Nach positivem Test von Mitarbeiterin

So kämpft eine Wohngruppe in Rosenheim gegen „furchtbare Langeweile“ in Quarantäne

Wohngruppe Jugendliche Rosenheim Pang Oberkaltbrunn
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Die meisten Mitglieder der Wohngruppe aus Oberkaltbrunn, die nun für zwei Wochen in Quarantäne musste.

Rosenheim - Die Nachricht kam nicht vollkommen überraschend, sorgte aber dennoch für Aufregung und Unsicherheit: Nach dem positiven Corona-Test einer Mitarbeiterin mussten sich sieben Jugendliche einer Wohngruppe in Oberkaltbrunn samt Betreuern jetzt in eine 14-tägige Quarantäne begeben.

Es ist jetzt ‚erst‘ der dritte Tag, noch läuft es gut. Aber es wird bestimmt noch anders werden“, sagt Betreuerin Ann-Katrin Ißle am Freitagvormittag im Gespräch mit rosenheim24.de. Sie gehört zum „Quarantäne-Team“, das von der Einrichtung im Stadtteil Pang für den Fall der Fälle bereits vor Wochen vorausschauend gegründet wurde. „Quarantäne-Team“ heißt, dass Ann-Katrin Ißle sich zusammen mit ihrer Kollegin Ramona Tomm und insgesamt sieben Jugendlichen jetzt für zwei volle Wochen in der Einrichtung in Oberkaltbrunn, die von der Jugendhilfeeinrichtung „Startklar“ betrieben wird“, eingeigelt hat. 

Netflix und Basketball sollen helfen...

Dort betreuen die beiden die Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren jetzt rund um die Uhr. Alle sind nach dem positiven Test der Kollegin vom Gesundheitsamt als Kontaktpersonen der Gruppe 1 eingestuft worden. Glücklicherweise fielen die ersten Corona-Tests bei allen negativ aus. Aber um die Quarantäne, die seit Mittwoch, 11. November, läuft, kommt die Gruppe nicht herum - ein schwieriges Unterfangen, zumal die Jugendlichen oftmals aus schwierigen Verhältnissen kommen.

„Wir haben kurzerhand im Haus alles umgestaltet, um entsprechende Rückzugsorte für alle zu schaffen“, erzählt Ann-Katrin Ißle. Da niemand - außer in den einrichtungseigenen Garten - raus darf, wurde kurzerhand ein Netflix-Account eingerichtet oder ein Basketball-Korb gebaut. Zudem wollen die Jugendlichen jetzt Sprachen oder Gitarre spielen lernen - ob dies reicht, um alle in der schweren Zeit bei Laune zu halten, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Denn Schule oder Ausbildungsstätten und weitere soziale Kontakte sind für die Jugendlichen bis 24. November tabu.

WLAN, Zoom & Skype: So läuft der Kontakt zur Außenwelt

Um die „furchtbare Langeweile“ einzudämmen, wurde außerdem ein Instagram-Account eingerichtet, in der Betreuer und Bewohner in den nächsten Tagen über ihre Situation aktuell informieren wollen. „Wir würden uns sehr freuen, wenn uns zum Beispiel ein Fitnessstudio ein kostenloses Training via Zoom anbieten oder uns ein Bäcker ein paar Semmeln vorbeibringen würde“, so Ann-Katrin Ißle, die mit Ramona Tomm und den Jungs und Mädels kurzerhand einige „Corona-Regeln“ für die gemeinsame Quarantäne-Zeit erarbeitet hat. Einige Vorgaben wurden auch gelockert: So dürfen die Jugendlichen ihr Handy jetzt über Nacht behalten und auch das WLAN-Netz wird nicht - wie sonst üblich - zwischendurch abgeschaltet.

Die Betreuerinnen lobten ausdrücklich den Zusammenhalt zwischen „Quarantäne-Team“, anderen Kollegen, dem Träger und auch Eltern und Freunden, zu denen der Kontakt derzeit nur über Skype oder Zoom möglich ist: „Die unterstützen uns nach Kräften und kochen via Videoschalte von zuhause aus mit den Kids Lasagne oder backen Plätzchen.“ 

Die Kommunikation ist in dieser schweren Zeit auch besonders wichtig. „Damit kann man viele Probleme aus der Welt schaffen. Im Zweifel sollte man sich einfach mal eine Stunde aus dem Weg gehen“, betont Ann-Katrin Ißle, die hofft, dass alle gemeinsam die vielen noch folgenden Quarantäne-Stunden gut überstehen werden. Am Montag, 16. November, soll es für alle übrigens einen zweiten Corona-Test geben - die Quarantäne-Zeit kann damit aber leider nicht verkürzt werden, so viel ist jetzt schon klar...

Ihr wollt auch helfen?

Die Wohngruppe freut sich über Sachspenden oder sonstige Unterstützung sehr. Sie ist jederzeit unter Telefon 08031 / 288 717 oder per Mail (wg-rosenheim@startklar-soziale-arbeit.de) erreichbar. Zudem gibt es Einblicke und Informationen auch via Instagram.

mw

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