Freitag gab's gegrillten Hund in der Fußgängerzone

"Vegans of Rosenheim" zum PETA-Protest in Rosenheim

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"Wenn Sie keinen Hund essen würden, warum dann ein Schwein?", so die provokante Frage der Tierschutzorganisation.

Rosenheim - Die Tierschutzorganisation Peta möchte mit einer Schockaktion einen Denkanstoß für eine vegane Lebensweise geben.

Update, 29. Juli: Stellungnahme der Vegans of Rosenheim zum PETA-Protest in Rosenheim

Die Pressemitteilung im Wortlaut

Zehn unserer Aktivist*innen nahmen am Freitag an der Aktion des Freiwilligen PETA ZWEI Streetteams Rosenheim teil, bei der ein Hund in der Fußgängerzone als ‘Grillgut’ dargestellt wurde. Ziel war es, Menschen auf Speziesismus aufmerksam zu machen, speziell darauf, dass Gewalt gegen “Haustiere” abgelehnt wird, während allein in Deutschland jährlich über 760 Millionen sogenannter “Nutztiere” für den Fleischkonsum getötet werden. Darunter 50 Millionen Schweine, welche sogar intelligenter als Hunde sind.

Die Aktion dauerte von 15 Uhr bis 18 Uhr. Während sich in der ersten Stunde nur vereinzelte Gespräche gebildet hatten, waren in der restlichen Zeit alle Aktivist*innen fast durchgehend in Gesprächen. Aus Sicht der Vegans of Rosenheim war die provokative Kundgebung daher ein voller Erfolg.

Negative Kommentare gab es fast ausschließlich online. Nur vereinzelt hatten Passant*innen Einwände. Eine Frau sagte zum Beispiel, dass “Tiere [...] schon immer für den Menschen ausgebeutet” wurden, und dass es “vor hunderten Jahren [...] nicht anders möglich” war. Die Antwort eines Aktivisten war, dass es “heute aber ohne Probleme möglich [ist], ohne Tierprodukte zu leben”. Viele Passant*innen wurden (deshalb) auch auf das Programm bzw. die App Veganstart von Peta aufmerksam gemacht. Hiermit können Nutzer*innen 30 Tage lang herausfinden, wie es ist, vegan zu leben.

Überwiegend erhielten unsere Aktivist*innen positive Rückmeldung und Zuspruch für ihren Einsatz. Einige der Passant*innen leben bereits vegan oder vegetarisch. Wir danken vor allem den Menschen, die sich Gedanken zu dem Hintergrund der Aktion gemacht haben und sich entschieden haben, sich weiter zu informieren bzw. offen dafür waren, ihren Lebensstil zu ändern. “Ich hatte mit mehr Gegenwind gerechnet, vielleicht hat der Tönnies Skandal ja doch einige Menschen aufgeweckt. [...] Eine Mutter erklärte ihren zwei Kindern, dass alle Tiere fühlen und dass wir deshalb kein Tiere essen sollten. Normalerweise ist das andersherum”, so Alex Saalfeld, Teilnehmer der Aktion.

Vor der Aktion gab es Kritik von Josef Steingraber, dem Geschäftsführer des Bauernverbandes Rosenheim. Er würde keinen Hund essen, “einfach deshalb, weil [dieser] Fleischfresser ist” und dessen Fleisch damit Gefahren berge. Diese Aussage können wir so nicht nachvollziehen, da z.B. Schweine wie Hunde Allesfresser sind. Ohnehin sind wir der Meinung, dass die meisten Menschen Hunde aus einem anderen Grund nicht essen wollen. “Eine Passantin war den Tränen nah, das ist bestimmt nicht passiert, weil Hundefleisch ungesund wäre”, meint Alex Saalfeld.

Vegans of Rosenheim ist eine private Gruppe von Tierrechtsaktivist*innen aus Rosenheim und Umgebung.

Pressemitteilung Vegans of Rosenheim

Erstmeldung, 17. Juli 2020: Tierschützer mit Schockprotest in Rosenheim

Fleischkonsum in der Kritik

Spätestens seit demFleisch-Skandal um die Firma Töninies ist das Thema Fleischkonsum und Tierschutz wieder auf der Tagesordnung in der Bundesrepublik. Peta möchte das Thema mit einer Schockaktion in der Rosenheimer Innenstadt aufgreifen.

Die Tierschutzorganisation Peta sorgt mit ihren umstrittenen Aktionen immer wieder für Diskussionsstoff. Meistens möchten die Aktivisten mit Schockaktionen die Menschen zum Nachdenken bewegen. Bekannte Persönlichkeiten posieren oft nackt gegen die Tierhaltung in Zoos oder den Pelzhandel.

Auch in Rosenheim sorgt die Organisation immer wieder für Schlagzeilen, sei es mit Vorwürfen gegen lokale Unternehmen oder Aktionen in der Innenstadt

Peta plant Schockaktion in Rosenheim

Für den 17. Juli hat Peta nun wieder eine Aktion in der Rosenheimer Innenstadt geplant. Ab 15 Uhr sollen auf der Münchner Straße eine Hundeattrape auf einem Standgrill die Bürger der Stadt schockieren und zum Umdenken anregen. "Wenn Sie keinen Hund essen würden, warum dann ein Schwein?", so die provokante Frage der Tierschutzorganisation.

„Es macht keinen Unterschied, ob das Fleisch auf unseren Tellern von einem Huhn, Rind oder Hund stammt – denn alle Tiere leiden gleich“, so Jana Gall, Leiterin des Streetteam Rosenheim. „Mit unserer Aktion appellieren wir an das Mitgefühl der Menschen und möchten sie dazu animieren, anstelle der zerstückelten Teile einer Tierleiche lieber Gemüse oder Fleischalternativen auf den Grill zu legen.“


Fleisch ist ein "Klimakiller"

Die größten Probleme, die der Fleischkonsum verursacht, sind laut Peta nicht nur das große Leid der Tiere, sondern auch die damit verbundene Belastung des Klimas. "Der Konsum von Fleisch, Milch, Käse und Eiern verursacht zudem die größten Umweltprobleme unserer Zeit", so Peta in ihrer Pressemitteilung.

Steht der Mensch über allen Lebewesen?

Aber auch der sogenannte "Speziesismus" wird kritisiert: „Wir möchten die Menschen daran erinnern, dass Gewalt falsch ist – unabhängig davon, wer die Opfer sind. Ein Schwein oder ein Rind empfindet genau wie ein Hund Schmerzen, Angst und Freude und möchte leben. Es gibt zahlreiche vegane Alternativen, sodass kein Individuum für einen kurzen Gaumenkitzel leiden muss.“

Mit dem Fleisch-Skandal um die Firma Tönnies scheint Peta zumindest den Nerv der Zeit zu treffen. Ob der Protest Früchte oder Fleisch trägt, bleibt abzuwarten.

bcs

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