Auch Gewerkschaft äußert sich kritisch zu Maßnahmen an Schulen

Rosenheimer Schüler: „Waren wie Versuchskaninchen der gefährlichen Lage ausgesetzt“

Der FOS/BOS Schüler Jonas B. aus Rosenheim kritisiert die Corona-Vorgehensweise der Regierung an Schulen
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Der FOS/BOS Schüler Jonas B. aus Rosenheim kritisiert die Corona-Vorgehensweise der Regierung an Schulen

Rosenheim/Wasserburg - Der Corona-Shutdown betrifft auch Schulen und Kitas. Die richtige Entscheidung? Zwei Schüler aus der Region und die GEW haben dazu eine klare Meinung.

„Endlich! Die Bundesregierung hat heute, am Sonntag, den 13. Dezember 2020 mit den Ministerpräsidenten und -präsidentinnen nach einer sehr schnellen Entscheidung weitere, schwerwiegendere Maßnahmen verkündet“, sagt Jonas B., Schüler der FOS/BOS Rosenheim. „Der Lockdown wird kommen und das bis mindestens 10. Januar 2021. Und ich glaube auch nicht, dass es dann damit nach wenigen Wochen gut ist. Gut ist aber, dass er endlich kommt, denn es war furchtbar nötig!“

Schule in Zeiten von Corona - Schüler kritisiert Vorgehensweise

Er kritisiert vor allem, dass der Präsenzunterricht vor dem harten Lockdown weitergeführt wurde und spricht vom „Praxismonster Präsenzunterricht, dem Chaos, dem bayerische Schulen auf ministeriale Weisung ausgesetzt wurden und uns Schüler, die wir wie Versuchskaninchen der gefährlichen Lage ausgesetzt waren und nur leere Versprechungen bekamen und bekommen.“ Für die Zeit nach dem Lockdown müsse man sich ernsthaft die Frage stellen, ob dann Präsenzunterricht wirklich das Mittel der Wahl sei.

„Dieses Chaos, was der Präsenzunterricht mit seiner unklaren Ankündigung und Folgen, wie massenhaft Quarantäne durch um sich greifende Infektionen angerichtet hat, aber auch durch die begrenzten Möglichkeiten, diesen Corona-konform umzusetzen, hat uns als Schulgemeinde nachhaltig geschadet“, so der 13.-Klässler. Er appelliert daran, den Lockdown zur Einführung von effektiven Maßnahmen zu nutzen, damit sich das Chaos von jetzt nicht widerhohle.

„Sind sehr in den Zensuren abgerutscht“

Der Hybridunterricht, der nach Jonas Aussagen an der FOS/BOS Rosenheim recht gut lief, sei nötig gewesen. Der Schüler betont in dem Zusammenhang aber: „Völlig seines Sinnes enthoben, wird er aber, wenn man in der online-Phase doch ständig für Leistungsnachweise in die Schule fahren muss. Aber sind wir ehrlich, so gut online-Unterricht auch funktionieren mag, so sehr leidet dennoch die Lernqualität massiv. Wir, meine Klasse und ich, haben festgestellt, wie sehr wir dadurch in den Zensuren abgerutscht sind.“

Ins selbe Horn bläst auch ein Schüler der 13. Jahrgangsstufe der Wasserburger FOS: „Meine Mitschüler und ich sind seit fünf Wochen im Distanzunterricht, angeordnet vom Schulamt, da der Mindestabstand nicht gegeben war. Nun heißt es seit 9. Dezember, alle Abschlussklassen müssen sich wieder in den Präsenzunterricht begeben und alle Leistungsnachweise werden wie geplant geschrieben. Der Mindestabstand wird hier nicht beachtet, der vor fünf Wochen noch der Grund für den Distanzunterricht war. Des Weiteren steht im offiziellen Rundschreiben geschrieben, dass selbst wenn der Inzidenzwert über 200 fällt, der Präsensunterricht weiterhin statt findet. Für mich klingt das wie ohne Rücksicht auf Verluste.“

GEW übt ebenfalls Kritik

Auch aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern (GEW) ist es nicht gelungen, „ein einheitliches und nachvollziehbares Konzept zu entwickeln, das planbares Unterrichten ermöglicht. Aus diesem Grund müssen nun weitere Maßnahmen, wie das Aussetzen von Leistungsnachweisen und Prüfungen umgesetzt werden“, so die Gewerkschaft. Seit Beginn des Schuljahrs arbeiten die Schülerinnen und Schüler mit Masken, was ein normales Miteinander verhindere und die Konzentrationsfähigkeit einschränke. Außerdem drohen spätestens seit Oktober immer wieder Schulschließungen oder Teilungen von Klassen, wie sich jetzt bestätigt hat. Dies macht einen verlässlichen und planbaren Unterricht kaum möglich.

„Daher kann es nicht sein, dass von den Kindern und Jugendlichen Leistungsnachweise und Abschlussprüfungen in derselben Form wie die Jahre zuvor verlangt werden. Leistungserhebungen belasten Kinder wie Jugendliche erheblich mehr als in normalen Jahren, da sie durch die unsichere Lage ohnehin unter Stress stehen. Es muss sich jetzt endlich was ändern“ sagt Ruth Brenner, Mitglied im Hauptpersonalrat und selbst Lehrerin.

Die Gewerkschaft betrachtet es als eine unzumutbare Situation für die Schülerinnen und Schüler, dass ständig Schulschließungen und Quarantäne drohen und dennoch in jeder Woche etliche Leistungsnachweise angesetzt werden. Ein weiteres Problem gestaltet sich für die Schüler*innen, die in Quarantäne sind oder waren. Bei einer Abwesenheit von mehreren Wochen kann von Chancengleichheit nicht mehr gesprochen werden.

jb

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