Neuigkeiten aus dem Stadtrat:

Diskussionen um die Gestaltung des Bahnhofs

Rosenheim - Nach umfangreicher Beratung wurden die ersten Entwürfe für den künftigen Busbahnhof und den Südtiroler Platz im Stadtrat vorgestellt. Einigkeit über die Gestaltung herrschte nicht:

Im ersten Anlauf, genauer gesagt in der Februar-Sitzung des Rosenheimer Stadtrats, hatte Gabriele Bauer das Thema "Mobilitätsdrehscheibe Bahnhof" noch zurückgestellt. Nachdem sich der Ausschuss für Verkehrs-Fragen im Juli bereits intensiv mit dem Vorplatz und den angrenzenden Bereichen beschäftigt hatte, sollte in der Juli-Sitzung des Stadtrates nun das weitere Vorgehen abgesegnet werden. Dennoch regten sich in der vergangenen Sitzung Widerstände. Der Gegenwind kam dabei aus beinahe allen Fraktionen.

Der aktuelle Stand der Planung

Insgesamt 14 Haltebuchten, 4 davon für den Schienenersatzverkehr direkt an der Luitpoldstraße, 4 im südlichen Bereich zu den Gleisen hin und nochmal 6 Buchten an einer zentralen Insel, sollen am neuen Busbahnhofwestlich des Bahnhofsvorplatzes entstehen. Entgegen des ehemaligen Gewinner-Entwurfs aus dem durchgeführten Architekten-Wettbewerbs, favorisierte der vor-beratende Ausschuss eine zweigeteilte Glasüberdachung. Ursprünglich sah der Entwurf vor, alle Haltebuchten für Linienbusse großflächig zu überdachen. Vorrangig aus Kostengründen hatten sich die Mitglieder des Ausschusses für Verkehrs-Fragen jedoch gegen eine solche Lösung ausgesprochen.

Aufgrund von Unklarheiten , in welchem Umfang ein modifizierter Gewinnerentwurf von der Regierung von Oberbayern ähnlich hoch gefördert werden könnte, geht die Rosenheimer Stadtverwaltung derzeit bei der Berechnung der Kosten vom "worst case" aus: Bliebe für die Stadt bei einer Komplett-Überdachung des Busbahnhofs nach Abzug der in Aussicht gestellten Fördergelder ein Eigenanteil in Höhe von 3,83 Mio. Euro für das gesamte Projekt übrig, beliefen sich die Kosten für die zweigeteilte Alternative ohne Förderung auf 2,91 Mio. Euro. Sollten nach erfolgter, detaillierter Entwurfsplanung mehr Fördergelder in Aussicht gestellt werden, erspare sich die Stadt selbstverständlich zusätzliche Mittel, so die Verwaltung.

Fußgänger oder Autofahrer am Südtiroler Platz?

Auch die bereits im Ausschuss diskutierte Verkehrslösung mit Kurzzeit-Parkplätzen und geänderten Aufstellflächen für die Taxis am Bahnhof wurde erneut diskutiert. Rund 1.700 Stellplätze für Fahrräder, 50 Abstellflächen für Motorräder oder Roller und 47 Kurzparker-Flächen sollen entstehen. Die große Hainbuche, die die Bunker-Arbeiten gut überstanden hat, soll erhalten bleiben. Auch hier hat sich die Stadtverwaltung von der grundlegenden Idee des Architekten entfernt: So sah der Gewinnerentwurf einen weitestgehend verkehrsfreien Vorplatz vor. In der Detailplanung wolle man dennoch prüfen, inwieweit Grünflächen in die Gestaltung einbezogen werden könnten. Eine Steigerung der Aufenthaltsqualität soll dabei ebenso verfolgt werden wie eine funktionelle Mischung aus Fußgänger- und Auto-Verkehr.

Die Bedenken aus dem Gremium

Aus dem Lager der Freien Wähler ergriffen vermehrt Fraktionssprecher Robert Multrus und Christine Degenhart das Wort. So gab Multrus zu bedenken, dass Mehrkosten in Höhe von 800.000 Euro in Hinblick auf gestalterische aber auch funktionale Aspekte durchaus in Kauf genommen werden könnten. Er verwies dabei auf die geplante, moderne Bebauung des Umfelds und die Tatsache, dass der Busbahnhof im Winter leichter Schnee und Matsch-frei gehalten werden könnte. Christine Degenhart kritisierte dagegen, dass man sich mittlerweile doch sehr stark vom Gewinnerentwurf entfernt habe.

Besonders die Breite der Glasflächen wurde durch alle Fraktionen angesprochen. Es müsse sichergestellt werden, dass die Fahrgäste am neuen Busbahnhof auch bei schlechtem Wetter trocken in die Busse einsteigen könnten. Eindeutig ein Fall für die Detailplanung bekamen die Stadträtinnen und Stadträte dabei aus der Verwaltung zu hören.

Robert Metzger begrüßte den Vorschlag zur Überdachung aufgrund der "knappen Kassen" in Rosenheim, gab jedoch zu bedenken, ob sich der Umfang an Kurzzeitparkplätzen im Bereich angemessen gestalte. "Zusätzliche Baumfällungen sind nicht notwendig", so der SPD-Sprecher, weniger Parkplätze würden durchaus ausreichen.

"Wir stehen gerade vor der Herausforderung, das Optimum auf dem Platz zu erreichen, und das zu einem Preis, den wir uns auch leisten können", fasste Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer die Diskussionen zusammen. Rückendeckung erhielt Bauer vom CSU-Fraktionssprecher Herbert Borrmann, der sich im Namen seiner Fraktion hinter die Planungen der Verwaltung stellte.

Wie geht es weiter am Bahnhof?

Mit insgesamt vier Gegenstimmen aus den Reihen der Freien Wähler sprach sich das Gremium am Ende für eine zweigeteilte Überdachung aus. In der Detailplanung sollen nun die Feinheiten weiter gestaltet werden. 16 Stadträte, unter anderem die SPD und die Grünen-Fraktion sprachen sich gegen die vorgeschlagene Verkehrslösung aus, unterlagen dabei jedoch der Mehrheit mit 26 Stimmen. Mit der Idee, dass für die Planung des neue Fahrradparkhaus ein gesondertes Büro beauftragt werden soll, konnte sich hingegen der gesamte Stadtrat abfinden; diese Entscheidung fiel einstimmig.

Neben der Detailplanung und der Projektgenehmigung, die im dritten Quartal 2015 abgeschlossen sein soll, rechnet die Verwaltung mit einer Fertigstellung im Frühjahr 2017. Zuvor müssen im gesamten Bereich jedoch wieder, wie auch im angrenzenden Gebiet bereits geschehen, Kampfmittelräumungsarbeiten stattfinden. Auf dem Plan steht dann der gesamte Bereich des künftigen Busbahnhofs bis hin zum ehemaligen Oberbahnamt.

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