Umfrage in der Rosenheimer Innenstadt 

Passiver Impfzwang? Das sagen die Rosenheimer Bürger zur Aufhebung der Impfpriorisierung

Das sagen die Rosenheimer Bürger zur Aufhebung der Impfpriorisierung
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Das sagen die Rosenheimer Bürger zur Aufhebung der Impfpriorisierung. Auch Karl-Heinz Schulz äußert seine Meinung zu dem Thema.

Nach dem Impfgipfel am Montag (26. April) soll spätestens im Juni die Impfpriorisierung wegfallen, kündigte Kanzlerin Merkel an. Klar definierte Beschlüsse gibt es derzeit nur in Bayern. rosenheim24.de hat Passanten in der Rosenheimer Innenstadt dazu gefragt.

Rosenheim - Nach dem Impfgipfel am Montag (26. April) soll spätestens im Juni die Impfpriorisierung wegfallen, kündigte Kanzlerin Merkel an. In Bayern soll es ab Mitte Mai keine Impfpriorisierung mehr geben. Zweifach Geimpfte dürfen schon jetzt ohne benötigte Tests wieder Geschäfte besuchen oder zum Friseur gehen.

Die Beschlüsse werfen nun noch weitere Fragen auf: in welchem Ausmaß und für wen sollen diese Freiheiten nun etabliert werden? Werden Genesene oder negativ Getestete mit den Geimpften gleichgestellt? Zudem stellt sich die Frage, inwiefern ein passiver Impfzwang entstehen könnte, wenn ausschließlich geimpfte Personen ihre Grundrechte zurückbekommen. Bislang zeigen sich im Netz verschiedene Reaktionen. rosenheim24.de hat sich mit Passanten in der Fußgängerzone in Rosenheim unterhalten, um ihre Meinung zu hören.


Grundsätzlich sorgt die Aufhebung der Impfpriorisierung für positive Resonanz: ,,Also ich finde es gut, dass, solange genügend Impfstoff vorhanden ist, auch die jungen Leute geimpft werden’’, so Roland Keller. Solidarisch gegenüber der jüngeren Bevölkerung zeigt sich auch ein Karl-Heinz Schulz: ,,Ältere Menschen arbeiten nicht, zahlen keine Steuern und wurden bereits geimpft. Junge Menschen arbeiten und dürfen dann nicht geimpft werden. Die Aufhebung kommt meiner Meinung nach zu spät.” 

Ein weiteres Paar äußerte sich so: ,,Leute, die jetzt noch keine Möglichkeit hatten, sich impfen zu lassen, wie zum Beispiel eben junge Leute, finden das dann auch unfair, wenn wir Alten jetzt wieder Party machen können. Das ist nicht Sinn und Zweck.’’ Hermine, eine Passantin und bereits geimpft, räumt ein: ,,Mir ist es eigentlich so auch schon gut gegangen. Als Rentnerin ist das einfacher.”

Karl-Heinz Schulz möchte wieder ohne Probleme nach Österreich fahren können.

,,Wunsch nach mehr Freiheit‘‘

Von der Impfung versprechen sich die Bürger in erster Linie ausreichenden Schutz und ein Gefühl der Sicherheit gegen das Virus. ,,Wir erhoffen uns, geschützt zu sein. Das wir eben nicht krank werden und falls wir krank werden, dass es uns nicht so heftig trifft, dass wir auf der Intensivstation landen.’’ sagt ein Paar. Doch die Impfung gibt einen Lichtblick auf mehr Freiheiten und einen Schritt zurück zu ein bisschen mehr Normalität: ,,Ich freue mich besonders darauf, dass man einfach wieder in die Geschäfte darf, ohne das man einen Test braucht. Und dass man wieder verreisen darf.”, so Hermine weiter. ,,Einfach dass man mal wieder problemlos und ohne Test irgendwohin fahren kann, zum Beispiel nach Österreich, ohne dass da großes Hick-Hack ist.”

Für Geimpfte soll es künftig also mehr Freiheiten geben. Aber weil noch nicht allen Bürgern ein Impfangebot gemacht werden konnte, stößt man bei vielen auch auf Ärger. Zweifel an der Fairness der neuen Beschlüsse macht sich breit und man kritisiert das späte Handeln der Regierung. Ein Stück Freiheit und Grundrechte zurück - aber nur wenn man sich impfen lässt? Einige befürchten einen potenziellen Impfzwang durch die Hintertür, was auch bei den Ministerpräsidentenkonferenzen ein heiß umstrittenes Thema ist.

,,Passiver Impfzwang? In gewisser Weise ja!‘‘

Sollten ausschließlich bereits Geimpfte von den Lockerungen profitieren? ,,Schwer zu sagen, eigentlich sollte es nicht so sein. Weil bisher hatte nicht jeder die Möglichkeit geimpft zu werden, also sollte man solidarischerweise sagen: Es sollte für alle gleich sein, bis die Möglichkeit besteht, dass alle geimpft werden. “, so Maria, eine weitere Passantin in der Rosenheimer Innenstadt. Auf die Frage ob sie glaube, dass ein passiver Impfzwang entstehen könnte, räumte sie ein: ,,In gewisser Weise ja.”.
Karl-Heinz Schulz sieht das anders. ,,Warum sollten Geimpfte denn keine Vorteile genießen? Obwohl das normal für alle gelten sollte. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Jeder weiß wo er hingehen kann und wo nicht. Es liegt an jedem selbst.”

Ob überhaupt Unterschiede zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften tatsächlich entstehen, bleibt derzeit noch ungewiss. Zwar sagte die Kanzlerin bereits Geimpften wieder mehr Freiheiten zu, unklar ist jedoch, welche Grundrechte in Abwä­gung zur Gleichbehandlung von nicht-Geimpften Menschen die negativ Getesteten und Ge­nesenen zurück erhalten sollen. Die Passanten in der Rosenheimer Innenstadt sind sich trotzdem einig: Dass die Impfpriorisierung aufgehoben werden soll, ist demnach eine gute Sache.

Vorfreude auf eine Zeit nach Corona

Roland Keller und seine Frau freuen sich auf das Öffnen der Tanzschule.

Der Fortschritt im Impfprozess weckt aber auch Vorfreude auf eine Zeit nach Corona: ,,Am meisten freue ich mich darauf, dass die Tanzschule wieder öffnet! Das geht meiner Frau und mir bestialisch ab!’’ so Roland Keller. Andere freuen sich aufs Einkaufen gehen, ohne Termin und Tests, auf Urlaub oder einfach wieder gemütlich in einem Restaurant sitzen zu können: ,,Wir freuen uns besonders aufs Essen gehen und dass wir vielleicht wieder nach Südtirol fahren können.”, so ein Ehepaar.

Fazit

Die Rosenheimer Passanten sprechen sich also eher für die Beschlüsse der Bundesregierung aus, auch wenn hier und da noch Kritik geäußert wird. Besonders aber ist Hoffnung auf ein Ende der Pandemie und eine Rückkehr zur Normalität zu spüren.

sah/mk

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