Kadaver im künstlichen Stadtbach am Rosenheimer Ludwigsplatz

Gabriel (10) will keine toten Fische mehr sehen - und schreibt rührenden Brief an die Stadt

Zehnjähriger Bub fordert Lösung zu Fischsterben in Rosenheimer Bachlauf am Ludwigsplatz
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Der zehnjährige Gabriel aus Rosenheim hat sich mit einem Anliegen an die Stadt gewandt: Er möchte künftig nicht mehr, dass in dem künstlichen Bachlauf am Ludwigsplatz Fische verenden.

Rosenheim - Fische, die mit dem Bauch nach oben in der künstlichen Wasseranlage am Ludwigsplatz schwimmen: Dieses Bild geht dem kleinen Gabriel an die Nieren. Damit sich etwas ändert, setzt er alle Hebel in Bewegung - und fordert in einem eindringlichen Brief an die Behörden eine Lösung.

Gabriel liegen Natur und Tiere am Herzen und das zeigt er auch: Bereits mehrfach musste er Fische vor dem sicheren Tod retten oder gar Kadaver in dem Bächlein am Ludwigsplatz entdecken. Dem Zehnjährigen ist es ein Rätsel, wie die Fische überhaupt in den freigelegten Wasserlauf gelangen und sich so in Todesgefahr begeben - vor allem, wenn dort das Wasser abgestellt wird. Eine Lösung schien auf die Schnelle nicht in Sicht.

Fischsterben in künstlichem Bachlauf am Rosenheimer Ludwigsplatz: Bub fordert Verbesserung

Kurzerhand entschied er daher in der Sache selbst aktiv zu werden: Dadurch, dass Gabriel seine politisch aktive Mutter des Öfteren an Infoständen begleitet, hat er Politiker anderer Parteien und Gruppierungen kennengelernt - darunter Rosenheims Stadträtin Ricarda Krüger. Ihr schilderte er in einem handgeschriebenen Brief den Sachverhalt, den er gerne verbessert haben möchte.

Der künstliche Bachlauf am Rosenheimer Ludwigsplatz.

Das erste Mal im Juni diesen Jahres habe er drei kleine Fische aus dem Rinnsal vor der St. Nikolauskirche auf dem Ludwigsplatz retten müssen. Die Tiere seien „nicht mal mehr bis zur Hälfte mit Wasser bedeckt und drohten zu sterben“. „Gabriel fischte einen nach dem anderen heraus und rannte zum Riedergarten, um sie dort in den Bach frei zu lassen“, schildert die Mutter gegenüber rosenheim24.de. „Einige Wochen später haben wir einen etwa 35 Zentimeter langen Fisch aufgespießt an den Zacken der Zulaufstelle entdeckt und erst Ende August erneut einen toten Fisch aufgefunden.“

Den Brief sendete Gabriel an mehrere Stellen, darunter neben der Stadt Rosenheim auch an den Bund Naturschutz oder Greenpeace. Und er erhielt Antworten. Die V-Partei aus Rosenheim hat dem Ganzen sogar einen Facebook-Post gewidmet und antwortete Gabriel persönlich per Mail: „Wir finden es inspirierend, dass sich dieser Junge so für seine Mitgeschöpfe einsetzt und unterstützen dieses Anliegen. Es sollte uns alle zum Nachdenken bringen, dass die Jüngeren mehr Augen für ihre Umwelt haben und uns erst auf solche Umstände aufmerksam machen müssen.“

„Die Partei“ hat im Namen Krügers ebenfalls auf den Brief des Jungen reagiert und versprochen, bei der Kläranlage, die für die Wasseranlage zuständig ist, nachzufragen, wie es überhaupt sein kann, dass am Ludwigsplatz tote Fische angespült werden und wieso das Wasser regelmäßig abgedreht wird. Man sei „am ‚System Stadtbach‘ dran und überzeugt, hier eine fischgerechte Lösung zu finden“, bisher sei man aber „noch nicht recht weiter gekommen“. Notfalls soll Oberbürgermeister Andreas März ins Boot geholt werden. Erste Schritte eines entsprechenden Antrags an den Stadtrat seien bereits eingeleitet worden.

mb

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