Video-Aktion des Ballettforums Rosenheim 

Not macht erfinderisch - Mit dem "Safety Dance" durch die Corona-Krise

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Mindestabstand garantiert: Die Kinder funktionierten Zimmer und Garten kurzerhand zum Tanzstudio um

Rosenheim - Auch das Ballettforum Rosenheim musste wegen der Corona-Krise schließen. Inhaberin Marianne Bröder hat sich deshalb zusammen mit ihren Schülerinnen eine ganz besondere Video-Aktion einfallen lassen:

Das Mädchen in der grauen Sportleggings und dem schwarzen T-Shirt schaltet den Staubsauger ein und beginnt, das Wohnzimmer zu saugen. Plötzlich ist ein anderes Mädchen im Bild: Sie sitzt hinter einem Bügelbrett und macht die Wäsche. Dann noch ein Schnitt: Ein drittes Mädchen liegt auf ihrem Bett und schaut gelangweilt in ihr Handy - zumindest, bis die Musik beginnt.

"Safety Dance" auf YouTube

Das Ballettforum Rosenheim ist genau wie Fitnessstudios und andere Betriebe von der Corona-Krise betroffen: Von einem Tag auf den anderen musste die Inhaberin und Tanzlehrerin Marianne Bröder die Schule schließen. Doch Not macht erfinderisch: Bröder beginnt damit, kleine Tanzeinheiten und Übungen abzufilmen, auf YouTube hochzuladen und ihren Schülern Links zu schicken. 

Aber ob die Kinder auch wirklich daheim üben? Bröder hat noch eine Idee. Sie macht eine kurze Choreografie zu - wie könnte es passender sein - dem Lied „Safety Dance“ und schickt sie wieder an die Kinder, die sich dieses Mal aber dabei filmen lassen sollen, wie sie tanzen. Das Ergebnis kann man jetzt auf YouTube sehen: Rund 20 kleine Tänzerinnen schlagen Räder durch das Wohnzimmer, drehen sich auf der Straße vor dem Haus und zeigen Herzen in die Kamera.

Der Ballettunterricht fehlt den Kindern: „Viele sind schon sehr traurig, vor allem, weil sie ihre Freunde im Ballett nicht mehr treffen können“, sagt Marianne Bröder. Zusätzlich zu den YouTube-Videos bietet sie mittlerweile auch Live-Unterricht über die Videochat-Plattform Zoom an. „Ein Ersatz für echten Unterricht ist das natürlich nicht, aber ich versuche, so gut es geht den Kontakt und die Motivation aufrechtzuerhalten.“ 

Die Eltern und Kinder freuen sich über das Angebot: „Manchmal macht dann sogar der Bruder oder der Papa beim Unterricht mit. Eltern zahlen auch ihre Gebühren weiter, weil sie sagen, dass sie wollen, dass es auch nach der Corona-Krise noch eine Ballettschule gibt“, erzählt Marianne Bröder. „Die ersten zwei Monate waren deshalb zu schaffen, aber wenn das jetzt noch mal zwei Monate so bleibt, dann weiß ich auch nicht, wie’s weitergeht.“

Maskenpflicht beim Tanzunterricht?

Denn wann das Ballettforum Rosenheim wieder ganz regulär Unterricht anbieten darf, ist noch nicht abzusehen. Der Bundesverband für Tanzpädagogik hat zwar Richtlinien zur Wiedereröffnung von Schulen entwickelt, die Umsetzung ist aber schwierig: Kinder sollen am Platz bleiben, keine größeren Bewegungen machen und am besten nicht schwitzen. Und die Maskenpflicht nicht zu vergessen: „Ausdauertraining mit Mundschutz - das muss man erst mal machen“, sagt Bröder.

Bis das Ballettforum wieder öffnen darf, müssen die Kinder also zu Hause tanzen. Und natürlich fehlen sie ihrer Lehrerin auch: „Meine Schüler sind toll und ich freu mich einfach schon irrsinnig, wenn ich wieder mit den Kindern arbeiten darf. Ich lebe nicht nur finanziell, sondern auch emotional davon“, sagt Bröder. Sie hofft, dass sie so bald wie möglich wieder Ballettunterricht geben darf. Allein daheim tanzen macht eben nur halb so viel Spaß.

Franziska Osterhammer

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