Unterschriften-Aktion für Standort in Rosenheim/Erlenau: Hier findet ihr die Listen

„Meine Oma ist sehr traurig" - So diskutiert ihr über die Edeka-Schließung

Der Edeka-Markt in der Austraße 46 in Rosenheim. Dieser soll Mitte September 2020 schließen. Anwohner wollen sich mit einer Unterschriftenliste für den Erhalt des Supermarkt-Standorts einsetzen.
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Der Edeka-Markt in der Austraße 46 in Rosenheim. Dieser soll Mitte September 2020 schließen. Anwohner wollen sich mit einer Unterschriftenliste für den Erhalt des Supermarkt-Standorts einsetzen.

Rosenheim - Ab Mitte September soll der Edeka-Markt in der Austraße 46 schließen. Anwohner wollen mit einer Unterschriftenaktion für den Erhalt des Standorts kämpfen und auch unsere Leser diskutieren das Thema.

„Die Unterschriftenaktion findet enormes Interesse“, berichtet  Christian Berghofer, der Vorsitzende des Vereins „Eigenheimer Rosenheim-Erlenau“ gegenüber rosenheim24.de. „In der vergangenen Woche hatten wir noch gemeint, es werden vielleicht 700. Aktuell sind es schon über 800 und immer wieder melden sich Leute, die sich für den Erhalt des Marktes einsetzen wollen."

Wegen der großen Nachfrage gibt es nun auch öffentlich ausliegende Listen. Diese sind hier zu finden:

  • EDEKA - Markt bei der Bäckerei Wünsche ín der der Austraße 46
  • St. Urban Apotheke am Georg-Staber-Ring
  • Zeitschriftenladen/Lotto Annahmestelle am Georg-Staber-Ring 3 Bäckerei Bauer in der Höttingerstraße 20 Ecke Erlenaustraße

Der bisherige Betreiber wird auf Grund „neuer Perspektiven“ den Markt ab dem 19. September nicht mehr betreiben, wie die Pressestelle von Edeka Südbayern auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte. Nun wollen Anwohner mit einer von dem Eigenheimer-Verein organisierten Unterschriftenaktion die Lokalpolitik, aber auch einen möglichen neuen Besitzer wachrütteln. „Sie sollen wissen, dass wir diesen Markt wollen und brauchen!“, betont Berghofer.

Edeka in der Erlenau in Rosenheim soll schließen - Anwohner organisieren Unterschriftenaktion

Ein zentraler und gut erreichbarer Nahversorger sei ein wichtiger Baustein jeder Nachbarschaft, so Berghofer. Die nächsten Supermärkte seien 750 bis 850 Meter entfernt vom Standort des Edeka. „Besonders für die Älteren, die auf Märkte angewiesen sind, die sie auch zu Fuß gut erreichen können, ist das leider keine Option“, merkt Berghofer an. Der Markt sei zudem ein zentraler Treffpunkt der Nachbarschaft, wo man sich austauschen und auch mal für einen kurzen Ratsch treffen würde.

Das Thema beschäftigt auch unsere Leserschaft. In einer Umfrage auf rosenheim24.de spricht sich die Mehrheit der Befragten, Stand Montagvormittag, für den Erhalt des Marktes aus.

Leser berichten: Supermarkt wichtiger Nahversorger für alte Menschen und Menschen mit Behinderung

„Meine Oma wohnt auch ganz nah und ist sehr traurig darüber, weil sie nun viel weiter gehen muss um einkaufen zu gehen“, berichtet unter dem Facebook-Post zum Artikel unsere Leserin Kerstin M.. „Wenn man sich das ganze mal anschaut gibt es vom Krankenhaus bis über die kleine Siedlung der Erlenau nichts außer diesen Edeka. Und jetzt kommt mir nicht mit dem Rewe, denn für die vielen alten Leute die dort rund rum wohnen ist es eine Weltreise. Es sollte halt, wenn der Edeka zu macht, ein anderer Markt rein kommen und nicht ersatzlos weg fallen."

„In der Erlenau gibt es auch eine Außenwohngruppe für behinderte junge Menschen. Sie können dort allein zum Einkaufen gehen, da sie sich in einem kleineren Laden viel besser zurechtfinden“, schließt sich dem auch Leserin Ramona an. „Außerdem liegt er in unmittelbarer Nachbarschaft, was ihre Selbständigkeit beim Einkauf fördert.“

Auch Gegenstimmen: Muss der Standort wirklich erhalten bleiben?

Doch nicht jeder will das Argument, das so ein Nahversorger in der unmittelbaren Nachbarschaft wegfallen würde, gelten lassen. „Was würden da Millionen von Menschen machen, die auf dem Land wohnen, viele, viele Kilometer vom nächsten Geschäft entfernt?“, merkt User „netznachricht“ in einem Kommentar unter dem Artikel an. „Dann muss halt jemand aus der Familie sich drum kümmern oder eine Nachbarschaftshilfe. Organisiert sind die ja in der Erlenau. Da gibt‘s ja sogar von der Stadt geförderte Projekte, gibt‘s auf dem Land alles nicht. Und trotzdem geht‘s. Oder Essen auf Rädern vom BRK, und ,und, und.
Also manchen gehts echt zu gut, wenn man solche Luxusprobleme hat!“

Vielfach wird zudem die Vermutung angeführt, dass wohl zu geringe Nachfrage der Grund der Schließung statt der vom Unternehmen angegebenen „neuen Perspektiven“ sei. Dem widersprechen andere Leser, die betonen, an der Nachfrage habe es keinesfalls gelegen beziehungsweise diese sei immer noch vorhanden. „Es haben genügend gekauft. Ich steh da länger in der Schlange, als bei einem Rewe“, merkt „urlaubfahrn" an.

Stadt Rosenheim kann vermittelnd tätig werden

Christian Berghofer ist unterdessen optimistisch, was den Erfolg der Unterschriftenaktion angeht. „Wir stimmen uns gerade noch mit Herrn Bürgermeister März für einen Gesprächstermin ab“, berichtet er. „Wir sind enorm zuversichtlich, dass sich da mit Unterstützung der Stadt eine Lösung finden lässt, wie der Supermarkt-Standort erhalten werden kann.“

„Die Stadt kann, sofern der Eigentümer dies wünscht, gerne vermittelnd tätig werden“, bemerkt Thomas Bugl, Pressesprecher der Stadt Rosenheim. „Schon jetzt gibt es in Quartieren der Sozialen Stadt Shuttle-Services für ältere oder behinderte Mitbürgerinnen und Mitbürger. Entsprechende Bedarfe im Quartier sind zu prüfen, sobald feststeht, wie die Zukunft des Nahversorgers aussieht.“

Auch in Mühldorf Schließung von zentralem Supermarkt

Auch andernorts sorgt eine Supermarkt-Schließung für Betrübnis. Mit dem Norma an der Luitpoldallee soll im Oktober der letzte Lebensmitteldiscounter in der Innenstadt von Mühldorf am Inn schließen. Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl sieht das mit Bedauern und Verwunderung.

Noch vor kurzem hat uns die Norma versichert, den Standort die nächsten vier Jahre erhalten zu wollen. Dass dieses Versprechen nun nicht eingehalten wird, überrascht mich sehr!“

hs

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