Schließungen wegen Corona

Rosenheimer Kneipenbesitzer wehren sich gegen Vorwürfe eines Kollegen: „Wir alle sitzen in einem Boot“

Wehrt sich gegen das Schlechtreden seiner Zunft: Der Inhaber der Tatis Bar, Tom Ottisch.
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Wehrt sich gegen das Schlechtreden seiner Zunft: Der Inhaber der Tatis Bar, Tom Ottisch.

Anfang Januar wandte sich der Rosenheimer Gastronom Toni Sket in einem offenen Brief an den Gastronomieverband Dehoga. Sein Vorwurf: Speise- und Vergnügungsgaststätten würden in einen Topf geworfen. Und gerade Letztere seien mitverantwortlich, dass er habe schließen müssen. Nun kommt die Antwort einiger Besitzer von Clubs und Bars.

Rosenheim – Durch die Blume meint Sket: Die Bars und Kneipen hätten mit dazu beigetragen, dass inzwischen nicht nur sie sondern auch Betriebe wie Skets Gasthausl hätten schließen müssen. Betreiber einiger Rosenheimer Vergnügungsgaststätten reagieren nun auf diesen Vorwurf – ebenso öffentlich. Auf Facebook äußern sich die Rosenheimer Gastronomen Franz Fischer und Alexander Stöhr (Nerdz), Tom Ottisch (Tatis Bar), und Marco Koob (Wuild Club). „Es ist absolut verständlich, dass Toni mit der momentanen Situation unzufrieden ist. Allerdings können wir und unsere Kollegen der Nachtgastronomie seine Behauptungen in dieser Form nicht stehen lassen“, schreiben sie auf dem sozialen Netzwerk.

Weit von der Wahrheit entfernt

Konkret stört die Wirte Skets Aussage, Speiselokale und Nachtgastronomie würden in einen Topf geworfen. „Er wird nicht müde, diese Behauptung permanent als Grund für die Schließung seines Betriebes anzuführen. Allerdings könnte nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein“, schreibt Ottisch. Zu Beginn der Pandemie habe man die Nachtgastronomie sofort als „schwarzes Schaf“ identifiziert und geschlossen: „Keine Diskussion, kein Dialog, kein Erlebnis, mit Hygienekonzepten nachzubessern, keine angepassten Überbrückungshilfen. Nachgasttronomen vermisst ja keiner. Wen juckt‘s, wenn die Insolvent gehen – das ist zumindest unsere Einschätzung.“

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Nicht mit Finger auf andere zeigen

Abgesehen davon, dass Skets Ausführungen in Bezug auf die Nachtgastronomie vollkommen aus der Luft gegriffen seien, sei es seinerseits eine „bodenlose Unverschämtheit“, permanent gegen die eigenen Kollegen zu schießen. „Wir sitzen in dieser Krise alle im selben Boot und müssen die (zugegebenermaßen diskussionswürdigen) Entscheidungen von Bund und Ländern aushalten. Da hilft es niemandem, mit dem Finger aus die eigenen Leidensgenossen zu zeigen“, schreiben die vier Lokalbetreiber.

In seinem offenen Brief an den Gaststättenverband Dehoga hatte Toni Sket moniert, dass Vergnügungs- und Speiselokale ohne guten Grund in Sachen Öffnungsverbot gleich behandelt würden. In seinem Brief definierte er Vergnügungsgastronomie wenig schmeichelhaft als „alle Arten von Bars, Stehausschank, Discos, Tanzlokale, Feierabendbars – die gesamte Bussigesellschaft des abendlichen Vergnügens“.

Lösungen für Zeit nach Lockdown

Auch die Betreiber der Bar Nerdz, Alexander Stöhr und Franz Fischer, reiben sich an Skets Brief.

Sein Schreiben hatte er an die Vorsitzende der Dehoga Bayern, Angela Inselkammer, geschickt. „Warum sollten wir, die traditionsreichen Speiselokale, wo wir ausschließlich Essen im Zentrum bis 21 Uhr anbieten, auch als gastronomischer Betrieb mit den Vergnügungslokalen gleichgestellt werden?“, fragte Sket die Dehoga-Landespräsidentin in seinem Brief. Die Gastwirte seien für die Versorgung ihrer Kunden ebenso da wie Metzger, Bäcker oder Supermärkte. „Das sollte nicht unterschieden werden“, meinte Sket und forderte eine Lösung für den „nächsten Lockdown“. Denn er vermutet, dass es mit dem 31. Januar mit dem geltenden Öffnungsverbot wohl noch nicht vorbei sein dürfte.

Kein Umsatz seit März 2020

Im Gegensatz zu Speiselokalen, berichten die Autoren der Antwort an Sket, sei die Rosenheimer Nachtgastronomie seit März 2020 faktisch zum Erliegen gekommen.

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„Nun schon fast ein Jahr hat keiner von uns einen Cent Umsatz erwirtschaften können“, schreiben die vier Wirte. Speiselokale hingegen hätten erst im November 2020 schließen müssen und könnten zumindest mit dem Verkauf der Speisen zum Mitnehmen noch den ein oder anderen Euro an Umsatz generieren. „Deshalb können wir nicht verstehen, warum Toni der Meinung ist, man würde uns in einen Topf werfen. Er hat gerade mal zwei Monate geschlossen, während wir seit fast einem Jahr nicht öffnen dürfen.“ Das zeige mehr als deutlich, dass die Bundesregierung durchaus eine Grenze zwischen Speise- und Nachtgastronomie ziehe.

Speisegastwirt Toni Sket wollte sich am Montag auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen nicht zu der Replik seiner Kollegen äußern.

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