Lockdown und Coronapolitik - Sicht der Gastronomen 

,,Wer soll da bezahlen?‘‘ - Dinzler äußert sich zu Corona-Maßnahmen

Die Kaffeerösterei Dinzler bezieht in einem Schreiben Stellung zur aktuellen Corona-Politik.

Die Pressemeldung im Wortlaut

Rosenheim - Seit dem 2. November 2020 befindet sich das Land Bayern im sogenannten begrenzten Lockdown. Für den konkreten Fall der Dinzler Kaffeerösterei bedeutet dies, dass sich seit annähernd sechs Monaten etwa die Hälfte der Belegschaft in vollständiger Kurzarbeit befindet.

Auf substanzielle Lockerungen warten wir seitdem, Perspektiven liegen in weiter Ferne. Der jüngste Vorschlag, zumindest in Modellregionen eine Offnung nach dem Tübinger Modell zuzulassen, wurde Anfang April verschoben und wird seitdem nicht mehr thematisiert. 

Stattdessen versteift sich die Diskussion um mögliche Erleichterungen des gesellschaftlichen Lebens und dreht sich nur noch um den Inzidenzwert, der bekanntlich weder eine Aussage über das tatsächliche Infektionsgeschehen zulässt, noch einen objektiven oder vergleichbaren Wert darstellt, da er im Wesentlichen von der Testhäufigkeit abhängt. 

Weiterhin unberücksichtigt bleiben die tatsächlich seit Monaten bestehenden wirksamen Hygienekonzepte, die es aufgrund von objektiven Maßstäben wie Abstand, Maske und erhöhtem Desinfektionsaufwand unabhängig von Mutationen mit jedem Virus aufnehmen können.

Dagegen wird standardmäßig argumentiert, dass es ja im Kern darum gehe, die Mobilität der Menschen zu verringern. Funktioniert aber nicht, Ausflüge werden verständlicherweise trotzdem unternommen. Man trifft sich draußen oder privat, Verbote hin oder her, aber ohne die zusätzliche Kontrollinstanz z.B. eines Wirtes. Aber auch das Straßencafé, das im Wesentlichen die unmittelbare Nachbarschaft versorgt, muss, selbst im Außenbereich, geschlossen bleiben. Es soll wohl einfach keine rechte Lebensfreude aufkommen, nicht dass noch jemand übermütig wird.

Die Folge von kleinteiligen und übergriffigen Einschränkungen ist immer, dass der freiheitsliebende Mensch sich Schlupflöcher sucht. Dadurch erodiert das Vertrauen in staatliche Institutionen, aus dem gesellschaftlichen Miteinander wird ein Gegeneinander, Diffamierung in alle Richtungen wird betrieben. 

Die naheliegende Alternative sind lebensnahe Regelungen, die sich an objektiven Kennzahlen ausrichten und sinnlose Beschränkungen, die von der Bevölkerung nicht akzeptiert werden und eventuell grundgesetzwidrig sind, gar nicht brauchen. Dazu etwas Eigenverantwortung für den Bürger und die Gewerbetreibenden: dies würde die heimische Wirtschaft verantwortungsvoll stärken und den Bedarf an staatlicher Unterstützung verringern. Das erfordert aber politischen Mut, Kreativität und Augenmaß. Leider hat keine dieser Eigenschaften momentan Konjunktur. 

Budgetplanung in dieser Zeit? Zwecklos. Denn die Politik nimmt mittelständischen Unternehmern mit ihrer unsteten Haltung ständig den Wind aus den Segeln. Ganz anders handhabt das der Deutsche Bundestag, der die Planung eines milliardenschweren Erweiterungsbaus vorantreibt. Um Jupp Schmitz zu zitieren „Wer soll das bezahlen?“!

Pressemeldung Dinzler Kaffeerösterei

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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