Stadtrat verabschiedete das Umsetzungsszenario 2025 zur CO-2-Reduzierung

Diskussion über Utopien und Machbares

Rosenheim - Gewisse Skepsis, aber einhelliges Lob erntete das "Umsetzungsszenario 2025" der Stadtwerke vor dem Haupt- und Finanzausschuss. Nun stellte OB Bauer das Szenario auch dem Stadtrat vor.

Bereits im Haupt- und Finanzausschuss war das ehrgeizige "Umsetzungsszenario 2025" der Stadtwerke, bis dahin mindestens 40 Prozent der Emissionen aus Kaminen und Auspuffrohren gegenüber dem Jahr 2010 reduzieren zu wollen, trotz gewisser Skepsis über die Erreichbarkeit auf einhelliges Lob gestoßen. Jetzt stellte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer das Szenario dem Stadtrat vor.

Als erster Debattenredner gab Rudolf Hötzel, Fraktionsvorsitzender der Republikaner, zu bedenken, dass die Zielvorgabe doch reichlich hoch sei. Damit werde das Gremium über drei Legislaturperioden an dieses Ziel gebunden. Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Götz Brühl erläuterte dem Plenum, warum er dieses Ziel für durchaus realistisch halte. "Wir werden im nächsten Jahr unsere neuen Gasmotoren für Strom- und Wärmeerzeugung in Betrieb nehmen und den Fernwärmeausbau weiterbetreiben - das wird viel ausmachen." Große Einsparmöglichkeiten sehe er auch im Verkehr. "Letztendlich wird es aber auch eine Frage der Energiepreise im Jahr 2025 sein", so Brühl.

Gabi Leicht, Fraktionsvorsitzende der SPD, sprach auch von einem hochgesteckten Ziel, aber man dürfe es sich eben nicht zu einfach machen, wenn man etwas Großes erreichen wolle. Dazu müsse auch dieses Gremium umdenken. Für die Wählerinitiative WIR erinnerte Franz Weiland daran, dass noch 1986 die Abschaffung der Kernkraftwerke als Utopie angesehen worden sei und heute zur Realität werde.

Franz Lukas, Fraktionsvorsitzender der Grünen, erklärte, um dieses Ziel zu erreichen, müsse man dem Bürger den Nutzen des Konzeptes vermitteln. Wie Brühl bereits betont habe, liege auch im Verkehrsbereich ein hohes Einsparpotenzial. Das sei mit einem kostenlosen Stadtbusverkehr als attraktive Alternative zum Individualverkehr zu erreichen.

"Wir müssen aber auch das für alle Machbare im Auge behalten", schaltete sich die Oberbürgermeisterin kurz in die Diskussion ein. CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann erklärte, man stehe fraktionsübergreifend hinter dem, was die Stadtwerke vorhätten.

Sein Fraktionskollege Georg Kaffl erinnerte an die Arbeitskreise der Agenda 21 vor zehn, zwölf Jahren, in denen unter anderem dezentralisierte Hackschnitzelkraftwerke, zum Beispiel für die damals neu entstehende Siedlung im Mitterfeld, gefordert worden seien. Leider sei nichts daraus geworden. Es wachse immer noch im Wald mehr Holz nach, als verwertet werde, und er stehe "mit Herzblut" hinter diesem erneuerbaren Energieträger, was Kaffl den Beifall der Grünen einbrachte. Mit der Bemerkung, Stadtwerke-Chef Brühl sei ihm "zu gaslastig", beendete Kaffl sein Plädoyer für die Hackschnitzelverbrennungsanlagen.

Ihm antwortend, verwies Brühl darauf, dass die Holzvergasung, an der die Werke seit sieben Jahren forschen, einen höheren Energieertrag aus dem Holz erreiche als Verbrennung. "Wir wollten in diesem Jahr mit unserer Anlage 1000 Betriebsstunden erreichen, jetzt sind wir schon bei 3000", berichtete Brühl, "2013 gehen wir damit in den Dauerbetrieb."

Schließlich ließ die Oberbürgermeisterin über die Beschlussvorlage abstimmen, bis 2025 mindestens 40 Prozent CO2 einzusparen und dem Stadtrat über die Fortschritte jährlich einen Bericht vorzulegen. Das Gremium stimmte einstimmig zu.

hh/Oberbayerisches Volksblatt

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