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„Wir lassen Farben für uns sprechen“

Rosenheimer Pflegerinnen ermöglichen Kunstprojekt für Menschen mit Beeinträchtigung

Stolz präsentiert die Gruppe ihre Kunstwerke: (von links) Martina Uetz, Sabrina Posewitz, Maria Hilger, auszubildende Heilerziehungspflegerin Iva Schuster, Sevgi Schmidt und Sandra Mirkovic.Trautmann
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Stolz präsentiert die Gruppe ihre Kunstwerke: (von links) Martina Uetz, Sabrina Posewitz, Maria Hilger, auszubildende Heilerziehungspflegerin Iva Schuster, Sevgi Schmidt und Sandra Mirkovic.Trautmann

Iva Schuster und Jassenka Bilalic sind angehende Heilerziehungspflegerinnen und haben während ihrer Ausbildung ein Projekt organisiert. Sie haben Menschen mit Beeinträchtigung die Möglichkeit gegeben, sich künstlerisch zu entdecken. Das Ergebnis wird ab Freitag ausgestellt. Ein Besuch bei den Künstlerinnen.

Rosenheim – Nervös sitzen sie um den Tisch, kichern vor sich hin. Sie sind aufgeregt, weil sie in die Zeitung kommen. Jede hat ihr Bild vor sich liegen und erzählt etwas dazu. Bei der Gestaltung haben sie verschiedene Techniken verwendet. Sabrina Posewitz hat einen Faden in Farbe getaucht und über die Leinwand gezogen. Maria Hilger hat Luftballons begossen und auf die Fläche gedrückt. „Das hat aber nicht so gut ausgesehen“, sagt die 36-Jährige und lacht.

Nicht nur Farbe und Pinsel: Die Gruppe nutzte außergewöhnlichen Utensilien wie Frischhaltefolie und Siebe.

Nach dem ersten Versuch habe sie dann einen Becher mit blauer, grüner, pinker und gelber Farbe befüllt und durch ein Sieb auf die Leinwand gegossen. Diese Technik wird im Englischen „pouring“ genannt, übersetzt also „gießen“.

Gefühle und Gedanken ausdrücken

„Die Gestaltung der Pouringbilder hilft ihnen, Gefühle, Emotionen und Gedanken auszudrücken“, sagt Pflegerin Schuster. Wozu ihnen manchmal die Worte fehlten, können sie so ausdrücken. Deshalb heißt das Projekt „Wir lassen Farben fürs uns sprechen“.

Auch Sevgi Schmidt und Sandra Mirkociv haben die Pouring-Technik angewandt. Mirkovic zieht bald in eine neue Wohngemeinschaft. Dort will sie ihr Bild aufhängen. Sie hat verschiedene Lilatöne auf ihre Leinwand gegossen – definitiv ihre Lieblingsfarbe. Selbst ihr Haar hat einen lila Stich. Die meisten haben sich für ihre Lieblingsfarben entschieden. Schmidt liebt Pink und Rosa.

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Keine Treffen aufgrund der Corona-Pandemie

Einen Stuhl weiter sitzt Martina Uetz. Sie hat Küchenpapier zusammengeknüllt, in Farbe getaucht und auf die Leinwand getupft – in blau, lila und rot. „Nur rosa mag ich nicht“, sagt Uetz. Sevgi Schmidt sieht sie entsetzt an und alle lachen. Die Stimmung in der Gruppe ist gut. Sie sind ein eingespieltes Team, viele kennen sich schon über zehn Jahre und waren gemeinsam in der Schule.

Schmidt und Mirkovic erzählen Anekdoten, wie sie der Putzkraft in der Schule die Eimer versteckt haben und unterhalten die Truppe. Sie sind froh, wieder vereint zu sein. Aufgrund der Corona-Pandemie war ein solches Treffen lange nicht möglich.

Begeisterung bei allen Beteiligten

„Die Gemeinschaft hat uns sehr gefehlt“, sagt Sabrina Posewitz. Insgesamt haben 15 Teilnehmer bei dem Projekt mitgemacht. Darunter Bewohner des Emmy-Schuster Hauses und Teilnehmer des Programms der Offenen Behinderten Arbeit (OBA). Begeistert waren sie alle. Darüber freuen sich auch die beiden Organisatorinnen, weil sie viel Arbeit in das Projekt gesteckt haben.

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Online-Videos als Inspiration

Für die Vorbereitungen mussten die beiden angehenden Heilerziehungspflegerinnen nicht nur Pinsel, Farben, Siebe und andere Hiflsmittel besorgen. Sie haben sich mit den Teilnehmern online inspirieren lassen. „Wir haben zuvor in Videos gestöbert“, sagt Schuster. Dann haben sie sich kreativ ausgelebt.

Ein eingespieltes Team: Die Gruppe zeigt, wie sie die Bilder angefertigt haben.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Keiner will sein Bild hergeben“, sagt Schuster. Alle wollen es zuhause aufhängen. Zuvor werden die Werke noch ausgestellt. Von Freitag bis Sonntag können Besucher die Kunstwerke in der Caféteria des Emmy-Schuster-Hauses in der Aventinstraße bestaunen. „Unsere Klientinnen und Klienten freuen sich schon sehr darauf.“

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