Rund 173.000 Euro an Kosten und Probleme mit vorgegebenen Zeiträumen

Rosenheimer Grünflächenamt mit Vorschlag: Bald nur noch ein Abholtermin für Gartenabfälle?

Zweimal im Jahr sammelt die Stadt Rosenheim Grünschnittabfälle. Zumindest für das Frühjahr könnte damit ab 2022 Schluss sein. Dann müssten Rosenheims Gartenbesitzer ihren Müll selbst zur Deponie bringen.

Rosenheim – Im Frühjahr wie auch im Herbst sind Mitarbeiter des Rosenheimer Grünflächenamts unterwegs, um Blätter und Äste aus den privaten Gärten der Bürger einzusammeln. Die Behörde scheint sich indes mit mehreren Auswüchsen des städtischen Angebots plagen zu müssen.

Denn: Nicht nur private Gartenbesitzer, sondern auch Gewerbetreibende nutzen offenbar die kostenfreie Abholung von Blättern und Ästen. Das zumindest vermutete Amtsleiter Ralf Seeburger – auch, weil die Mengen an abzufahrenden Grünschnitt in Summe merklich über den zulässigen Kubikmeter privaten Unrates hinausgingen.

Öffentliche Termine nur als Beiwerk

Seit über 20 Jahren sind die Mitarbeiter des Grünflächenamts unterwegs, um die Gartenabfälle der Rosenheimer einzusammeln. Ein System, das der Stadt „nur bedingt lieb, aber teuer“ sei. Rund 86.000 Euro veranschlagt Rosenheim jedes Jahr für den Service – als Abschlag. Welche Summe am Ende tatsächlich für die Gebührenzahler 2020 unterm Strich steht, kann das Amt freilich erst nach den Sammlungen berechnen. Und diese Kosten nähmen kontinuierlich zu, parallel zur Menge der Abfälle, sagte Seeburger.

Gartenabfälle stapeln sich

Rund 173.000 Euro hätten die Gebührenzahler für den Service berappen müssen – egal ob Gartenbesitzer oder nicht. Doch nicht nur die Kosten für die Abfuhr seien Grund, warum sich seine Behörde seitens der Stadträte wünscht, dieses Angebot einzuschränken.

Viele Bürger hielten sich nicht an die vorgegebenen Zeiträume, wenn sie ihren Grünschnitt vor ihren Häusern ablegten. „Wir haben die Situation, dass die veröffentlichten Termine nur noch als Beiwerk wahrgenommen werden“, klagte der Chef des Grünflächenamts. Infolge stapelten sich die Gartenabfälle oft auf öffentlichen und privaten Flächen: vor und nach den angekündigten Abholterminen.

Wir haben die Situation, dass die veröffentlichten Termine nur noch als Beiwerk wahrgenommen werden

Ralf Seeburger, Chef des Rosenheimer Umwelt- und Grünflächenamts

Müll direkt zum Wertstoffhof bringen

Seeburgers Vorschlag: Die Abholung im Frühjahr soll entfallen. Auch, weil das Angebot im Herbst vergleichsweise besser angenommen werde. Stattdessen sollten Gartenbesitzer ihren Müll direkt zum Wertstoffhof bringen und dort kostenfrei entsorgen.

Allein die Vertreter von und CSU und SPD konnten sich mit dem Plan des Grünflächenamts anfreunden. „Wir können uns schon vorstellen, dass man die Sammlung auf den Herbst beschränkt“,sagte CSU-Ausschussmitglied Dr. Wolfgang Bergmüller.

Zur Bedingung hierfür machte er jedoch: Die Stadt müsse Großcontainer für den Grünschnitt aufstellen. Auch die SPD-Stadträtin Elisabeth Jordan gab zu erkennen, dass sie sich vorstellen könne, Grünabfälle nur noch einmal pro Jahr abholen zu lassen.

Freie Wähler/UP: „Kein Luxusangebot“

Auf weniger Gegenliebe stieß der Vorschlag bei den Freien Wählern/UP. „Das ist kein Luxusangebot“, fand deren Vertreter Markus Dick. Zumal auch Rosenheimer ohne Garten, vom Anblick eines gepflegten Nachbargartens profitierten.

Die Grünen-Stadträtin Daniela Dieckhoff schloss sich der Auffassung ihres Ausschusskollegen an und plädierte, es bei zwei Abholungen pro Jahr zu belassen. Die bislang aufgestellten Container zur Entsorgung von Grünschnitt seien zu klein bemessen, die Abfälle beim Abholsystem zudem sortenreiner.

Entscheidung im Sommer

Schlussendlich konnte sich die CSU mit ihrem Vorschlag durchsetzen: Sollte Rosenheim künftig darauf verzichten, die Gartenabfälle seiner Bürger im Frühjahr abzuholen, müssten zumindest Großcontainer, verteilt über das Stadtgebiet, den Bürgern ermöglichen, ihren pflanzlichen Unrat dort entsorgen zu können.

Gegen vier Gegenstimmen der Grünen und der Freien Wähler/UP beauftragten die übrigen sieben Mitglieder des Umweltausschusses die Verwaltung, hierfür ein Konzept auszuarbeiten. Im Sommer will das Gremium endgültig beschließen, ob man das Angebot reduziert und auf ein neues System umsteigt.

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