Ein wenig Verzicht zugunsten der Umwelt

Rosenheimer Pfarrei St. Michael macht mit beim Klimafasten

Wünschen sich mehr Achtsamkeit beim Thema Konsum: die Gemeindereferentin der Pfarrei Sankt Michael, Lena Baccouche (links), und deren Umweltbeauftragte Birgit Betz
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Wünschen sich mehr Achtsamkeit beim Thema Konsum: die Gemeindereferentin der Pfarrei Sankt Michael, Lena Baccouche (links), und deren Umweltbeauftragte Birgit Betz

Mal ehrlich: Die Fastenzeit in diesem Jahr fühlt sich an, als wäre schon im November gestartet. Der Zwang zum Verzicht ist durch Corona ohnehin allgegenwärtig. Ein denkbar schlechter Start für die Pfarrei Sankt Michael und deren Umweltbeauftragter Birgit Betz. Sie beteiligen sich am Klimafasten.

Rosenheim – Seit Beginn des Jahres bekleidet sie diese ehrenamtliche Aufgabe. Und hat gleich mal einen Klimastammtisch ins Leben gerufen. Aus ihm erwuchs die Idee, die Fastenzeit in diesem Jahr unter das Thema Klimafasten zu stellen. Verzicht, aber keine Askese, soll die Wochen bis zum Osterfest bestimmen – zugunsten der Umwelt.

Nicht mit erhobenem Zeigefinger

Oder anders gesagt: „Nimm nur so viel du brauchst.“ Denn: Jedem stehe das zu, was er benötige. Dies wiederum treffe auf alle Menschen dieses Planeten zu, sagt Betz. Und damit ist man schon beim Problem: Wenn jeder seine Ansprüche entsprechend hoch ansetze, bleibe nicht genug für alle. Und die westlichen Nationen legten die Latte hier durchaus hoch.

Schonender Umgang mit Ressourcen

Darauf will die Aktion aufmerksam machen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, nicht mit dem Megafon. Stattdessen erinnert eine kleine Tafel im Altarraum der Kirche an ein Thema in Sachen Ressourcenverbrauch, das sich wöchentlich ändert.

Am Beginn der Kampagne stand der Wasserfußabdruck. Analog zum Kohlendioxid ging es hier um die Frage: Wie viel Wasser verbrauche ich durch meine täglichen Gewohnheiten? Das beginnt mit der Tasse Kaffee am Morgen, die wesentlich mehr Ressourcen frisst, als wenn Tee das Gefäß füllt.

Auch beim Fleischkonsum lässt sich im Kleinen ein wenig für das Klima tun, wenn nicht jeden Tag Wurst auf den Teller kommt. Und dass vegetarische Produkte mitunter dem Original in nichts nachstehen, konnten Betz und die Gemeindereferentin Lena Baccouche auch schon unter Beweis stellen: Sie verteilten Pröbchen vegetarischer Leberwurst vor besagter Tafel. Eine Einladung an all jene, die sich zumindest mal an das Thema Vegetarismus heranwagen wollten. Und siehe da: Der ein oder andere sei überrascht gewesen, dass der Brotaufstrich dem Geschmack von Wurst durchaus nahekomme.

„Ich persönlich mag Fasten. Ich genieße es, sich Zeit zu nehmen, um zu überlegen: Was brauchst du eigentlich?“, sagt Birgit Betz. Ohnehin findet sie die Aktion „superspannend“, auch, weil man die Sache bewusst einfach halte und sich pro Woche einem speziellen Thema des Komplexes Klimaschutz widme. Und das kann ebenso dazu führen, die eigene Lebensqualität zu steigern:

Ab der kommenden Woche steht das Motto „bewusst leben“ auf der Agenda, die Einladung, auch mal einen Gang runterzuschalten in Sachen Konsum. Dazu gehört auch, jene Zeitfresser im Alltag zu erkennen, die einen mehr oder minder durch den Tag hetzen. Hier gilt der Spruch: Manchmal ist weniger schlicht mehr.

Ein Mehr an Lebensfreude

Auch in Sachen Internetnutzung: Seit Mittwoch steht die Aktion unter dem Motto „bewusst online sein“. Dabei geht es nicht nur um das Problem, dass jene Serverfarmen, von denen man über Netflix und Konsorten Filme abruft, einen immensen Stromverbrauch mit sich bringen.

Der schöne Nebeneffekt: Bewusst einen Gang bei der Internetnutzung herunterschalten, bedeutet ebenso ein Mehr an Lebensfreude – Entschleunigung eben.

Hoffen auf Begegnungen im kommenden Jahr

Der Pferdefuß für die Aktion in diesem Jahr: 15 Gemeindemitglieder befassen sich derzeit beim Klimastammtisch mit dem Thema Umwelt. Doch die Treffen bleiben bislang virtuell. Entsprechend groß ist die Hoffnung, im kommenden Jahr noch wirklich durchstarten zu können. Denn die Rückmeldungen zum Thema Klimafasten hielten sich, vermuten Betz und Baccouche, wohl auch aufgrund der Kontaktbeschränkungen in Grenzen.

Erste Gelegenheit, sich in Sachen Ressourcenschonung wieder von Angesicht zu Angesicht begegnen zu können, gibt es am Freitag, 19. März, um 12 Uhr in der Kirche Sankt Michael während einer Klimaandacht.

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