Für Pendler, Angestellte und Kunden:

Wie viele Parkplätze braucht der Rosenheimer Bahnhof?

Rosenheim - Wie viele neue Parkplätze braucht es im Zuge der Neugestaltung des sogenannten Mobilitätsdrehscheibe im Zentrum der Stadt? Der Verkehrsausschuss gibt Antworten:

Die Planungen in Bezug auf die sogenannte "Mobilitätsdrehscheibe", die Neugestaltung des Rosenheimer Bahnhofs, sind in vollem Gange. Auf mehreren Baufeldern im nördlichen Bereich sollen künftig, zusätzlich zu einem regionalen Omnibus-Bahnhof, auch Flächen entstehen, die Betriebe aus den Bereichen Gewerbe, Medizin und Tourismus beherbergen sollen. Mit der Ansiedelung der Betrieben ergibt sich ein weiterer Bedarf: Parkplätze für Gäste, Kunden und Bedienstete. Im ohnehin schon dicht bebauten und beplanten Zentrum der Stadt Rosenheim keine einfache Aufgabe.

Wer, wie viele und wo?

Insgesamt sehe die Verwaltung aktuell einen Bedarf von 1.280 Stellplätzen. Nach ersten Schätzungen könnten 970 davon auf den Baufeldern selbst umgesetzt werden. 310 Parkplätze müssten also außerhalb entstehen.

"Grundsätzlich ist zu betrachten: Welche Nutzergruppen brauchen die neuen Parkplätze? In welchem Umfang müssen diese dann vorhanden sein? Und an welchem Standort können diese dann auch realisiert werden", stieg die Verwaltung der Stadt im Rahmen der Sitzung des Verkehrsausschusses am Montag Abend in die Diskussion um die neuen Parkplätze am Bahnhof ein. Da man schlicht nicht alle Wünsche im Bereich erfüllen könne, müsse bereits bei den Nutzern der Abstellflächen eine Priorisierung erfolgen, so die Argumentation der Beamten.

Besucher und Kunden der neuen Betriebe zuerst

An erster Stelle stünden daher die Besucher und Kunden der Betriebe, die neu auf den Baufeldern angesiedelt werden sollen. Neben der Anrechnung der Flächen als Stellplatznachweis für die Betriebe selbst, weise diese Nutzergruppe die wahrscheinlich kürzeste Verweildauer am Bahnhof auf.

Dahinter folgten die Beschäftigten der neuen Betriebe. Eine Abdeckung des Bedarfs müsse dabei zwingend auf den neuen Baufeldern am Bahnhof abgedeckt werden, notfalls auch in der direkten Nachbarschaft, in einem anderen, neu zu bebauenden Areal. Sowohl für die Kunden, aber auch die Beschäftigten der Betriebe sei ein Parkhaus mit rund 400 Stellplätzen auf den Baufeldern selbst denkbar.

An dritter Stelle in der Prioritätenliste kämen dann die Pendler an die Reihe. Neben dem bereits vorhandenen Raum an der Südseite des Bahnhofs im Bereich der Klepperstraße, müsse auch im Norden neuer Platz geschaffen werden. Die beiden Nadelöhre bei der Überquerung der Bahnlinie könnten so entlastet werden. Autos die aus dem Süden kämen, könnten weiter dort parken, Pendler-Fahrzeuge aus dem Norden fänden auf neuen Flächen Platz. Dazu sollten sowohl im Norden 100 neue P+R Plätze und im Süden zusätzliche 100 Flächen ausgewiesen werden. Hier seien Parkdecks zur Umsetzung des Bedarfs im Gespräch. Zusätzlich sei auch ein Parkhaus auf dem Gelände der Bahnmeisterei an der Gießereistraße denkbar. Hier müssten aber zuerst Gespräche mit der Deutschen Bahn geführt werden.  

Am niedrigsten bewerte die Stadtverwaltung Beschäftigte und Bewohner der Innenstadt. Die Stellplätze am Fahrbahnrand und in den Parkhäusern, die als Kurzzeitparkplätze und Bewohnerlizenzplätze bewirtschaftet werden, seien vollkommen ausreichend, so die allgemeine Ansicht. Mit einer Parkgebühr von um die 5 Euro pro Tag könnte hier ein Standort für rund 50 bis 100 Fahrzeuge aber zusätzliche Entlastung, auch bei den anderen Nutzern, bringen. 

Teils kontroverse Diskussion im Gremium

Gegenwind in Bezug auf die Aufstellung der Stadtverwaltung kam dabei am Montag Abend in erster Linie aus den Reihen der Grünen: "Mit dem neuen Parkraum schaffen wir nicht nur wieder mehr Bedarf. Zusätzlich locken wir auch mehr Individualverkehr in die Stadt", gab Franz Opperer von den Grünen am Montag zu bedenken. Er sprach sich deshalb eher für eine Reduzierung des Parkraums und für eine Stärkung des ÖPNV aus.

"Die Probleme der Pendler sind sehr individuell. (...) Trotzdem müssen wir versuchen, den öffentlichen Nahverkehr weiter zu stärken", versuchte dabei Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer eine Brücke zur CSU zu spannen. "Wir brauchen zuerst die Parkplätze, damit wir die Leute auch auf die Schiene bringen", hatte CSU-Sprecher Herbert Borrmann zuvor angemerkt. "Mehr Parkplätze bedeuten mehr Verkehr. Und am Ende mehr Staus zu Stoßzeiten", zeigte sich auch Peter Rutz von den Grünen skeptisch.

Ein geeigneter Takt, der den Flächenlandkreis Rosenheim mit der Stadt und somit der Drehscheibe im Zentrum verbinde, sei aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten schlicht nicht zu realisieren, summierte Gabriele Bauer abschließend. Mit zwei Gegenstimmen sprach sich das Gremium am Ende für die Planungen der Stadtverwaltung aus.

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