Aktion der Landesinnung

Rosenheims Friseure machen mit „Wir brennen für unsere Kunden“ aufmerksam

Plakativer Kampf um den Fortbestand der Branche: Auch in Rosenheim protestieren Friseure gegen die Corona-Beschränkungen, indem sie freitags 24 Stunden das Licht nicht löschen.
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Plakativer Kampf um den Fortbestand der Branche: Auch in Rosenheim protestieren Friseure gegen die Corona-Beschränkungen, indem sie freitags 24 Stunden das Licht nicht löschen.

An jedem Freitag 24 Stunden das Licht brennen lassen: Mit dieser Aktion will der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks auf die wirtschaftliche Situation seiner Mitglieder aufmerksam machen. Auch in Rosenheim beteiligen sich Friseure – so sie können.

Rosenheim – Haareschneiden ist ein Grundbedürfnis. In diesem Punkt sind sich auch die Friseure in Rosenheim weitestgehend einig. Mit der Aktion „Wir brennen für unsere Kunden“ wollen sie auf die wirtschaftliche Situation ihrer Zunft aufmerksam machen. Vor allem aber auf die Ungerechtigkeiten, die den geltenden Corona-Beschränkungen innewohnen.

Auch wenn man das Licht nicht sieht

Mit dabei ist die Rosenheimerin Renate Rüber. „Ich mache bei der Aktion mit, auch wenn man das Licht momentan vielleicht nicht so sieht“, sagt die Friseurmeisterin. Ihr Salon werde gerade renoviert, da falle der andauernde Lichtschein an jedem Freitag wohl nicht jedermann ins Auge. Wenngleich: Rüber beteilige sich an jeder Kampagne, die auf ihre Probleme und die ihrer Kollegen aufmerksam macht.

Wenig Hoffnung, das Botschaft ankommt

Doch Rüber macht sich wenig Hoffnung, dass die Botschaft auch dort ankommt, wo sie gehört werden soll. Sie hat bereits einen Brief an Ministerpräsidenten Markus Söder geschrieben. Eine Antwort bleibe ihr die Staatskanzlei bis heute schuldig.

Dabei sei das faktische Berufsverbot für die Friseure schreiend ungerecht. „Privat dürfen sich zwei Personen treffen, ich darf nicht einmal einen Kunden von mir frisieren“, klagt Rüber. Die Folge: Die Kollegen flüchten in die Schwarzarbeit, und die Kunden machen mit.

Dauernde Flucht in die Schwarzarbeit

Und das vielleicht auf Dauer, wie der Obermeister der hiesigen Friseurinnnung, Stefan Mashold, fürchtet. In Foren und sozialen Netzwerken würden seine Kollegen bereits ihre Dienste feilböten und Kunden zu Hause besuchten. Dort, wo die Corona-Beschränkungen noch viel weniger kontrollierbar seien. Und logischerweise erfolge die Bezahlung bar auf die Hand – ohne Rechnung. Und damit auch günstiger.

Wenn sich die Leute erst mal daran gewöhnen, befürchtet Mashold, gingen die Kunden den ordentlichen Kollegen auch langfristig verloren, wenn sie erst mal auf den Geschmack gekommen sind.

Nicht jeder kann mitmachen

Zumindest fällt ihm im Alltag, beim Einkaufen wesentlich mehr akkurat geschnittener Haarschmuck auf, als dies während des jüngsten Lockdowns der Fall gewesen ist. So oder so sei die Rückmeldung seiner Kollegen in Bezug auf die Aktion „Wir brennen für unsere Kunden“ eher mäßig. Was hilft es auch, wenn die Lichter brennen, nach 21 Uhr aber ohnehin keiner mehr auf die Straße darf?

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Zudem kann nicht jeder Friseur ohne Weiteres das Licht anlassen. Zumindest nicht, wenn wer, wie die Friseurin Alejandrina Höllbauer schildert, in einem Salon arbeitet, der beispielsweise in einem Kaufhaus eingegliedert ist.

Wichtiger wäre für Friseur-Obermeister Stefan Mashold, die Politik schaue endlich auf die Zahlen. Die sprächen nämlich eine ganz andere Sprache. „Aus keinem Betrieb meines Innungsbereiches wurden Kontaktlisten angefordert“, sagt er und meint damit: Noch sei es in keinem Salon aus seinem Beritt zu einer Infektion gekommen.

Der Politik in Erinnerung bleiben

Auch wenn sich jüngst die Spitze an Bayerns Landesregierung – allen voran Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger – dafür ausgesprochen hat, dass die Friseure unter den Ersten sein sollten, die nach Lockerung der Corona-Beschränkung wieder öffnen sollten: Auch der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks will mit der Aktion vor allem eines: Der Politik im Gedächtnis bleiben.

Die Idee sei einem Vorstandsmitglied gekommen, wie Verbandsgeschäftsführerin Doris Ortlieb berichtet. „Weder die Angehörigen unseres Berufs noch die Bevölkerung soll sich damit abfinden, dass Friseure geschlossen bleiben müssen“, sagt sie. Mit der Aktion wolle man auch „die Leiseren“ der Branche mitnehmen, jene, die nicht unbedingt auf die Straße wollen, um gegen die derzeit geltenden Corona-Beschränkungen zu protestieren.

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