"Da schauen wir mit dem Ofenrohr ins Gebirge"

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MdB Daniela Ludwig (2. von rechts) und Mitglieder von UHD Rosenheim

Rosenheim - Eine Altersvorsorge für Unternehmer sollte nach Meinung von Bundestagsabgeordneter Daniela Ludwig verpflichtend sein. Man sprach sich am Sonntag darüber aus:

Alle Selbstständigen sollten zu einer Altersvorsorge verpflichtet werden. Darin waren sich die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig und Mitglieder des Vereins „Unternehmerinnen in Handwerk und Dienstleistung Rosenheim e.V.“ (UHD) bei einem Meinungsaustausch einig. Allerdings verlangten die Unternehmerinnen gleichzeitig Änderungen bei der Künstlersozialkasse und Entlastungen durch eine niedrigere Umsatzsteuer auf Dienstleistungen. Der Staat könne nicht einerseits alle Unternehmer zur Altersvorsorge verpflichten, andererseits aber die Allgemeinheit die Altersvorsorge für eine Berufsgruppe wie Journalisten und Künstler zahlen lassen.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Kleinunternehmer und Freiberufler, wie etwa Gastronomen oder Dienstleister, keine Altersvorsorge haben und später in die Grundsicherung fallen. Deshalb müssen wir hier etwas tun“, erklärte Daniela Ludwig. „Auch aus Gerechtigkeitsgründen ist das notwendig.“ Die Rosenheimer Unternehmerinnen stimmten ihr hier zu. „Bei uns regelt das die Kammer, und das war bei meinem Start schwierig“, berichtete Rechtsanwältin Johanna Mathäser. „Doch rückblickend gesehen finde ich das System richtig. Ich bin froh, dass ich regelmäßig in die Altersvorsorge einzahle.“ In vielen Branchen, wie etwa im Handwerk oder im Messebau, gebe es genügend Selbstständige, die nichts oder nur wenig in die Altersvorsorge einzahlten, berichteten die Unternehmerinnen. Ein Dorn im Auge ist vielen auch das Umsatzsteuersystem. „Die 7-Prozent-Regelung im Tourismus muss bleiben“, forderte das Ehepaar Lieselotte und Dieter Linde. Sie vermieten mehrere 5-Sterne-Ferienwohnungen in Bad Endorf. „Im Vergleich zu Österreich hinken wir hinterher.

Die Politik hat diesen Erfolg und die Begründung für die 7-Prozent-Regelung schlecht verkauft“, kritisierte Dieter Linde. Die Mitglieder von UHD Rosenheim verlangen, auch für Dienstleistungen eine Umsatzsteuer von 7 Prozent einzuführen. Sonst werde es immer Probleme mit der Schwarzarbeit geben. „Auch die Kleinunternehmer, die keine Umsatzsteuer zahlen, sind inzwischen oft ein Problem“, berichtete Sophie Maier. Sie führt mit ihrem Mann ein Bauunternehmen. „Wir erleben, dass sich mehrere Kleinunternehmer eine Baustelle teilen. Da schauen wir mit dem Ofenrohr ins Gebirge.“ Daniela Ludwig zeigte Verständnis für die Forderungen. „Für mich stellt sich die Frage, was machen wir insgesamt mit dem Umsatzsteuersystem. Es ist an vielen Stellen unlogisch und ungerecht. Doch bei Änderungen werden Sie immer jemanden finden, der sich benachteiligt fühlt.“ Am besten, so Ludwig, wäre ein einheitlicher Umsatzsteuersatz. „Doch es gibt derzeit wenig Neigung auf der politischen Ebene, dieses Thema anzupacken.“ Nach Ansicht der heimischen Wahlkreisabgeordneten sollten Dienstleistungen aber mit 7 Prozent Umsatzsteuer belegt werden. „Wir bekämpfen mit allen möglichen Maßnahmen die Schwarzarbeit. Das nützt alles nichts, wenn wir auf Dienstleistungen so hohe Umsatzsteuersätze haben.“ Weitere Themen bei der dreistündigen, intensiven Diskussion waren die Situation der Kinderbetreuung, das Betreuungsgeld, Studiengebühren und eine mögliche Akademisierung der Pflegeberufe.

Monika Roth vom UHD-Vorstand bedankte sich bei Daniela Ludwig für den ausgezeichneten Meinungsaustausch. „Wir sind froh, dass wir die Gelegenheit haben, unsere Anliegen als Unternehmerinnen aus Handwerk und Dienstleistung direkt bei einer Bundestagsabgeordneten vorbringen können.“ Die Abgeordnete ist Fördermitglied des Vereins. Einige gaben Daniela Ludwig ihre Wünsche auch schriftlich nach Berlin mit auf dem Weg. Einig waren sich beide Seiten, dass die Diskussion im nächsten Jahr wiederholt wird.

Bürgerbüro Daniela Ludwig

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