Nach Leben mit Drogen, Alkohol und Prügel: Zwangsunterbringung

Wandelnde Zeitbombe

Rosenheim - Der Angeklagte war eine wandelnde Zeitbombe auf Rosenheims Straßen: die meiste Zeit betrunken und unter Drogen ging der 23-Jährige aggressiv und grundlos auf andere los.

Der Angeklagte, der jetzt vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Heinrich Loeber stand, war eine wandelnde Zeitbombe auf Rosenheims Straßen: Wenn es in den zurückliegenden beiden Jahren riskant war, nachts in der Stadt herumzugehen, so lag es auch daran, dass der 23-jährige Arbeitslose zu der Zeit betrunken und unter Drogen unterwegs war.

Gleich vier Anklagen wegen fünffach gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung verlas die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Einmal verprügelte der gebürtige Münchener einen Taxifahrer, dem der Angeklagte betrunken in den Wagen gefahren war. Ein anderes Mal attackierte er grundlos nachts einen Passanten am Max-Josefs-Platz oder verpasste einem Nachtclubbesucher eine brutale Kopfnuss. Immer stand er unter Drogen, immer hatte er gleichzeitig eine Menge Alkohol im Blut.

Vor Gericht war der Mann nun umfassend geständig. Sein Verteidiger, der Rosenheimer Rechtsanwalt Hans Sachse, wies im Zuge der Beweisaufnahme allerdings darauf hin, dass in einem Überwachungsvideo deutlich zu erkennen sei, dass in einem Falle der Angeklagte angegriffen worden sei und er sich zur Wehr gesetzt habe. Das wurde zugestanden und der Tatvorwurf fallengelassren.

Es verblieben noch immer vier Attacken, die der Angeklagte ohne rechtfertigenden Anlass verübt hatte. Leider hatte er - unter offener Bewährung - keineswegs den Kontakt zu seinem Bewährungshelfer gesucht. Es verwundert unter diesen Umständen nicht, dass er, entgegen seinen Bewährungsauflagen, mit jeder Menge Drogen im Blut kontrolliert wurde.

Bereits freiwillig in Entzugstherapie

Er befinde sich seit Ende Mai aus freien Stücken im Bezirkskrankenhaus Taufkirchen, wo er sich einer Entzugstherapie unterziehe. Alkohol und Haschisch, so erklärte der 23-Jährige, seien sein Problem gewesen, das er nun mit aller Kraft loswerden wolle.

Dass sein größtes Problem Opiate wie Heroin gewesen seien, hätte er wohl gerne verschwiegen. Der Gutachter Dr. Stefan Gerl ließ ihn jedoch damit nicht durchkommen. Erst auf dessen Nachfrage gab der Angeklagte zu, dass er derzeit auch mit Methadon substituiert werde. Aber auch da sei er aber auf dem besten Wege, den Ausstieg zu schaffen, so sagte er.

Eine gewisse Skepsis machte sich zunächst breit, hatte der Angeklagte doch bereits einmal eine Langzeittherapie wegen erneutem Drogenmissbrauch abbrechen müssen. Dass ihm, wie nahezu allen Junkies, verschmutzte Injektionsnadeln eine Hepatitis-C-Erkrankung eingebracht hatte, spreche für die Polytoxikomanie, wie sie vom Gutachter beschrieben worden sei.

Dieser berichtete, dass ohne therapeutische Behandlung ein Rückfall in weitere Straffälle zu erwarten sei. Der Angeklagte sei nun etwas gereifter, eine nochmaliger Therapiemaßnahme erfolgversprechend und außerdem der einzige Weg, den Angeklagten vor Rückfällen zu bewahren.

Die Staatsanwältin beantragte in ihrem Plädoyer zwei Jahre und sechs Monate Haft, die der ungelernte junge Mann in einer therapeutischen Zwangsunterbringung verbüßen solle.

Verteidiger Sachse stimmte der Staatsanwältin zu, zumal sein Mandant selber höchstes Interesse an einer Therapie habe, um endlich diesen Suchtdruck loszuwerden. Allerdings hielt er eine Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten für ausreichend.

Ab ins geschlossene Therapiezentrum

Das Gericht befand eine Strafe von zwei Jahren und drei Monaten für tat- und schuldangemessen. Außerdem ordnete es - wie allseits beantragt - die Unterbringung in einem geschlossenen Therapiezentrum an. Richter Loeber schloss die Verhandlung mit eindringlichen Worten an den 23-Jährigen: "Nun gilt es für Sie, den Angeboten des Umfeldes zu widerstehen und die Zähne zusammenzubeißen, um den Therapieerfolg zu erreichen. Dann könnten sie zum Ende der Therapie auf Bewährung entlassen werden."

au/Oberbayerisches Volksblatt

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