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Schweinebraten statt Sushi

Suwako Minato-Torkler packt einen Galeriekoffer für ihr FSJ-Abschlussprojekt. Foto ra
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Suwako Minato-Torkler packt einen Galeriekoffer für ihr FSJ-Abschlussprojekt. Foto ra

Rosenheim - Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ist ein Angebot an junge Menschen, die sich nach der Schule erst einmal orientieren wollen, bevor sie studieren oder einen Beruf ergreifen.

Auch die Japanerin Suwako Minato-Torkler hat sich für das FSJ entschieden, das die junge Frau in der Städtischen Galerie absolviert.

Suwako Minato-Torklers Vater ist Deutscher, ihre Mutter Japanerin. Im Alter von drei Jahren zog sie mit ihrer Familie von Bonn nach Tokio. Dort blieb sie einige Jahre, bevor es mit zwölf für drei Jahre nach Berlin ging. Zurück in Tokio besuchte die 19-Jährige das Gymnasium und machte ihr Abitur. Obwohl sie den Großteil ihres Lebens in Japan verbrachte, spricht sie fließend Deutsch. Auch darum entschied sie sich, nach dem Abi Kommunikationswissenschaften in Deutschland zu studieren.

Das klappte aber leider nicht: "Mein Vater wurde nach China versetzt, er ist jetzt Generalkonsul in Chengdu. Durch den Umzug war ich spät dran für die Bewerbung und die Post brauchte mehrere Wochen, da war die Frist verstrichen." Darum informierte sie sich über Möglichkeiten zur Überbrückung des Jahres Pause zwischen Abi und Studium. Bald stieß sie im Internet auf das FSJ und auf die Städtische Galerie in Rosenheim. "Ich habe mich über die Galerie und die Stadt informiert und beides hat mir gefallen, da habe ich mich einfach beworben", erzählt sie. So einfach war es dann aber doch nicht. Von China aus konnte sie nicht zu einem Vorstellungsgespräch nach Rosenheim kommen. Darum führte sie mit Galerieleiterin Monika Hauser das Gespräch über Skype - einer kostenlosen IP-Telefonie-Software, die es ermöglicht, via Internet miteinander zu telefonieren und sich dabei zu sehen.

Seit 2011 bietet die Galerie eine FSJ-Stelle an und hat seither nur gute Erfahrungen gemacht, sagt Hauser. Bedenken, eine Bewerberin aus dem Ausland zu nehmen, habe sie keine gehabt: "Für uns ist es besonders spannend, eine Mitarbeiterin aus Japan zu haben. Suwako war die beste Bewerberin und wir lernen voneinander."

Nach der Zusage packte Minato-Torkler ihre Koffer und zog nach Rosenheim. Die Stadt habe ihr auf Anhieb gefallen, sagt sie. Besonders die Fassaden am Max-Josefs-Platz, die Mangfall, die Nähe zu den Bergen und die kurzen Distanzen in der Innenstadt haben es ihr angetan: "In Tokio braucht man ewig, um von einem Ort zum nächsten zu gelangen, hier in Rosenheim kann ich alles zu Fuß erreichen, das ist super."

Eine Wohnung zu finden war zum Glück kein Problem. Hauser half ihr bei der Suche: "Eine Kollegin, die bei der Stadt Rosenheim arbeitet, hatte eine Wohnung zu vermieten und die konnte ich ihr vermitteln."

Die Arbeit in der Galerie gefällt Minato-Torkler sehr gut. Ihre Kolleginnen seien nett und die Aufgaben abwechslungsreich. An manchen Tagen arbeitet die 19-Jährige im Depot, an anderen sitzt sie an der Kasse oder schreibt Pressetexte. Nebenbei arbeitet sie an ihrem FSJ-Projekt. "Jeder, der ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, muss am Jahresende ein Projekt vorstellen", erklärt sie. Ihr Projekt ist ein Galeriekoffer: Passend zu jeder Kunstepoche stellt sie einen Koffer mit Büchern, Infomaterial und Bildern zusammen. Mit den Koffern wird Minato-Torkler dann in Schulen gehen und den Kindern etwas über Kunst erzählen. Das Angebot richtet sich dabei an alle Klassen und Schularten, wobei der Schwerpunkt vermutlich bei den Grund-, Mittel und Realschulen liegen wird. Auf diese Aufgabe freut sich die 19-Jährige schon.

Heimweh hat sie nicht. "Ich fühle mich hier zu Hause. Die Leute sind nett, die Umgebung ist schön und ich liebe den Schnee", schwärmt sie. Besonders die bayerische Kultur und Sprache gefallen ihr gut, auch wenn sie vieles noch nicht versteht. Ihre Kolleginnen würden ihr aber fleißig Nachhilfe geben, erzählt sie. Auch vom Essen ist sie begeistert. Weihnachten backte Minato-Torkler mit Kolleginnen Plätzchen und Stollen,und auchSauerkraut, Semmelknödel und Schweinebraten schmecken ihr gut. Weil es ihr hier so gut gefällt, will sie nach ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr auf jeden Fall in Bayern studieren.

ra/Oberbayerisches Volksblatt

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