Wie geht es weiter im Rosenheimer Norden?

Gabriele Bauer: "Ein NVZ ist kein Hexenwerk"

"Wir werden das aber nicht ewig hinauszögern, sondern weiter unsere Entscheidungen treffen", so Gabriele Bauer am Dienstag in Bezug auf die Entwicklung im Rosenheimer Norden
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"Wir werden das aber nicht ewig hinauszögern, sondern weiter unsere Entscheidungen treffen", so Gabriele Bauer am Dienstag in Bezug auf die Entwicklung im Rosenheimer Norden

Rosenheim - Bogensiedlung, Hochschule, Nahversorgungszentrum. Nur drei Schlagworte, über die die Stadtverwaltung am Dienstag bei einer Informationsveranstaltung zum Rosenheimer Norden berichtete:

Wie sieht der aktuelle Stand der Planungen und die Perspektive für den Rosenheimer Norden derzeit aus? Dieser Frage ging Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer zusammen mit ihren Mitarbeitern aus der Stadtverwaltung, Helmut Cybulska, Robin Nolasco und Hans Joachim Stein, am Dienstag im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung nach.

"Niemandem ist daran gelegen, ein Chaos zu produzieren. (...) Was wir jedoch nicht tun werden ist, dass die Schwächsten auf der Strecke bleiben", verdeutlichte die Oberbürgermeisterin vor den Zuhörern im Hörsaal der Hochschule, und: "Ein NVZ ist kein Hexenwerk."

Aufteilung in drei Einzelmaßnahmen - Nahversorgung

Die Planungen im Rosenheimer Norden ließen sich grundsätzlich in drei Teilbereiche aufgliedern, so Robin Nolasco, der Leiter des Rosenheimer Stadtplanungsamts:

  • Marienberger Straße
  • Ebersberger Straße
  • Bereich Hochschulstraße / Lena-Christ-Straße

Quartiersübergreifend habe man dazu zunächst die Einzelhandelssituation in Rosenheim betrachtet. "Im Rosenheimer Norden ist ein Deutliches Potential und damit auch eine Lücke vorhanden. Das spricht deutlich für einen Standort an der Marienberger Straße", so Nolasco in seiner Betrachtung.

So könnte der Rosenheimer künftig aussehen

Verschiedene Einzelhandelskonzepte, unter anderem aus den Jahren 2006 und 2011, untermauerten diesen Aspekt. Seither sei die Nachfrage nach einem passenden Angebot sogar noch gestiegen. Zunehmende Ausweichbewegungen - und damit Verkehr in Richtung Aicherpark und Kufsteiner Straße - seien die Folge. Zur Entzerrung der Situation habe sich der Stadtrat bereits im Februar dafür ausgesprochen, ein Nahversorgungszentrum an der Marienberger Straße zu errichten.

Brennpunkt Verkehr im Rosenheimer Norden

Die Verknüpfung von Ebersberger Straße und Westerndorfer Straße

Um auch in Sachen Verkehr eine Entlastung für den Bereich zu bewirken, sei der Knoten Ebersberger Straße / Westerndorfer Straße neu überplant worden, so Hans Joachim Stein, der Leiter des Rosenheimer Tiefbauamts. Von Norden kommend sollen nun zwei Abbiegespuren an der Ampel nach links in Ebersbergerstraße den Verkehr deutlich entzerren, eine der Spuren soll zudem deutlich verlängert werden. Von Süden her soll eine Spur dann ausschließlich für Rechtsabbieger gebaut werden. Für Radfahrer soll ein eigener Streifen angelegt werden, zwei Fußgängerüberwege sollen die Strecken für Passanten kurz halten.

Die Vergrößerung des Knotenbereichs bedürfe eines Zukaufs von rund 800 Quadratmeter Fläche in diesem Bereich, so Stein weiter. Gespräche mit den Eigentümern seien bereits geführt worden. Zudem habe die Verwaltung bereits umfangreiche Verkehrssimulationen durchgeführt. Nach Bedenken, besonders in Bezug auf die Radwegführung, aus der Zuhörerschaft, ergänzte Helmut Cybulska, dass vor allem die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer verstärkt in die finale Planungen einfließen soll. Eine Abstimmung müsse dabei aber stets mit dem Bund als Baulastträger erfolgen.

Hochschule Rosenheim - Flächenbedarf und weitere Entwicklung

Auf dem Gelände der bisherigen Bogensiedlung soll eine Erweiterung der Hochschule entstehen

Als "Impulsgeber in der Region" und mit einem Campus als "Mittelpunkt des Lebens und Lernens", stelle die Hochschule im Rosenheimer Norden ganz besondere Anforderungen an die Planungsarbeit der Verwaltung, so Robin Nolasco weiter. Ziel sei dabei, eine kompakte Campus-Anlage, zusammen mit FOS und BOS, zu errichten. So werde sich das Areal im Bereich der Hochschulstraße und der Lena-Christ-Straße künftig stark verändern. Die in die Jahre gekommene Bogensiedlung soll überbaut werden, nördlich der Anlage sollen weitere Flächen für Wohnen und Freizeit reserviert werden.

Ein konkreter Zeitraum für die Umgestaltung könne derzeit noch nicht genannt werden. Fest stehe hingegen, dass für die entfallende Bogensiedlung neue Wohnanlagen im gesamten Stadtgebiet entstehen sollen. Im näheren Umkreis, im Rosenheimer Norden, sei eine Wohnbebauung am Mitterfeld, nördlich der Ebersberger Straße geplant. Im südlichen Bereich warte die Verwaltung derzeit noch auf die Präsentation eines Konzepts eines privaten Investors. Ein weiterer Standort für Wohnungen könne dann zusätzlich südlich des Campus und nördlich der Lena-Christ-Straße liegen.

Anwohnerstimmen, Bedenken und Diskussion

Mögliche Wohnbebauung an der Lena-Christ-Straße, südlich der Hochschule

Nach der Darstellung der weiteren Vorgehensweise durch die Verwaltung, erhielt das Publikum im Hörsaal das Wort. Neben Fragen zum allgemeinen Verständnis, widmeten sich die Planer aber auch konkreten Bedenken. Besonders der Radverkehr beschäftigte die Zuhörer merklich. Erneut versicherte Helmut Cybulska, dieses Thema verstärkt im Auge zu behalten.

Zum Thema Wohnungsbau erwiderte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer: "Innenverdichtung wirft immer neue Fragen auf. Wir gehen aber auch diesem Thema mit sehr großer Sorgfalt nach." Im konkreten Hinblick auf den Rosenheimer Norden verwies Bauer auf das komplexe Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Faktoren und die Bedarfe der verschiedenen Beteiligten.

"Wir werden das aber nicht ewig hinauszögern, sondern weiter unsere Entscheidungen treffen", so die Oberbürgermeisterin abschließend. Ein Bebauungsplan im Bereich des Knotens Ebersberger Straße / Westerndorfer Straße könne, wenn nötig, im Jahr 2017 aufgestellt werden, schätzte Helmut Cybulska. Mit einer Erweiterung der Hochschule rechne die Verwaltung hingegen erst in den Jahren 2020 bis 2022.

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