Rosenheimer Bestatter erzählen

Warum während der Corona-Pandemie Angehörige von Verstorbenen noch mehr leiden

Mit Schutzausrüstung am Sarg: Strenge Hygienevorschriften zum Schutz vor Infektionen sind ein täglicher Begleiter für die Rosenheimer Bestattungsunternehmen.
+
Mit Schutzausrüstung am Sarg: Strenge Hygienevorschriften zum Schutz vor Infektionen sind ein täglicher Begleiter für die Rosenheimer Bestattungsunternehmen.

Der Tod ist ihr täglicher Begleiter und sorgt in Zeiten von Corona für viel Arbeit bei den Bestattungsunternehmen in Rosenheim. Während die Handhabung mit den infizierten Verstorbenen kaum Schwierigkeiten bereitet, leiden die Bestatter auf andere Weise unter den derzeitigen Restriktionen.

Rosenheim – Strenge Hygienevorschriften und die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod sind schon vor Zeiten von Corona das alltägliche Geschäft der Rosenheimer Bestattungsunternehmen. Durch die aktuelle Krise hat sich die Arbeit dennoch grundlegend geändert. Der gesamte Ablauf wird durch die Corona-Maßnahmen erschwert. Vor allem die Begleitung der Hinterbliebenen stellt die Mitarbeiter vor große Herausforderungen und sorgt für Frust bei den einheimischen Bestattern.

Keine Bestattung ohne Hygienekonzept

„Der Job ist für uns schon etwas komplizierter geworden und sorgt seit Januar für eine Menge Arbeit“, stellt Bestatter Franz Engel fest. Der Mitarbeiter des Rosenheimer Bestattungsunternehmens Hartl beunruhigt das jedoch nicht. Er kennt die Schwankungen der Totenzahl seit Jahren, weshalb ihm der Anstieg der an Corona Verstorbenen nicht aus der Fassung bringt. Auf eine strenge Hygiene sei man schließlich ohnehin schon immer eingestellt, wenn man sich um Körper mit ansteckenden Krankheiten kümmert. Mit Schutzanzügen und genügend Abstand zu den Angehörigen wäre der reine Arbeitsvorgang daher kein Problem. Viel mehr ist es laut Engel der Beistand für die Kunden, der aufgrund von Corona schwieriger ist als zuvor.

Der Umgang mit den Hinterbliebenen bereitet auch Lothar Wayrauther, dem Geschäftsführer der Bestattungen Schmid, die meisten Sorgen. „Beschränkungen bei der Trauerfeier, leer stehende Verabschiedungsräume und Beratungen über das Telefon sind einfach keine Alternative.“ Die Leute, die gerade einen Todesfall zu betrauern haben, werden demnach mehr oder weniger alleine gelassen, was zu einer enormen psychischen Belastung werden kann. Bei einem Corona-Fall könne man nicht einmal mehr die Hand reichen, da die nahestehenden Personen des Verstorbenen automatisch als Risikogruppe gelten.

Wartezeiten bei Rosenheimer Bestattern größtenteils ausgeschlossen

Dieser Umstand sei daher ein viel größeres Thema als die Abholung oder Unterbringung der Toten. „Wir Bestatter können damit umgehen und machen unseren Job mit und ohne Corona“, meint Wayrauther. Von ewigen Wartelisten oder sich stapelnden Leichen könne daher keine Rede sein. In dieser Hinsicht solle man die Kirche im Dorf lassen.

Lesen Sie auch:

Astrazeneca: Dritter Corona-Virus-Impfstoff in der EU zugelassen – auch für Ältere

Nichtsdestotrotz lässt sich laut dem Geschäftsstellenleiter des Bestatterverbandes Bayern, Jörg Freudensprung, mittlerweile eine Zunahme an Todesfällen im Landkreis feststellen: „Das ist zumindest mein Gefühl. Als Bestatter hinkt man immer ein bisschen hinter den hohen Infektionszahlen her, da man ja nicht sofort an Corona stirbt.“ Mittlerweile höre man aber schon immer mehr von Leuten, die wegen Corona bestattet werden müssen.

Besorgung von Papieren dauert

Gerade bei kleineren Betrieben sorge das Virus außerdem dafür, dass man vorübergehend schließen muss, wenn die Mitarbeiter trotz Schutzmaßnahmen zu viel Kontakt mit einem Infizierten gehabt haben. Auch das logistische Prozedere dauert laut Freudensprung gerade etwas länger, da die Bearbeitung der nötigen Papiere aufgrund von Unterbesetzung in den zuständigen Ämtern länger dauert als sonst.

In einem sind sich die Rosenheimer Unternehmen aber einig: Einen Bestatter zu finden, wenn man ihn benötigt, wird nach wie vor problemlos möglich sein. Auch wenn die persönliche Beratung derzeit schwieriger ist als gewöhnlich, versuchen die Bestatter, eine coronakonforme Trauer zu ermöglichen. Die Unternehmen hoffen zudem darauf, die Hinterbliebenen bald wieder besser auf ihrem schweren Weg begleiten zu können.

Kommentare