Click&Collect

Rosenheimer Händler sind trotz Verkäufen von der Politik enttäuscht

Seit Anfang Januar lässt Bayerns Staatsregierung das „Click&Collect“ zu, doch die Umsatzeinbußen kann das Abhol-Angebot nicht ausgleichen.
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Seit Anfang Januar lässt Bayerns Staatsregierung das „Click&Collect“ zu, doch die Umsatzeinbußen kann das Abhol-Angebot nicht ausgleichen.

Seit Anfang Januar ermöglicht auch Bayern Geschäften das Prinzip „Click&Collect“, bestellen und abholen. Für Rosenheims Einzelhändler bedeutet dies zum einen Hoffnung. Denn gerade die Stammkundschaft hält den Geschäften offenbar die Treue. Aber die erlittenen Umsatzeinbußen kann diese Möglichkeit freilich nicht ersetzen.

Rosenheim – „Wir verkaufen schon etwas. Aber das reicht lange nicht, um kostendeckend zu Arbeiten“, klagt Stefan Glockner, Inhaber von Böck Herrenmoden sowie „Marc‘o‘Polo Men und Women“ in Rosenheim. Ja, die Leute kämen in seine Geschäfte. Doch wesentlich für den Modehändler ist doch etwas anderes: Wann endet der Lockdown endlich? Und vor allem: Kommen danach auch wieder Besucher in die Stadt?

Ermutigende Erfahrungen

Denn dass die Zahl jener, die durch Rosenheims Zentrum flanieren, mit dem jüngsten Lockdown zusehends versiege, dokumentierte jüngst die Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling. Demnach sei der Passentenstrom im März gegenüber Januar 2020 um mehr als 50 Prozent eingebrochen. Im April 2020 belief sich der Rückgang gegenüber dem ersten Monat des Jahres sogar auf 64,8 Prozent.

Viele Kunden halten die Treue

Für Glockner brauche es ganz klar eine Perspektive, eine Öffnungsstrategie. Er zumindest sei von der Politik maßlos enttäuscht. Nicht nur im Blick auf das fehlende Licht am Ende des Lockdown-Tunnels. Auch der Umstand, dass die Impfstoffversorgung nur schleppend vorankomme hinterlasse bei ihm den Eindruck, man lebe in einem Drittweltland.

Auf der anderen Seite gibt es mit „Click&Collect“ auch ermutigende Erfahrungen. „Es melden sich ganz viele Kunden, auch Stammkunden“, berichtet Karin Michalzik von Unterwäsche- und Bademodengeschäft „In.ti.mi“. Sie verkaufe derzeit vorwiegend Nachtwäsche und damit nur einen Teil ihres Sortiments.

Unterm Strich mache der Umsatz derzeit nur 20 Prozent dessen aus, was in normalen Zeiten über die Ladentheke gehe. Wichtig ist für Michalzik aber dennoch der Eindruck: Ihre Kunden wollten gezielt in Rosenheim einkaufen, um den stationären Einzelhandel dort zu unterstützen, und vor allem: zu halten.

Konzepte, die Verbraucher verstehen

„Als Händler in dieser Kleinstadt muss man dankbar sein, dass wir uns hier so viele Kundenkontakte und Treue aufbauen konnten“, sagt die Inhaberin. Auch Karl-Georg Reindl, Inhaber des gleichnamigen Rosenheimer Schuhhauses, kann mit „Click&Collect“ nur einen Bruchteil seines normalen Umsatzes einfahren.

Für ihn zumindest habe sich das Konzept bewährt, seine Ware nummeriert in den Schaufenstern seines Ladens auszustellen. „Das versteht der Verbraucher“, ist sich Reindl sicher. Hinzu komme, dass die Aktion in sozialen Medien mitunter von deren Mitgliedern gehypt werde und damit entsprechende Verbreitung finde.

„Besser als nichts“

Auch in der Buchhandlung Beer von Brigitte Wagner kann „Click&Collect“ längst nicht die Einnahmen ersetzen, die durch die Corona-Beschränkungen weggefallen sind. Dennoch „Es ist besser als nichts“, meint Wagner.

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Bislang behalf sich die Buchhändlerin damit, dass sie bestellte Bücher an ihre Kunden auslieferte. Die Nachfrage hiernach zumindest habe merklich nachgelassen. Wohl auch, weil ihre Kunden noch Termine in der Stadt wahrnähmen und bei dieser Gelegenheit ihre Bücher abholten.

Kritik vom City- und Stadtmarketing

Doch die Kritik am Vorgehen der Politik bleibt. „Niemand kann verstehen, warum sich die Menschen am Samstag durch volle Supermärkte am Stadtrand drängen müssen, aber die Innenstadtunternehmen, trotz bester Hygienekonzepte, geschlossen bleiben müssen“, moniert Klaus Stieringer vom Berufsverband City- und Stadtmarketing Bayern.

Soweit die Bayerische Staatsregierung lediglich einen Lockdown an den nächsten hänge, ohne Perspektive für eine Wiedereröffnung der Unternehmen zu präsentieren, verlören Bayerns Kommunen den Wettbewerb gegen den Online-Handel endgültig.

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