen bei diesem Bemühen dann manchmal nicht das Ganze.

Sie weisen zu Recht oft auf die gute Haushaltslage hin. Das weckt auf der anderen Seite Begehrlichkeiten.

Die Haushaltslage ist deshalb gut, weil wir uns genau überlegen, was wir uns leisten können und was nicht. Fakt ist, wir wollen keine weiteren Verschuldungen haben und trotzdem die Ziele erreichen, die wir uns vorgenommen haben, die wir aber auch von außen auferlegt bekommen, wie zum Beispiel das Krippenbauprogramm. Dann sind da Bauten wie das Karolinen-Gymnasium oder die Johann-Rieder-Realschule. Wir wsissen, dass da etwas getan werden muss, aber das eine oder andere muss mit Blick auf die Mittel, die wir haben, zurückstehen.

Der Stadtrat hat entschieden, zehn Millionen Euro in die Sanierung des Kuko zu stecken. Da ist immerhin die Bausubstanz in Ordnung. Auch beim Eisstadion deuten sich Millionenausgaben an. Soll man das Geld wirklich in das alte Stadion stecken?

Es ist nicht so gravierend, wie es dargestellt wurde. Wir haben keine Einsturzgefahr, aber sicherlich in einzelnen Bereichen keine sehr guten Zustände. Wir haben entschieden, dass wir statt 5900 Besucher nur noch 4750 zulassen können. Nur: Wann haben wir die? Die haben wir bei einigen Spielen, aber nicht grundsätzlich. Eishockey hat eine ganz wichtige Funktion in Rosenheim. Ich finde es auch gut, dass man sich andere Hallen anschaut. Es gibt Kaufbeuren, es gibt Ratingen, die ihre Eisstadien geschlossen haben, und es gibt Kommunen, die haben neu gebaut. Jetzt schauen wir uns an, was die beste Lösung ist. Der Eissport bräuchte eine zweite Eislauffläche, auch für den Eiskunstlauf. Jetzt gilt es, ohne öffentlichen Druck klar zu definieren, was machbar ist.

Beim neuen Gewerbegebiet "Am Oberfeld" entsteht der Eindruck, dass nichts vorangeht. Was ist da los? Verlangen die Grundstücksbesitzer zu hohe Preise?

Die Stadt hat dort zwei Grundstücke, eines ist bereits verkauft. Ein zweites wird im nächsten Jahr angeboten. Auch ein privates Grundstück ist verkauft, und es gibt schon Bauanträge. Ich sage auch, es ist ein Gewerbegebiet, das für Zukunft angelegt wird. Ich möchte dort gar nicht den großen Druck haben, sondern die Möglichkeit, Firmen etwas anbieten zu können, wenn sie sich entscheiden, zu verlagern oder nach Rosenheim zu kommen. Und der Preis bestimmt sich nach dem, was dort gebaut werden darf. Wir haben beispielsweise Einzelhandel und Tankstellen ausgeschlossen. Dienstleistung und Gewerbe stehen im Vordergrund. Danach richtet sich Preis. Leider sind wir nicht im Besitz der ganzen Fläche. Aber ich denke, wenn wir jetzt beginnen, dass dadurch auch eine andnere Dynamik entsteht..

Sind es neue Firmen, die sich dort ansiedeln?

Das sind beides Firmen, die innerhalb Rosenheims verlagert werden, die eine Entwicklung genommen haben und jetzt mehr Platz brauchen.

Viele Bürger in Westerndorf St. Peter wehren sich gegen das geplante Nahversorgungszentrum. Was meinen Sie, wie geht es da weiter?

Wir werden alles aufarbeiten, was an Fragestellungen da ist. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass an dieser Stelle Nahversorgung richtig und wichtig wäre. Aber am Bürger vorbei macht das keinen Sinn. Die Rechtspositionen müssen geklärt sein. Wir werden sehen, wie wir mit den Planungen, die wir jetzt weiter vorantreiben, auch die Akzeptanz finden. Ein Normenkontrollverfahren möchte ich natürlich verhindern.

Ganz Rosenheim eine Baustelle, so kommt es den Bürgern manchmal vor. Wie lange geht es noch so weiter?

Wir haben den Auftrag, Fernwärme überallhin zu verlegen, gleichzeitig den Auftrag, dass wir unser Kanalisationssystem für die Zukunft richtig aufstellen. Leider können wir nicht immer allen erkären, warum eine Baustelle so lange dauert. Nach dem Verlegen einzelner Sparten müssen wir in die Grundstücke hinein, das muss ja mit den Bewohnern abgesprochen werden. Ich denke aber, wir müssen eine noch bessere Baustellenkoordination schaffen, das haben wir uns vorgenommen. Fernwärme findet eine hohe Akzeptanz bei den Bürgern. Nur geht das leider nicht als Baustelle vom Himmel runter.

Eine der größten Baustellen wird in den nächsten Jahren in der Kufsteiner Straße sein.

Ja, das wird unser Thema im nächsten Jahr. Wir haben bisher keine Vereinbarung gehabt mit der Bahn. Jetzt sieht die Bahn selbst den Druck und möchte eine Vereinbarmit uns schließen. Da müssen wir wissen: Weiten wir die Unterführung auf? Wenn wir das tun, geht das nur auf unsere Kosten.

Das muss dann aber schnell geschehen, denn die Unterführung gilt nur noch bis 2016 als standsicher.

Das ist genau der Punkt Jetzt müssen diese Verhandlungen geführt werden.

War 2012 ein gutes Jahr für Rosenheim?

Ich finde schon. Wir hatten keine großen Arbeitlslosenzahlen, wir hatten eine gute wirtschaftliche Entwicklung. Wir hatten mit der "Tiefsee" eine gute Ausstellung, wir ind mit unseren ganzen Planungen gut vorangekommen. Wir haben unseren Krippenbau abgearbeitet und den großen Volksschulbau in Fürstätt beendet. Die Menschen, die eine Gesellschaft gestalten, waren, glaube ich, zufrieden. Dann bin ich es auch.

Was wünschen Sie sich und was wünschen Sie den Rosenheimern für das neue Jahr?

Ich wünsche mir immer das Gleiche, nämlich, dass nichts wirklich Gavierendes passiert, dass die Menschen Arbeit haben, dass sie ihr Auskommen haben, dass wir uns positiv begegnen können. Dass in Rosenheim diese große Bereitschaft weiter Bestand hat, Dinge miteinander zu entwickeln und dass wir aufeinander zugehen, wenn es unterschiedliche Meinungen gibt. Dass wir keine Gemeinschaft sind, die sich bekämpft, sondern gemeinsam Probleme löst. Ich möchte, dass die Menschen sich wohlfühlen und sehen, dass man nicht über sie bestimmt, sondern dass wir zusammen die Stadtgesellschaft entwickeln. Das ist mir ganz wichtig.

Oberbayerisches Volksblatt

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